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Familie des Hans Gottfried Stümmel, angefertigt nach 1605 (?), Krofdorf-Gleiberg

Krofdorf-Gleiberg · Gem. Wettenberg · Landkreis Gießen | Historisches Ortslexikon
Standort | Merkmale | Beschreibung | Inschrift | Nachweise | Zitierweise
Standort

Standort:

Krofdorf-Gleiberg

Gebäude:

Evangelische Margarethenkirche

Angaben zum Aufbewahrungsort:

Das Stück wurde zusammen mit einem weiteren Epitaph für Barthel Kolb und Anna Elisabeth geb. Hell (vgl. Nr. 1015) am 14. November 2009 auf einer Auktion von der evangelischen Kirchengemeinde Krofdorf-Gleiberg ersteigert. Beide waren 1879 von der Gemeinde an Adrian van der Hoop verkauft worden, der die Epitaphien 1880 hatte restaurieren lassen. Von 1879 bis 2009 befanden sie sich auf Hofgut Schmitte bei Rodheim-Bieber, Sitz der Familie van der Hoop. 2009/2010 erfolgte eine erneute Restaurierung durch Dipl.-Rest. Sabine Kuypers, Biebertal.

Merkmale

Datierung:

nach 1605 (?)

Typ:

Epitaph

Material:

Ölmalerei auf Holz · Ölmalerei

Erhaltung:

erhalten

Größe:

98 x 112 cm (B x H)

Beschreibung

Beschreibung:

Die angegebenen Maße für Höhe und Breite incl. dem 3,5 cm breiten Rahmen.

Das gemalte Epitaph zeigt in dem figürlichen Teil die anbetend knienden Familienmitglieder beiderseits des Gekreuzigten. Dieses von schmalen Rahmenleisten umgebene Bild wird seinerseits eingefasst von gemalten Randstreifen, welche seitlich je vier Vollwappen mit Namensbeischriften (B) aufweisen und oben und unten rote Ornamente über goldfarbenem Grund in symmetrischer Anlage und guter Ausführung haben.

Das hoch aufragende Kreuz genau in der Bildmitte des Hauptfeldes gibt den dreigenagelten Christus mit Nimbus und Dornenkrone wieder. Der stark zur Seite geneigte Kopf gilt der Veranschaulichung des Todes. Wie seit der Spätgotik üblich, schwingt das Lendentuch nach beiden Seiten aus und leitet über zu einer Burg auf einem Berg im Bereich des weiten Horizontes links sowie zu einem einzelnen Baum in der rechten Bildhälfte, dahinter ebenfalls eine kleine Burg. Die durchgehende Landschaft erfährt hiermit eine Akzentuierung. Der mit Holzkeilen stabilisierte Kreuzesstamm unterteilt die in gleichmäßiger Aufreihung wiedergegeben Figuren in zwei Gruppen. Die männlichen Familienmitglieder befinden sich links, die weiblichen rechts. In nahezu identischen Körper- und Gebetshaltungen knien sie in diagonaler Anordnung von den unteren Ecken aus nach der Bildmitte des Kreuzes hin. Dadurch ergibt sich ein dreieckiges, grünes Landschaftsfeld, welches die zu den einzelnen Personen führenden Namenszüge (A) aufnimmt. Wiedergegeben sind fünf Frauen und fünf Männer. Unter diesen befindet sich – zweite Person von links – ein kleines Kind. Alle Gewandungen (Rüstungen?) sind sehr schematisch in dunkler Farbe gestaltet. Deutlicher ausgearbeitet sind die von allen Personen getragenen Mühlsteinkragen. Über den Köpfen der ersten drei Männer seitlich des Kreuzes, davon zwei mit Oberlippenbart, befinden sich kleine rote Kreuzchen zum Zeichen, dass sie bereits verstorben sind. Beim vierten als Kind dargestellten männlichen Familienmitglied befindet sich das Kreuzchen über den Händen. Die Reihe der weiblichen Familienmitglieder wirkt noch geschlossener, da sie von nahezu gleicher Körpergröße sind. Sie sind ebenfalls dunkel gekleidet, drei der vom rechten Bildrand her Dargestellten tragen kurze Hauben in der Farbe der Mühlsteinkragen, dabei sind zwei von ihnen sowie die ganz links Kniende mit den kleinen Kreuzchen in der beschriebenen Bedeutung versehen.

Die Anordnung und Wiedergabe der Figuren ist etwas steif. Gegenüber der nur wenig differenzierten Kleidung sind die Gesichter individuell bestimmt. Die umgebende Landschaft hat im Horizontbereich eine relativ feine farbliche Nuancierung. Dies auch im Zusammenspiel mit dem sich nach dem oberen Bildrand hin verdunkelnden Himmel, welches die angestrebte räumliche Wirkung verstärkt.

Darstellung:

figürlich

Geschlecht, Alter, Familienstand:

weibliche Person(en) · männliche Person(en) · Familie · Kind(er)

Stand:

Bürger

Enthaltene Wappen:

Links vier Ahnenwappen des Hans Gottfried Stümmel, von oben nach unten: 1) Stümmel, 2) von Langsdorf, 3) von Büches und 4) von Breitenbach (Schildbild: Schrägbalken). In den Namensbeischriften zu den Wappen 3 und 4 ist vermerkt, dass beide zu vertauschen sind.

Rechts vier Ahnenwappen der Maria Stümmel geb. Wolfskehl, von oben nach unten: 1) Wolfskehl, 2) Schutzbar genannt Milchling, 3) von Hattstein und 4) Rau von Holzhausen.

Dargestellte Personen:

Das Epitaph wurde für die Familie des Adligen Hans Gottfried Stümmel geschaffen. Es zeigt die folgenden Personen mit ihren Namen und zum Teil mit Todesjahren:

1) unmittelbar links des Gekreuzigten den Vater Hans Gottfried, mit Kreuzchen über dem Kopf und Todesjahr 1579

2) daneben Sohn Curt Eberhard, mit Kreuzchen über dem Kopf und Todesjahr 1604

3) daneben Sohn Hans Albrecht Philipp mit Kreuzchen über dem Kopf, aber ohne Todesjahr

4) daneben Sohn Johann Melchior, als Kind dargestellt, mit Kreuzchen über den Händen, ebenfalls ohne Todesjahr

5) links außen Sohn Ernst

6) rechts des Gekreuzigten ganz außen die Mutter Maria Stümmel, nach den Wappen eine geborene Wolfskehl, mit Kreuzchen über dem Kopf und Todesjahr 1570,

7) links daneben Tochter Margaretha Catharina, mit Haube und somit verheiratet, mit Kreuzchen über dem Kopf und Todesjahr 1602

8) daneben Tochter Catharina mit Haube

9) daneben Tochter Dorothea, ohne Haube und daher noch unverheiratet

10) daneben Tochter Adelheid, ebenfalls ohne Haube und somit unverheiratet, mit Kreuzchen über dem Kopf und Todesjahr 1602.

Das mit 1602 angegebene Todesjahr Adelheids kann nicht zutreffen, da sie und ihre Schwester Catharina noch am 21. April 1605 als Taufpatinnen im Gießener Kirchenbuch vorkommen.

Der dargestellte Sohn Ernst Stümmel war zuletzt fürstlich württembergischer Hofmeister in Nürtingen und starb dort am 8. August 1624 im Alter von 58 Jahren. Seine Grabplatte, die in der Laurentiuskirche von Nürtingen erhalten ist, zeigt die folgenden vier Ahnenwappen, die der Ahnenprobe des vorliegenden Epitaphs zum Teil widersprechen: links oben (= Vater) Stümmel, rechts oben (= Mutter) Wolfskehl, links unten (= Vaters Mutter) Riedesel (nach dem vorliegenden Epitaph jedoch an dieser Stelle von Langsdorf !), rechts unten (= Mutters Mutter) von Hattstein (nach dem vorliegenden Epitaph jedoch an dieser Stelle Schutzbar genannt Milchling !).

Inschrift

Umschrift:

A:

(Namensbeischriften zu den 5 männlichen Personen, von innen nach außen:)

HANS GOTF:(RIED) / DER VATER / STARB A(NN)O: 1579

CURT EBERHART / STARB A(NN)O: 1604.

HANS ALBRECHT / PHILIPS.

IOHAN MELCHER.

ERNST.

(Namensbeischriften zu den 5 weiblichen Personen, von außen nach innen:)

MARIA DIE MUTTER / STARB A(NN)O: 1570.

MARGRETA CATA / RINA STARB A(NN)O: 1602

CATARINA.

DOROTHEA.

ADELHEIDT / STARB A(NN)O: 1602.

B:

(Namensbeischriften zu den linken 4 Wappen, von oben nach unten:)

STÜMMEL.

LANGSDORF.

BÜCHES DIS WA / PEN HÖRT HIN / WO BREITENBACH / STET

BREITENBACH / DIS WAPEN HÖRT / HIN WO BÜCH / ES STET.

(Namensbeischriften zu den rechten 4 Wappen, von oben nach unten:)

WOLFSKEHL.

MILCHLING.

HATZSTEIN

RAW.

Schrift:

Kapitalis

Nachweise

Literatur:

Personen:

Stümmel, Johann Melchior · Stümmel, Ernst · Stümmel, Catharina · Stümmel, Dorothea

Orte:

Krofdorf · Krofdorf-Gleiberg · Nürtingen

Sachbegriffe:

Familiendarstellungen · Kruzifixe · Landschaften · Burgen · Bäume · Wappen · Nimben · Dornenkronen · Lendentücher · Mühlsteinkragen · Adlige · Männer · Frauen · Kinder · Familien

Wappen:

Stümmel · Langsdorf · Büches · Breitenbach · Wolfskehl · Schutzbar genannt Milchling · Milchling, Schutzbar genannt · Hattstein · Rau von Holzhausen

Bearbeitung:

Christa Benedum, Gießen, und Andreas Schmidt, HLGL

Zitierweise
„Familie des Hans Gottfried Stümmel, angefertigt nach 1605 (?), Krofdorf-Gleiberg“, in: Grabdenkmäler <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/1014> (Stand: 9.4.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde