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Portrait

Johannes Scholl
(belegt 1588–1606)

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GND-Nummer

123359937

Scholl, Johannes [ID = 8568]

* [unbekannt] Battenberg, † 10.8.1606 Friedberg, belegt 1588
Prof. – Theologe, Professor, Pfarrer
Biografischer Text

Johannes Scholl entstammte einer Battenberger Bürgerfamilie. Nachdem er sich 1588 an der Universität Marburg immatrikuliert und dort wohl auch den Magistergrad erworben hatte, wurde er 1595 zum Stipendiatenmajor berufen. Diese verantwortungsvolle Funktion, in der ihm die Aufsicht über den Studien- und Lebenswandel der durch die hessischen Landgrafen geförderten Studenten der Marburger Universität oblag, füllte er bis 1599 aus. Danach ging er an die Universität Tübingen, wo er als Magister wahrscheinlich einen Lehrauftrag übernahm. Vermutlich war dieser Austausch zwischen Marburg und Tübingen im Wesentlichen durch die damaligen familiären Beziehungen Landgraf Ludwigs IV. mit dem württembergischen Herzogshaus möglich. Denn schon in den Jahren davor wechselten wiederholt Marburger Studenten nach Tübingen, wie das Beispiel der ebenfalls aus Battenberg stammenden Brüder Johannes und Jonathan Fulder von 1585 zeigt. Schon im Jahr 1600 erfolgte allerdings Scholls Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte, da er hier als Nachfolger des Battenbergers Johannes Molther zum Professor der Hebräischen Sprache ernannt wurde. 1604 stieg Johannes Scholl sogar zum Dekan der Theologischen Fakultät auf. Wegen der vermutlich aber nur mäßigen Bezahlung – 1602/03 stellte er ein erfolgreiches Gesuch um Gehaltszulage – war er zugleich auch Pfarrer an der Marburger Elisabethkirche. 1605 verweigerte er in diesem Amt wie viele andere oberhessischen Pfarrer die Annahme der calvinistischen Verbesserungspunkte des Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel und riskierte damit in Marburg seine Entlassung sowohl aus dem Universitäts- wie auch aus dem Pfarrdienst. Möglicherweise verzichtete er als überzeugter Lutheraner aber auch von selbst auf beide Anstellungen. Schon im August des gleichen Jahres ging er nach Friedberg, wo er erneut als Nachfolger von Johannes Molther bis zu seinem Tod 1606 die lutherische Stadtpfarrei versah.

Matthias Seim


Literatur