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Hessische Biografie

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Portrait

August Ludwig Gottlieb
(1844–1903)

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GND-Nummer

1032881577

Gottlieb, August Ludwig [ID = 9920]

* 8.12.1844 Waldkappel, † 13.6.1903 Wiesbaden, Begräbnisort: Hersfeld städtischer Friedhof am Frauenberg, evangelisch-reformiert
Seilerwarenfabrikant
Andere Namen | Wirken | Familie | Nachweise | Leben | Zitierweise
Wirken

Werdegang:

  • Geburt in evangelischer Familie mit jüdischen Wurzeln
  • 1848 Erkrankung an Scharlach (oder Masern), dadurch in der Folge vollständig und unheilbar erblindet
  • um 1852/53: Augusts Eltern übergaben ihn der Blindenanstalt zu Soest, die er sechs Jahre besuchte, dort war er geschickt in Knüpfarbeiten und Flechtereien
  • 1858/59: Nach seiner Konfirmation kehrte August Gottlieb aus der Blindenanstalt in Soest zu seinen nun in Hersfeld lebenden Eltern zurück. Zwar wollte ihn sein Vater zum Musiker ausbilden lassen, doch wollte August lieber das Seilerhandwerk erlernen
  • 1.5.1861: August Gottlieb trat in die Blindenanstalt von Friedberg (Hessen) ein, wo er lernte, Bindfäden herzustellen und Gegenstände aus Bindfaden und Stroh anzufertigen.
  • 31.10.1862: Gottlieb wurde ordentlich aus der Blindenanstalt entlassen
  • Anfang 1863: Gleich im Anschluss begann Gottlieb auf einem Grundstück hinter seines Vaters Haus mit der Herstellung von Seilerwaren in primitivem Handbetrieb.
  • 1867: Mit Mitteln unbekannter Herkunft konnte August eine überdeckte Seilerbahn am „Roten Graben“ (heute Seilerweg) errichten.
  • 1. Hälfte 1869: August gewann bei der Gewerbeausstellung in Leipzig den zweiten Preis (silberne Medaille) für seine Seilerwaren.
  • Winter 1871: August beschäftigte trotz erfolgreicher Expansion in seiner Seilerei nur acht Arbeiter, da er die Handarbeit durch selbst entwickelte Hilfsmaschinen ersetzen wollte
  • 1871: August heiratete Agnes Vietor
  • 1871/72: Gottlieb erbaute neben der Fabrik sein erstes bescheidenes Haus selbst.
  • Herbst 1877: Augusts Seilerei ging durch Zahlungsprobleme in Konkurs, doch genoss er so viel Vertrauen bei seinen Gläubigern, dass diese ohne Bürgschaft in einem Vergleich ihre Forderungen auf 25 Prozent herabsetzten – zurückzuzahlen zinslos nach drei Jahren
  • 1884: August hatte alle Gläubiger vollständig befriedigt, da er durch den Übergang zur mechanischen Seilerei bei geringeren Geschäftsunkosten eine höhere Leistungsfähigkeit erzielte als seine Konkurrenten. Zudem ging er zur Verarbeitung von Jute über.
  • 1893: August hatte 42 Arbeiter
  • 1899: Gottlieb wurde in das Hersfelder Stadtparlament gewählt.
  • Anfang November 1899: August stiftete mit dem Hersfelder Tuchfabrikanten Fritz Rechberg bei der Renovierung der Stadtkirche für den Chorraum je ein Fenster
  • um 1900: Inzwischen wohnte Gottlieb in einer selbst entworfenen Villa im Seilerweg 3
  • 1902: Da das Stammgelände am Seilerweg zu klein für eine Ausweitung war, ließ Gottlieb als Abteilung eine Jutespinnerei in der Landecker Straße östlich des Bahnhofs errichten.
  • Winter 1902/03: Nach längerer Zuckerkrankheit geriet seine Gesundheit ganz ins Wanken
  • Frühsommer 1903: Aufbruch zur Kur in Wiesbaden zwecks Festigung seiner Gesundheit.
  • 13.6.1903: Tod Gottliebs noch während der Kur in Wiesbaden im Alter von nur 58 Jahren an seinem alten, nun sehr heftig auftretenden Leiden, der Zuckerkrankheit
  • Juni 1903: Überführung seines Leichnams nach Hersfeld, wo er auf dem städtischen Friedhof am Frauenberg beigesetzt wurde.

Lebensorte:

  • Waldkappel; Hersfeld; Soest (Westfalen); Friedberg; Wiesbaden
Familie

Vater:

Gottlieb, Friedrich Wilhelm*, * 1811, † 5.5.1878

Mutter:

Lappe, Auguste Caroline, * 4.6.1815, † 1882

Partner:

  • Vietor, Agnes, Heirat 1871

Verwandte:

  • Ruben, Salomon <Urgroßvater väterlicherseits>, Heirat Fratchen Heilborn
  • Heilborn, Fratchen <Urgroßmutter väterlicherseits>, Heirat Salomon Ruben
  • Salomon, Ruben Gottlieb Christian <Großvater väterlicherseits>, geboren als Ruben Salomon, * Stadtlengsfeld August 1782
  • Hartwig, Katharina Maria <Großmutter väterlicherseits>, † 1837
  • Trautmann, Wilhelmine Charlotte <Stiefgroßmutter väterlicherseits>, * 11.10.1804, aus Königshofen, Heirat Hersfeld 28.7.1839 Christian Gottlieb, 3 Kinder
  • Gottlieb, Karl Friedrich <Onkel väterlicherseits>, * 8.1.1810, † 10.2.1887
  • Gottlieb, Else Dorothea Friederike <Tante väterlicherseits>, * Hersfeld 10.5.1815
  • Gottlieb, Jonas August <Onkel väterlicherseits>, * Hersfeld 21.5.1820
  • Gottlieb, Christiane Auguste Maria <Tante väterlicherseits>, * Hersfeld 17.11.1826
  • Gottlieb, Hermine Amalie <Tante väterlicherseits>, * Hersfeld
  • Gottlieb, Hermann <Stiefonkel väterlicherseits>, * Hersfeld 1840
  • Gottlieb, Ernst Karl Wilhelm <Stiefonkel väterlicherseits>, * Hersfeld 1842
  • Gottlieb, Albert Leberecht <Stiefonkel väterlicherseits>, * Hersfeld April 1846
  • Gottlieb, Bertha <Schwester>, * 1848
  • Gottlieb, Friedrich (Fritz) <Bruder>, * Waldkappel 1852
Nachweise

Quellen:

Literatur:

Zitierweise
„Gottlieb, August Ludwig“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/1032881577> (Stand: 8.12.2025)