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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 67. Friedewald

Lengers

Stadtteil · 225 m über NN
Gemeinde Heringen (Werra), Landkreis Hersfeld-Rotenburg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

20,5 km östlich von Bad Hersfeld

Lage und Verkehrslage:

Kleines Dorf mit einfachem Grundriss und lockerer Gehöftanordnung östlich entlang der Werra, dicht an der Grenze zum heutigen Freistaat Thüringen. Hauptachse ist die durch den Ort führende Landecker Straße (L 3172), von der Verbindungen abgehen, im Süden des Ortes führt die L 3306 über die Werra zum gegenüberliegenden Wölfershausen. Die Kirche befindet sich in zentraler Lage. Jüngere regelhafte Siedlungsausdehnung im Zuge des Kalibergbaus entlang des Werraufers nach Norden Richtung Heringen sowie nach Süden.

Zur Gemarkung gehörte der auf der gegenüberliegenden Werraseite gelegene Bahnhof der Eisenbahnlinie Gerstungen – Vacha ("Werratalbahn I") von 1904 bis zur endgültigen Stilllegung der Strecke 1986 (Die Teilstrecke Dankmarshausen - Heringen wurde am 30.3.1904 eröffnet, die Teilstrecke Heringen - Vacha am 2.10.1905).

Ersterwähnung:

1396

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • Vorwerk (1402)
  • Dorf (1432, 1553)
  • Dorf, Dorfschaft (1768)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1884-1887

Älteste Gemarkungskarte:

1704

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3570208, 5636999
UTM: 32 U 570106 5635184
WGS84: 50.864086° N, 9.996194° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

632009060

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 372, davon 200 Acker (= 53.76 %), 70 Wiesen (= 18.82 %), 3 Holzungen (= 0.81 %)
  • 1961 (Hektar): 371, davon 36 Wald (= 9.70 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 46 Haushaltungen (Der ökonomische Staat, S. 80)
  • 1747: 39 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
  • 1768: 42 steuerpflichtige Häuser mit 216 Menschen; Gewerbetreibende: 2 Zimmerleute, 2 Schneider, 1 Korbmacher, 1 Feldscherer, so zugleich Schule hält, 2 Wollkämmer, 3 Leinweber, 1 Schmied, 13 Tagelöhner und Tagelöhnerinnen, 1 Müller
  • 1885: 298, davon 298 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
  • 1961: 918, davon 811 evangelisch (= 88.34 %), 105 katholisch (= 11.44 %)
  • 1970: 1120

Diagramme:

Lengers: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1432: Landgrafschaft Hessen, Amt Friedewald, Gericht Heringen
  • 1553: Landgrafschaft Hessen, Gericht/Amt Friedewald
  • 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederfürstentum, Amt Friedewald, Gericht Heringen
  • 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald, Unteramt
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Heringen
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Friedewald
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Altkreis:

Hersfeld

Gericht:

  • 1822: Justizamt Friedewald
  • 1867: Amtsgericht Friedewald
  • 1879: Amtsgericht Friedewald
  • vor 1945: Amtsgericht Friedewald
  • 1945: Amtsgericht Bad Hersfeld

Herrschaft:

Spätestens seit dem 15. Jahrhundert wird das gesamte Amt Friedewald mit dem Untergericht Heringen als landgräflich betrachtet. 1432 verkaufen Grete, Witwe des Kurt von Heringen, und ihr Sohn Heinrich von Heringen das Gericht Heringen für 2.100 Gulden an Landgraf Ludwig von Hessen, wobei der das Dorf Lengers explizit genannt wird. In der Folge, so 1553 und 1768, ist Lengers vollumfänglich landgräflich.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1970 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil der Gemeinde Heringen (Werra) eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1396 verpfänden die Vettern Friedrich und Konrad von Heringen der Äbtissin Mechthild und dem Konvent zu Kreuzberg ihre Sandmühle vor Vacha mit weiteren Gütern, darunter Lengers, für 600 Gulden. 1402 verkaufen Fritz und Kurt von Heringen an Gottschalk von Buchenau wiederkäuflich ihr Vorwerk am "Lengerich" für 100 Gulden
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Kirche 1766 als kleiner Saalbau mit eingestelltem Frontturm an der Stelle eines Vorgängerbaus aus dem 16. Jh. errichtet, 1926 renoviert

Pfarrzugehörigkeit:

1585, 1747, 1872 Filial Heringen. 1950 wird die neue Pfarrei Wölfershausen-Lengers errichtet, zu der Lengers als Filial und Harnrode gehören. Letzteres scheidet 1958 wieder aus und wird nach Heimboldshausen umgepfarrt.

Bekenntniswechsel:

Da Filial von Heringen, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Heringer Pfarrer Caspar Mosebach ab 1526.

Kultur

Schulen:

1658 wird ein Schulmeister erwähnt, 1768 ist ein Schulhaus vorhanden

1910 einklassige Volksschule

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):

Wirtschaft

Mühlen:

1768 ist eine Mahl- und Schneidmühle belegt, die über ein unterschlägiges Wasserrad mit dem Wasser der Werra betrieben wird. Die Mühle am Westrand von Lengers wird 1903/4 von der Gewerkschaft Winterhall übernommen und zu einer neuzeitlichen Wasserkraftanlage mit zwei Turbinen ausgebaut. Die gewonnene Energie wurde zum 3,5 km entfernten Schacht weitergeleitet, außerdem wurde hierüber die Gemeinde Lengers mit Strom versorgt.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Lengers, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3265> (Stand: 13.7.2026)