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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 47. Obersuhl / 57. Willershausen

Widdershausen

Stadtteil · 213 m über NN
Gemeinde Heringen (Werra), Landkreis Hersfeld-Rotenburg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

22 km östlich von Bad Hersfeld

Lage und Verkehrslage:

Kleines geschlossenes Dorf mit regelhaftem Grundriss und lockerer Gehöftanordnung am Westufer der Werra, im Norden und Osten unmittelbar an der heutigen Landesgrenze zum Freistaat Thüringen. Evangelische Pfarrkirche in zentraler Lage an der von N nach S durch den Ort abknickend als K 3 (Dankmarshäuser bzw. Felsenstraße) führenden Hauptachse. Am Westrand verlief mit Haltepunkt die ehemalige Eisenbahnlinie Gerstungen – Vacha ("Werratalbahn I") von 1904 bis zur endgültigen Stilllegung der Strecke 1986 (Die Teilstrecke Dankmarshausen - Heringen wurde am 30.3.1904 eröffnet, die Teilstrecke Heringen - Vacha am 2.10.1905). Geringe jüngere Siedlungsentwicklung entlang des Gebiets zwischen Werra und Bahnlinie.

Ersterwähnung:

1315 (?)

Siedlungsentwicklung:

Rund 1,7 km westlich der Ortsmitte von Widdershausen, dicht östlich der mittelalterlichen Burg Hornsberg im Talschluss des Zinkesgrabens. Die Stelle wird in absehbarer Zeit von der sich in den Zinkengraben ausdehnenden Kieserithalde des Kaliwerks Heringen überdeckt werden. Hofstelle wohl der nahen Burg Hornsberg zugeordnet. [Fundberichte aus Hessen 1991, S. 456; Fundberichte aus Hessen 1996 , S. 446 (Klaus Sippel)].

Das Dorf Widdershausen lag von 1945-1990 an der innerdeutschen Grenze, abseits der Durchgangsstraßen und war somit von der Teilung in besonderem Maße betroffen.

Vorbemerkung Historische Namensformen:

Mit M. Gockel, Die urkundliche Überlieferung des Klosters Fulda zu Thüringen in der Karolingerzeit, S. 130, 156, 210, sind die frühen Belege aus der fuldischen Überlieferung der Wüstung Willershausen 2 km nordwestlich von Witzenhausen zuzuordnen.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (1347)
  • Dorf (1431)
  • Dorf, Dorfschaft (1771)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1873

Älteste Gemarkungskarte:

1704

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3571331, 5641998
UTM: 32 U 571228 5640181
WGS84: 50.908878° N, 10.013118° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

632009070

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 533, davon 341 Acker (= 63.98 %), 102 Wiesen (= 19.14 %), 0 Holzungen
  • 1961 (Hektar): 534, davon 2 Wald (= 0.37 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1553: 44 zinsbare Häuser
  • 1585: 49 Haushaltungen (Der ökonomische Staat, S. 80)
  • 1747: 71 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
  • 1771: 72 steuerpflichtige Häuser mit 314 Menschen; Gewerbetreibende: 2 Schmiede, 2 Wagner, 3 Schneider, 2 Schuster, 1 Zeugmacher, 23 Leinweber, 1 Müller, 1 Brandweinbrenner, 2 Brandweinschenker, 2 Zimmerleute, 1 Krämer, 10 Tagelöhner und Wollspinner, 1 Bäcker
  • 1885: 520, davon 519 evangelisch (= 99.81 %), 1 katholisch (= 0.19 %)
  • 1961: 1404, davon 1333 evangelisch (= 94.94 %), 68 katholisch (= 4.84 %)
  • 1970: 1363

Diagramme:

Widdershausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1431: Landgrafschaft Hessen, Amt Friedewald, Gericht Heringen
  • 1553: Landgrafschaft Hessen, Gericht/Amt Friedewald
  • 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederfürstentum, Amt Friedewald, Gericht Heringen
  • 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald, Unteramt
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Friedewald
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Friedewald
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Altkreis:

Hersfeld

Gericht:

  • 1822: Justizamt Friedewald
  • 1867: Amtsgericht Friedewald
  • 1879: Amtsgericht Friedewald
  • vor 1945: Amtsgericht Friedewald
  • 1945: Amtsgericht Bad Hersfeld

Herrschaft:

Die Herrschaftsverhältnisse sind anfangs umstritten. 1315 haben die von Hornsberg Besitzungen als fuldisches Lehen. Spätestens seit dem 15. Jahrhundert wird das gesamte Amt Friedewald mit dem Untergericht Heringen als landgräflich betrachtet. 1431 ist das Dorf Widdershausen aber fuldisches Lehen der von Kolmatsch. 1432 verkaufen Grete, Witwe des Kurt von Heringen, und ihr Sohn Heinrich von Heringen das Gericht Heringen für 2.100 Gulden an Landgraf Ludwig von Hessen, wobei das Dorf Widdershausen explizit genannt wird. In der Folge, so 1553 und 1771, ist Widdershausen vollumfänglich landgräflich, ein dortiges Gut aber 1564 Lehen der von Boyneburg.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.8.1972 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil der Gemeinde Heringen (Werra) eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1432 kam Widdershausen beim Kauf des Gerichts Heringen an Hessen.
  • Das Dorf war aber 1431fuldisches Lehen der von Kolmatsch.
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Kirche mit gotischem Chorturm und um 1700 errichtetem Fachwerkobergeschoss.
  • 1875 Gründung der selbstständigen evangelisch-lutherischen Gemeinde Widdershausen, deren eigenes Gotteshaus in der Brunnenstraße 1951 geweiht wird.

Pfarrzugehörigkeit:

ca. 1530 zu Obersuhl, ca. 1543 bei Dankmarshausen eingepfarrt, 1558-1589 zu Obersuhl, 1585 Filial von Heringen, 1747 und 1771 wieder von Obersuhl, seit 1808 Vikariat von Heringen, so auch 1872. Später bis 1958 wieder zu Obersuhl, in diesem Jahr dann Errichtung einer eigenen Pfarrstelle Widdershausen mit den Fililagemeinden Kleinensee und Leimbach.

Diakonische Einrichtung:

1933 - 1976 Diakoniestation (Landeskirchliches Archiv Kassel, Findbuch G 2.6. Kurhessisches Diakonissenhaus)

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Stephan Meister ca. 1528

Kultur

Schulen:

1771 ist kein Schulhaus vorhanden, der Schulmeister bewohnt seine eigene Wohnung

1910 Volksschule mit zwei Klassen

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):

Wirtschaft

Mühlen:

1553 wird eine Mühle mit zwei Gängen erwähnt.

1771 werden in der Mühle mit dem Wasser der Werra über ein unterschlächtiges Wasserrad zwei Mahlgänge und ein Schlaggang betrieben. 1903/4 hat die Firma Winterhall die von ihr erworbene Mühle zu einer neuzeitlichen Wasserkraftanlage ausgebaut, die seit 1966 nicht mehr genutzt wird.

Zoll:

1553 wird der Zoll nach Friedewald gezahlt

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Widdershausen, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3294> (Stand: 15.7.2026)