Hessische Biografie
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GND-Nummer
133272605
Hessen, Wilhelm II. Landgraf von [ID = 5691]
- * 29.4.1469, † 11.7.1509 Kassel, Begräbnisort: Marburg Elisabethkirche, am 13.7.1509, katholisch
Regent, Landgraf - Biografischer Text
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Der beim Tod des Vaters erst zweijährige zweite Sohn wurde zunächst von der Mutter, dann einige Jahre am Hof ihres Bruders Graf Eberhard „im Bart“ von Württemberg erzogen. Er widerstand dem Drängen der Mutter zu einer geistlichen Laufbahn, das auch vom Erzbischofs-Onkel Hermann in Köln, der 1483 die Vormundschaft übernahm, unterstützt wurde. Der in Kassel regierende ältere Bruder überließ Wilhelm 1485 als Mitregent die niederhessischen Städte Gudensberg, Niedenstein und Melsungen. Wichtig für diesen wurde die in Stuttgart geknüpfte Freundschaftsbeziehung zu König Maximilian, der ihn bei der Krönung in Aachen 1486 zum Ritter schlug. Wilhelm nahm zwei Jahre danach mit 500 Reisigen an dem vom Kölner Onkel organisierten Zug zur Befreiung des in Brügge gefangenen Königs und weitere zwei Jahre später an Maximilians Ungarn-Feldzug teil. Während der Pilgerreise des Bruders zunächst dessen Vertreter, übernahm er nach seiner Erkrankung 1493/96 endgültig die Regierung in Niederhessen, die er nach dem Tod des jüngeren Vetters in Marburg im Frühjahr 1500 auf den oberhessischen Landesteil mit dem Ziegenhainer und Katzenelbogener Erbe ausdehnen konnte. Die schon in den letzten Lebensjahren Wilhelms des Jüngeren entbrannten Erbstreitigkeiten, insbesondere mit den verschwägerten Grafen von Nassau, konnten erst nach mehreren Jahrzehnten beigelegt werden.
Landgraf Wilhelm hatte im Herbst 1497, nach einem im Jahr zuvor geschlossenen Ehevertrag mit Herzog René II. von Lothringen, der den Anspruchstitel eines „Königs von Jerusalem“ führte, dessen schöne Schwester Jolanthe geheiratet. Diese starb jedoch bereits im Mai 1500, wenige Wochen nach dem frühen Kindstod ihres Söhnchens. Zur Sicherung der Erbfolge schloss Wilhelm noch im selben Jahr eine zweite Ehe mit Anna von Mecklenburg, der Schwägerin des erbverbrüderten Herzogs Johann von Sachsen, die nach der Tochter Elisabeth im November 1504 den erhofften Stammhalter Philipp gebar. Wilhelm hatte noch im selben Jahr zusammen mit Herzog Ulrich von Württemberg in Vollzug der im sogenannten bayerischpfälzischen Erbfolgekrieg von König Maximilian verhängten Reichsacht einen erfolgreichen Feldzug gegen Kurfürst Philipp von der Pfalz geführt, mit dem man schon vorher um die Pfälzer Lehnsrechte an Katzenelnbogen im Streit lag. Den Gewinn für Hessen – das bisher pfälzische Homburg vor der Höhe, halb Umstadt samt dem vom König verliehenen „Guldenweinzoll“ auf dem Rhein – konnte Wilhelm nur noch bedingt genießen, da inzwischen auch er an der Syphilis erkrankt war. In den schwierigen Folgejahren bis zum Tod im Sommer 1509 war er weitgehend regierungsunfähig und auf die Unterstützung seiner Frau angewiesen. Die Verwirklichung seiner letztwilligen Verfügung, ihr die Vormundschafts-Regierung für den minderjährigen Sohn zu übertragen, scheiterte zunächst am Widerstand der Ritterschaft des Landes.
Eckhart G. Franz
(Text identisch mit: Franz, Das Haus Hessen, S. 51-53)
- Literatur
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- Allgemeine deutsche Biographie, Bd. 43, Leipzig 1898, S. 28-31 (Reimer)
- Franz, Das Haus Hessen. Ein biographisches Lexikon, Darmstadt 2012, Nr. HB 37, S. 51-53 (Eckhart G. Franz)
