Historisches Ortslexikon
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Weitere Informationen
Weißenhasel
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Ortsteil · 258 m über NN
Gemeinde Nentershausen, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
- Siedlung ↑
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Ortstyp:
Dorf
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Lagebezug:
15 km nordöstlich von Rotenburg an der Fulda
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Lage und Verkehrslage:
Geschlossenes Dorf mit einfachem Grundriss im Richelsdorfer Gebirge an der Hasel, einem Zulauf der Sontra. Kirche in zentraler, leicht erhöhter Lage. Jüngere Siedlungsentwicklung um Norden. Durch den Ort führt als Hauptachse in Süd-Nord-Richtung die L 3249 (Kupferstraße), die kurz vor Sontra auf die B 27 stößt. Hiervon zweigt bereits am Südrand des Ortes die gleichfalls nach Norden führende Straße Oberdorf ab
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Ersterwähnung:
1317
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Weitere Namen:
- Niederhasel
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Vorbemerkung Historische Namensformen:
In den mittelalterlichen Schriftquellen wird erst um 1300, allerdings nicht konsequent zwischen Niederhasel (= Weißenhasel), Oberhasel und Schwarzenhasel differenziert. 1451 und 1480 werden alle drei in den Zinsregistern der Propstei Germerode genannt (Klosterarchive 1: Klöster an der Werra, S. 492, 498, Nr. 1266, 1279)
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Historische Namensformen:
- Haselare (1061) [Hessisches Staatsarchiv Marburg Best. Urk. 75 Nr. 108; Druck: Karl Wenck, Zur Geschichte des Hessengaus, in: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde 36 (1903), S. 273-276, Anhang II]
- Hasalo, in uilla, que dicitur (um 1120) [Abschrift Hoffmann, Helmarshausen und Corvey, S. 103]
- Hasla (1195) [Abschrift 15. Jahrhundert Klosterarchive 1: Klöster an der Werra, S. 340-341, Nr. 873]
- Hasela, de (1273) [Klosterarchive 1: Klöster an der Werra, S. 354, Nr. 903]
- Hasela (1275) [Klosterarchive 1: Klöster an der Werra, S. 354-355, Nr. 905]
- Inferiori Hasila, in (1317) [Urkunden und Regesten Kloster Cornberg, S. 39, Nr. 60]
- Inferioris Hassela, in (1344) [Urkunden und Regesten Kloster Cornberg, S. 53-54, Nr. 80]
- Nydirnhasela, tzu (1363) [Urkunden und Regesten Kloster Cornberg, S. 68, Nr. 101]
- Nedirnhasela, zců (1363) [Urkunden und Regesten Kloster Cornberg, S. 71-72, Nr. 106]
- Nidern Hasela, czu (1374) [Urkunden und Regesten Kloster Cornberg, S. 90, Nr. 127]
- Niderhasela, zu (1383) [Abschrift 1593 Wetterau, Gericht Tannenberg, Anhang 1 S. 1-2, 1.2]
- Haßel inferior (1451, 1480) [Klosterarchive 1: Klöster an der Werra, S. 492, 498, Nr. 1266, 1279]
- Hassel inferior (1484) [Klosterarchive 1: Klöster an der Werra, S. 502, Nr. 1286]
- Haßela (1506) [Bünz, Mainzer Subsidienregister 1506, S. 234, Nr. 2052]
- Weißenhasel (1513) [Schreibweise nach Archivregest HStAM Best. 257 Nr. A 88]
- Hasell vor dem Thaneberg (1538) [HStAM Bestand S Nr. 570]
- Wissen Hasell unter dem Thanberg (1545) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 1506]
- Hassell (1585) [Der ökonomische Staat Landgraf Wilhelms IV., S. 90]
- Wissenhassel (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 13]
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Bezeichnung der Siedlung:
- villa (1061, um 1120, 1195)
- Dorf (1383)
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Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:
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Umlegung der Flur:
1892
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Älteste Gemarkungskarte:
1752
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Koordinaten:
Gauß-Krüger: 3565604, 5656260
UTM: 32 U 565504 5654437
WGS84: 51.037739° N, 9.934274° O OpenLayers - Statistik ↑
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Ortskennziffer:
632013060
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Flächennutzungsstatistik:
- 1885 (Hektar): 962, davon 579 Acker (= 60.19 %), 82 Wiesen (= 8.52 %), 243 Holzungen (= 25.26 %)
- 1961 (Hektar): 961, davon 262 Wald (= 27.26 %)
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Einwohnerstatistik:
- 1585: 70 Hausgesesse (Der ökonomische Staat Landgraf Wilhelms IV., S. 90)
- 1747: 64 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
- 1765: 90 Häuser mit 479 Menschen; Gewerbetreibende: 3 Müller, 44 Leinweber, 3 Schneider, 2 Schmiede, 1 Zimmermann, 2 Büttner und Wagner, 1 Schuhmacher, 1 Schreiner, 3 Tagelöhner, 5 Hirten und Schäfer, 8 Weibspersonen so sich ihrer Hände Arbeit nähren und Acker Leute [HStAM Best. 49 d, Rotenburg Nr. 352]
- 1885: 553, davon 553 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
- 1961: 780, davon 658 evangelisch (= 84.36 %), 104 katholisch (= 13.33 %)
- 1970: 709
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Diagramme:

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. - Verfassung ↑
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Verwaltungsbezirk:
- 1061: Provinz Hessen, Grafschaft des Werner, die Maden genannt wird (in provincia Hassia in comitatu Werinheri qui dicitur Madena)
- 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Sontra, Vierter Gerichtsstuhl Wommen (Adelsdorf von Baumbach)
- 1765: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Gericht Nentershausen und Amt Sontra
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Nentershausen
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Nentershausen
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Sontra
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Nentershausen
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Rotenburg
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Rotenburg
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Rotenburg
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Rotenburg
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Rotenburg
- 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
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Altkreis:
Rotenburg
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Gericht:
- Gericht Wommen
- 1826: Justizamt Nentershausen
- 1836: Justizamt Rotenburg
- 1822: Assistenzamt Nentershausen
- vor 1827: Assistenzamt Nenntershausen des kurhessischen Justizamts (Reservaten-Amts) Rotenburg
- 1827: Justizamt Nentershausen
- 1867: Amtsgericht Nentershausen
- 1879: Amtsgericht Nentershausen
- 1932: Amtsgericht Sontra
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Herrschaft:
1061 tätigen der Edle Erenfrid und seine Ehefrau Rucela einen Gütertausch mit dem Kloster Fulda und begeben sich damit in dessen Lehnsherrschaft. Sie übertragen dem Abt Widerad von Fulda verschiedene Güter in Provinz Hessen in der Grafschaft Werners, die Maden genannt wird, u.a. zu Hasel, und erhalten sie zu Lehen zurück. Außerdem erhalten sie den Hof Morschen als Lehen.
1383 verkaufen die von Buttlar Ludwig von Baumbach d. Ä. ihre Gerechtigkeiten zu Niederhasel und in dem Giesenhagen für 46 Goldgulden.
Landgraf Wilhelm der Mittlere von Hessen bekundet 1492, dass er Ludwig von Baumbach für 100 Gulden das Dorf Niederhasel und die Wüstung zum Erles verpfändet hat. Die niedere Gerichtsbarkeit trugen die von Baumbach seit 1578 als hessisches Lehen, die Oberhoch- undt Peinlichkeit über das ganze Dorf verblieb jedoch bei den Landgrafen.
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Gemeindeentwicklung:
Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden als Ortsteil zur Gemeinde Nentershausen zusammengeschlossen.
- Besitz ↑
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Grundherrschaft und Grundbesitzer:
- Im Einkünfteverzeichnis des Klosters Helmarshausen um 1120 wird Besitz in Hasel aufgeführt.
- 1195 ist Kloster Germerode u.a. in Hasel begütert. 1275 verzichten die Boyneburger auf ihre Güteransprüche in Hasel zugunsten des Klosters. In der Folge kann der Besitzstand vergrößert werden, ohne das immer erkennbar ist, welches Hasel gemeint ist. 1527 werden die Einkünfte in den dreien Haseln zusammengefasst.
- 1317 verzichten die Brüder von Berneburg auf ihre Besitzansprüche in Niederhasel zugunsten des Klosters Cornberg. 1344 verkauft Heinrich von Boyneburg, genannt Hohenstein, seiner Verwandten Bertha, Klosterfrau in Cornberg, alle seine Güter in und bei Niederhasel.
- Kirche und Religion ↑
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Ortskirchen:
- pleban (1273)
- Kirche (1545)
- 1909 Neugotischer Neubau im Anschluss an den Turm der Vorgängerkirche von 1659
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Pfarrzugehörigkeit:
ab 1585 von Sontra versehen. 1765 ist die Kirche Filial von Dens, 1828 jedoch mit diesem als Filialen mit Nentershausen vereinigt. So 1872 und 1994
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Patronat:
1585 hat Hessen die Collatur
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Bekenntniswechsel:
Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Korrumpf 1555-1588 (bzw. 1600)
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Kirchliche Mittelbehörden:
1506: Erzbistum Mainz, Archidiakonat Dorla, Archipresbyterat Renda
- Kultur ↑
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Schulen:
1910 Volksschule mit zwei Klassen
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Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):
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Historische Ereignisse:
1635 Kriegszerstörung
- Wirtschaft ↑
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Mühlen:
1765 sind drei Mühlen vorhanden, die alle mit dem Wasser der Hasel über oberschlächtige Wasserräder betrieben werden.
Bereits 1538 wird die Weißenhaseler Mühle als Mühle oben im Dorff bezeichnet. Diese später Großencurtsche Mahlmühle genannte Mühle im Süden des Dorfes (Hinsbach 1) stellt ihren Betrieb 1959 ein.
Vgl. Roßmühle und Gerlachsmühle
- Nachweise ↑
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Literatur:
- Zitierweise ↑
- „Weißenhasel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3139> (Stand: 19.8.2025)

