Hessische Biografie
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GND-Nummer
121160440
Rudolph, Johann Conrad [ID = 15623]
- * 9.5.1784 Kassel, † 12.3.1844 Kassel
Oberbaurat – Architekt, Gewerbeschullehrer - Biografischer Text
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Johann Conrad Rudolph stammt aus einer Kasseler Bauhandwerkerfamilie: Der Vater Johann Georg Rudolph (1750–1813) bekleidete das Amt des Kasseler Stadtbaumeisters, der Bruder Johann Jacob erlernte das Weißbinderhandwerk und übernahm nach dem Tod des Vaters das Stadtbaumeisteramt. Johann Conrad besuchte zwölf Jahre die Kasseler Kunstakademie, wo er Mathematik und Architektur studierte. 1801 wurde er zum Akzessisten beim Bauamt ernannt. Zwischen Juli 1802 und Dezember 1803 übernahm er auf Anordnung von Heinrich Christoph Jussow die Bauaufsicht bei der Unterneustädter Kirche. 1803 beteiligte er sich mit dem Projekt zu einem Lyceum an einem Wettbewerb der Akademie. 1804 erhielt er die große silberne Medaille für einen Museumsentwurf. Zwei Jahre später bemühte er sich um ein Reisestipendium. Am 18. Februar 1814 erfolgte die Ernennung zum Baumeister und am 7. Januar 1820 zum Oberbauinspektor. Ab 1814 war er an der Wiederinstandsetzung der Kasseler Garnisonkirche beteiligt. Im Januar 1820 zog ihn Jussow zu Arbeiten an der Chattenburg heran. Unter Kurfürst Wilhelm II. (1821-1831) erfolgte zunächst die Ernennung zum technischen Mitglied der Oberbaudirektion, 1827 kam die Mitgliedschaft in der Straßenbauabteilung hinzu. Am 6. Dezember 1833 wurde er Geheimer Oberbaurat im Dienste des kurhessischen Staates. 1838 erhielt er seine Ernennung zum Referenten für das Bauwesen beim Ministerium des Innern und der Justiz. Ein Jahr später wurde er Baureferent bei der Oberfinanzkammer und bei der Regierung. Von Rudolph stammen Entwürfe für die Synagoge, das Ständehaus und ein Schloßprojekt am westlichen Ende der Oberen Königsstraße in Kassel.
Maren-Christine Härtel
(Text übernommen aus Bestandskatalog der Architekturzeichnungen des 17.–20. Jahrhunderts in der Graphischen Sammlung der Museumslandschaft Hessen Kassel; URL: http://architekturzeichnungen.museum-kassel.de/0/33752)
- Literatur
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- Mävers, Reformimpuls und Regelungswut. Die Kasseler Kunstakademie im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert, Darmstadt/Marburg 2020
- Martina Sitt (Hrsg.), „Geeignet, junge Künstler zu belehren…“. Die Anfänge der Kasseler Kunstakademie (1777-1830), 2. Aufl., Hamburg 2018, S. 198
- Armin Wiegand, Mehr als „schlicht“! Klassizismus und Rundbogenstil am Beispiel der Kirchen in Kurhessen und Waldeck. Arbeitshefte des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen Bd. 29, Darmstadt 2017, S. 302
- Kassel Lexikon, hrsg. von der Stadt Kassel, Bd. 2, Kassel 2009, S. 178 (Ulrike Hanschke)
- Albrecht Hoffmann, August Leopold Crelle in Kassel.Karriere eines Bauingenieurs unter König Jérôme, in: Jahrbuch Landkreis Kassel, 2008, S. 109-114, S. 110 und Anm. 20
- Albrecht Hoffmann, Baukunst in Forschung und Praxis. Marburger Architekten und Ingenieure in althessischer und preußischer Zeit, Marburg 2006, S. 59
- Paul Schmaling, Künstlerlexikon Hessen-Kassel 1777-2000. Mit den Malerkolonien Willingshausen und Kleinsassen, Kassel 2001, S. 488
- Ulrich Thieme (Hrsg.) Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 29, Leipzig 1935, S. 159
- Hermann Knackfuß, Geschichte der Königlichen Kunstakademie zu Kassel, Kassel 1908, S. 118
- Gustav Prior (Hrsg.), Jacob Hoffmeister´s gesammelte Nachrichten über Künstler und Kunsthandwerker in Hessen seit etwa 300 Jahren, Hannover 1885, S. 104
