Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen
Bitte beachten Sie: LAGIS hat eine neue Adresse: lagis.hessen.de. Für eine Übergangszeit stehen Ihnen ausgewählte Module über die bekannte Oberfläche zur Verfügung. Alle anderen sind über die neue Version des Informationssystems zugänglich. Bestehende Permalinks behalten ihre Gültigkeit und leiten bereits jetzt oder nach Abschluss aller Migrationsarbeiten automatisch auf das neue System um.

Hessische Biografie

Neue Suche
 
Portrait

Otto Landgraf von Hessen
(vor 1322–9.-11.12.1366)

Symbol: Anzeigemodus umschalten Symbol: Anzeigemodus umschalten Symbol: Druckansicht

GND-Nummer

120309203

Hessen, Otto Landgraf von [ID = 13589]

* vor 1322, † 9.-11.12.1366 Spangenberg (oder Frankfurt am Main), Begräbnisort: Marburg Elisabethkirche, katholisch
Biografischer Text

Der Sohn Landgraf Heinrich „des Eisernen“ wurde nach seiner Heirat mit der Grafentochter Elisabeth von Kleve 1339/40 zum Mitregenten berufen. Ständiger Wohnsitz Ottos und seiner Familie wurde Spangenberg, das Landgraf Heinrich 1350 Hermann von Treffurt abgekauft hatte. In den 1350er Jahren ist Otto regelmäßig an den Regierungsgeschäften der Landgrafschaft, an Bündnisverträgen, wie sie 1354 mit Erzbischof Gerlach von Mainz oder den Markgrafen von Meißen abgeschlossen wurden, aber auch an den größeren und kleineren Fehden, u.a. gegen das Stift Fulda, beteiligt. 1361 hat er gemeinsam mit Markgraf Friedrich III. von Meißen die Stadt Hünfeld erobert und geplündert. Im Jahr zuvor nahm er mit dem Deutschordens-Marschall Henning Schindekop im Baltikum an einem Kriegszug gegen die Litauer teil, bei dem erstmals das Landgeschrei Hessenland belegt ist. Bei seinem frühen Tod 1366 vermutete man einen Giftanschlag Abt Heinrichs VII. von Fulda. Zum Nachfolger bestimmte Landgraf Heinrich, der zunächst an seinen Enkel, Herzog Otto „den Quaden“ von Braunschweig, gedacht hatte, schon im Folgejahr den zunächst für den geistlichen Stand bestimmten Neffen Hermann (II.).

Den Beinamen „der Schütz“ verdankt Jung-Landgraf Otto der seit dem 16. Jahrhundert im hessischen Sagenschatz tradierten Fama, die (wohl in der Vermengung mit der Väter-Generation) einen älteren Bruder und prospektiven Nachfolger Heinrichs erfand. Otto habe sich, um der für jüngere Sohne üblichen geistlichen Bestimmung zu entgehen, als Bogenschütze am Grafenhof in Kleve verdingt, habe in Hessen als verschollen gegolten, aber in Kleve eine heimliche Beziehung zur Grafentochter Elsbeth begonnen. Erst die zufällige Durchreise eines hessischen Ritters lüftete das Incognito und ermöglichte Heirat und Rückkehr nach Hessen. Die von der Romantik neu entdeckte und in Ludwig Bechsteins Sagen-Sammlung aufgenommene Geschichte wurde in verschiedenen Erzählungen (u.a. von Gottfried Kinkel), Gedichten, Theaterstücken, auch einer Oper popularisiert. In Kleve gab es ein Brunnen-Denkmal, in der Aula der Marburger Philipps-Universität einen Fresken-Zyklus über den „Schützen“.

Eckhart G. Franz

(Text identisch mit: Franz, Das Haus Hessen, S. 35)


Literatur