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Historisches Ortslexikon

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KDR 100, TK25 1900 ff.
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 65. Niederaula

Gersdorf

Ortsteil · 285 m über NN
Gemeinde Kirchheim, Landkreis Hersfeld-Rotenburg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

13,5 km westlich von Bad Hersfeld

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss und lockerer Gehöftanordnung nördlich der in die Fulda mündenden Aula. Moderne Bebauung vornehmlich entlang der durch den Ort Richtung Schwalmstadt führenden Bundesstraße 454.

Ersterwähnung:

nach 1127- um 1150

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • Dorf (1600)
  • Dorfschaft (1766)

Umlegung der Flur:

1914

Älteste Gemarkungskarte:

1756

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3536435, 5635843
UTM: 32 U 536346 5634028
WGS84: 50.856805° N, 9.516391° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

632011030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 176, davon 133 Acker (= 75.57 %), 24 Wiesen (= 13.64 %), 0 Holzungen
  • 1961 (Hektar): 178, davon 3 Wald (= 1.69 %)

Einwohnerstatistik:

  • um 1610: 29 Hausgesesse
  • 1628: 29 Hausgesesse
  • 1673: 20 Hausgesesse
  • 1747: 39 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
  • 1766: 37 steuerpflichtige Häuser mit 160 Menschen; Gewerbetreibende: 1 Schmidt, 1 Zimmermann, so auch Brandwein schenket, 1 Schneider, 1 Wagner, 2 Maurer, 15 Leinweber so auch mehrentheils Ackerleute, 1 Wirt, 1 Tagelöhner, 2 Tagelöhnerinnen, 1 Müller ( HStAM Best. 49 d, Hersfeld 95)
  • 1885: 165, davon 165 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
  • 1961: 224, davon 199 evangelisch (= 88.84 %), 25 katholisch (= 11.16 %)
  • 1970: 189

Diagramme:

Gersdorf: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1434: Reichsabtei Hersfeld, Amt und Gericht Niederaula
  • 1651: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula
  • 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Obergeis
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula (zuletzt Landgericht Hersfeld)
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Altkreis:

Hersfeld

Gericht:

  • vor 1822: Amt Niederaula
  • 1822: Landgericht Hersfeld
  • 1832: Justizamt Niederaula
  • 1867: Amtsgericht Niederaula
  • 1879: Amtsgericht Niederaula
  • 1932: Amtsgericht Oberaula
  • 1945: Amtsgericht Bad Hersfeld

Herrschaft:

Bis zur Auflösung des Stifts Hersfeld und seinem endgültigen Übergang an die Landgrafschaft Hessen 1651 ist Gersdorf zumindest formal in hersfeldischem Besitz und ist dem Amt Niederaula zugeordnet. Gersdorf gehört zu den Dörfern im Frielinger Grund, mit denen die Äbte von Hersfeld ihre Lehnsleute ausstatteten.

1367 bekennt Abt Berthold von Hersfeld, dass Tytzel von Frielingen, seine Frau Ilse und ihre Söhne Heinrich und Philipp das von dem Hersfelder Stifte zu Lehen rührende Gute zu Gersdorf, auf dem zur Zeit Konrad von Reckereode sitzt, für 2 Pfund Heller dem Priester Konrad Waldin im Hospital und nach seinem Tode den Siechen desselben Hospitals verkauft hat. 1600 werden Streitigkeiten zwischen dem Abt und den Ganerben von Frielingen beigelegt, wobei dem Abt die Obrigkeit und Gerichtsbarkeit weiterhin zusteht.

1766 steht das Dorf mit aller Gerichtsbarkeit den Landgrafen von Hessen zu.

Gemeindeentwicklung:

Am 01.08.1972 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil der Gemeinde Kirchheim eingegliedert.

Besitz

Ortsadel:

Anfang 12. Jahrhundert

Kirche und Religion

Pfarrzugehörigkeit:

1560 zu Niederaula, 1747, 1766, 1872 und 1994 zu Frielingen

Diakonische Einrichtung:

1923 - 1973 Diakoniestation (Landeskirchliches Archiv Kassel, Findbuch G 2.6. Kurhessisches Diakonissenhaus)

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts.

Kultur

Schulen:

1766 ist kein Schulhaus vorhanden, die Kinder gehen nach Frielingen

1910 einklassige Volksschule

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):

Wirtschaft

Mühlen:

1766 befindet sich die mit dem Wasser der Aula angetriebene Mühle oben am Südrand von Gersdorf und bedient mit zwei oberschlägigen Wasserrädern einen Mahl und einen Schlaggang. 1926 wird das Wasserrad gegen eine Turbine ausgetauscht.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Gersdorf, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/2980> (Stand: 19.2.2026)