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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 24. Grossalmerode
Gerichtsstätten
Gerichtsplatz in Fürstenhagen

Weitere Informationen

Fürstenhagen

Stadtteil · 340 m über NN
Gemeinde Hessisch Lichtenau, Werra-Meißner-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

18,5 km südwestlich von Witzenhausen

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit nahezu rechteckigem Grundriss an der Mündung des Börnchenbaches in die Losse, 3 km nordwestlich Hessisch Lichtenau. Kern der Siedlung unterhalb der rechteckig ummauerten Kirche mit Häusern an der Mauer. Im Südosten führt die L 3228 (Quenteler Straße/Lindenstraße) durch den Ort, die im Norden auf die B 7 (Leipziger Straße) stößt. Jüngere Siedlungsentwicklung im Norden jenseits der B 7 sowie in einem Gürten vom Westen bis Südosten.

1832: Straßen Helsa - Eschenstruth - Hessisch Lichtenau

Bahnhof der Eisenbahnlinie Waldkappel – Kassel/Wilhelmshöhe ("Lossetalbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.12.1879).

Ersterwähnung:

1310

Siedlungsentwicklung:

1928 erfolgt die Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Hessisch-Lichtenau.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • Dorf, Feld und Feldmark (1376)
  • Dorf (1454)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1889

Älteste Gemarkungskarte:

1687

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3548358, 5675398
UTM: 32 U 548265 5673567
WGS84: 51.211461° N, 9.69098° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

636006020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1747: 3524 Acker
  • 1885 (Hektar): 511, davon 259 Acker (= 50.68 %), 169 Wiesen (= 33.07 %), 32 Holzungen (= 6.26 %)
  • 1961 (Hektar): 623, davon 129 Wald (= 20.71 %)
  • Bis 1454: 28 1/2 Huben Land in der Feldmark

Einwohnerstatistik:

  • 1539: 30 Männer und Feuerstellen
  • 1575/85: 42 Hausgesesse
  • 1681: 38 Hausgesesse
  • 1731: 297 Einwohner
  • 1747: 56 Mannschaften mit 61 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
  • 1774: 253 Einwohner
  • 1854 - 1856: 20 Familien mit 70 Kindern ausgewandert
  • 1885: 127, davon 127 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
  • 1961: 2114, davon 1773 evangelisch (= 83.87 %), 290 katholisch (= 13.72 %)
  • 1970: 2240 Einwohner
  • Berufsgliederung 1724: 3 Amtspersonen, 19 Leinweber, 5 Schmiede, 2 Weißbinder, 5 Schneider, 7 Maurer, 4 Wagner, 3 Zimmerleute, 26 Ackerleute, 19 Taglöhner und Dienstboten, 3 Hirten und Schäfer; zusammen 98; 1774: 2 Müller, 1 Wagner, 2 Zimmerleute, 2 Schmiede, 1 Wirt, 3 Schneider, 5 Ackerleute so auch Leineweber, 29 Leineweber, 12 Ackerleute, 9 Tagelöhner, 4 einzelne Weibspersonen

Diagramme:

Fürstenhagen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1376: Landgrafschaft Hessen, Mannlehen der Diede
  • 1383: Landgrafschaft Hessen, Amt Reichenbach
  • 1453: Landgrafschaft Hessen, Amt Lichtenau
  • 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Lichtenau, Der sechste Ort
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Lichtenau
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Lichtenau
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Lichtenau
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Lichtenau
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Witzenhausen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis:

Witzenhausen

Gericht:

  • 1376: Gericht Reichenbach
  • 1454 und noch 1532: Sondergericht (siehe Ziffer 5)
  • Seit 1553: Rechtszug zur Stadt Lichtenau
  • 1747: Niederes und peinliches Gericht Hessen
  • 1807: Friedensgericht Lichtenau
  • 1814: Amt Lichtenau
  • 1821: Justizamt Lichtenau
  • 1867: Amtsgericht Lichtenau
  • 1879: Amtsgericht Lichtenau
  • 1945: Amtsgericht Witzenhausen
  • 1961: Amtsgericht Witzenhausen
  • Gerichtsplatz mit jungen Linden und rechteckigem Sandsteintisch auf Blocksockel an der Nordseite der Kirche

Herrschaft:

1376: Landgraf Heinrich belehnt die Diede mit Mannlehen aus Fürstenhagen. Spätestens seit dem Ende des 14. Jahrhunderts unter landgräflicher Herrschaft. Seit 1453 werden 28 1/2 Hufen genannt, zudem hatte der Landgraf den Zehnten vom Dorf und der Feldmark, das Gericht mit Gebot und Verbot, allen Dienstleistungen und der Schafhaltung. 1774 gehört das Dorf mit aller Oberherrlich- und Gerichtsbarkeit dem Landgrafen.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.1.1974 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingemeindung nach Hessisch Lichtenau, Stadtgemeinde, dessen Stadtteil Fürstenhagen seitdem ist.

Besitz

Ortsadel:

1312 und 1338

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Kirche mit im Kern romanischem Schiff 1498 erhöht und um spätgotischen Chor erweitert. Gotischer Westturm

Patrozinien:

  • Nikolaus
  • Katharina

Pfarrzugehörigkeit:

1569, 1774 und 1872 Filiale von Hessisch Lichtenau. 1948 als selbstständige Pfarrei aus dem Kirchspiel Hessisch Lichtenau ausgeschieden.

Patronat:

1553 und 1774: Landgraf

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Kirchliche Mittelbehörden:

Archpresbytariat Gensungen; Archdiakonat St. Peter- Fritzlar

1950: Kirchenkreis Witzenhausen

Kultur

Schulen:

1747 ist ein Schulhaus vorhanden

1910 Volksschule mit zwei Klassen

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):

Historische Ereignisse:

Seit 1903: Stiftung der Gebrüder Lenoir, Waisenhaus für 200 Kinder

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1454 -1552: Sondergericht unter Schultheiß von Hessisch Lichtenau und 4 Stadtschöffen; Gerichtsplatz

Wirtschaft:

1384: 109 Schafe genannt

Südlich des Ortes ehemaliges Kohlenbergwerk

1842: 32 Arbeiter mit 900 Malter Jahresförderung

Mühlen:

1454: Mühle

1457: alte Mühlenstätte in Richtung Fürstenhagen am Herrenteich

1553: Schleifkotten

Innerhalb des Dorfes befanden sich die Ober- und die Untermühle, die beide 1774 mit dem Wasser der Losse über ein ober- bzw. unterschlächtiges Wasserrad betrieben wurden und 1960 endgültig den Betrieb einstellten. Die Obermühle ist 1797 Besitz des Stephan Wöske (daher auch Wöskenmühle), Verkauf durch seinen Sohn über Witwe des Müllers Kratzenberg gelangt sie1873 in Besitz der Familie Freitag (Historisches Ortslexikon Witzenhausen, S. 160)

Die Untermühle war bis 1741 Ölmühle. Anfang 18. Jahrhundert war sie Eigentum des Böttchers Heinrich Eißel, dann Konrad Vogelers, 1774 Familie Schmincke (daher auch Schminckemühle), im 19. Jahrhundert dann Familie Hobein (Historisches Ortslexikon Witzenhausen, S. 117)

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Fürstenhagen, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/5757> (Stand: 26.11.2024)