Historisches Ortslexikon
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- Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 55. Rotenburg
Weitere Informationen
Breitenbach
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Stadtteil · 188 m über NN
Gemeinde Bebra, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
- Siedlung ↑
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Ortstyp:
Dorf
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Lagebezug:
6 km südöstlich von Rotenburg an der Fulda
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Lage und Verkehrslage:
Dorf mit einfachem Grundriss und geringer Siedlungsausdehnung am südlichen, linken Fuldaufer auf einem westöstlich gerichteten Niederterassensporn über der Einmündung des Lüderbachs. Kern der Siedlung unmittelbar an der Fulda um die Pfarrkirche und alte herrschaftliche Höfe. Jüngere Siedlungsentwicklung entlang der Fulda im Nordwesten. Hauptachse war die von Nordosten aus Kassel über die Fulda durch Breitenbach Richtung Hersfeld und Frankfurt führende alte Land- und Handelsstraße, die 1721 zur offiziellen Poststraße erklärt wurde (früher Nürnberger, heute Hersfelder Str.). Bis 1984 führte diese B 27 durch Breitenbach, seitdem wird sie östlich über eine neu gebaute Umgehungsstraße um das Dorf herumgeführt.
1494 lassen Landgräfin Mechthild und der Hersfelder Abt Volpert Riedesel eine Holzbrücke über die Fulda nach Bebra bauen. Diese muss seitdem immer wieder erneuert werden, 1984 kommt im Zuge der Ortsumgehung einer weitere Brücke hinzu.
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Ersterwähnung:
1074
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Historische Namensformen:
- Breitinbach (1074) [MGH Diplomata Könige 6, Heinrich IV. : Gladiss, S. 345-346, Nr. 269]
- Breittinbach (1074) [Angebl. Original 12. Jh. MGH Diplomata Könige 6, Heinrich IV. : Gladiss, S. 343-345, Nr. 268]
- Breitinbach (1197) [HStAM Bestand Urk. 56 Nr. 2364; Druck: Wenck, Hessische Landesgeschichte 3, Urkundenbuch S. 91-92, Nr. 93]
- Breitenbach, in (1244) [HStAM Bestand Urk. 56 Nr. 163]
- Breitenbach, de (1254) [Wenck, Hessische Landesgeschichte 2,1, Urkundenbuch, S. 177-178, Nr. 150]
- Breidenbach (1298) [Urkunden und Regesten Kloster Cornberg, S. 26, Nr. 40]
- Breydinbach (1317) [Abschrift 18. Jahrhundert Landgrafen-Regesten online Nr. 664]
- Breidenbach (1344) [Abschrift 18. Jahrhundert HStAM Best. Urk. 57 Nr. 320]
- Breydinbach, zu (um 1376) [Vogtherr, Ältestes Lehnbuch der Landgrafschaft Hessen, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 37 (1987), S. 25-71, hier S. 55 (164)]
- Breydenbach, zcuͤ (1428) [Ziegler, Reichsabtei Hersfeld, S. 199-200, Beilage Nr. 8]
- Breydenbach (1494) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 1238]
- Breitenbach (1502) [HStAM Best. Rechn. I Nr. 92/3]
- Breidenbach (1538) [HStAM Best. S Nr. 533]
- Breidenbach (1585) [Der ökonomische Staat, S. 88]
- Bredenbach (1597) [Fuldakarte HStAM Bestand Karten Nr. R III 7, Karte 2]
- Breidenbach (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 14]
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Bezeichnung der Siedlung:
- locus (1197)
- Dorf (1344)
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Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:
- Dachsfeld
- Mischels
- Burg Breitenbach (Bebra) (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
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Umlegung der Flur:
1872-1873; 1876-1877
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Älteste Gemarkungskarte:
1760
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Koordinaten:
Gauß-Krüger: 3554910, 5647115
UTM: 32 U 554814 5645296
WGS84: 50.956663° N, 9.780443° O OpenLayers - Statistik ↑
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Ortskennziffer:
632003050
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Flächennutzungsstatistik:
- 1885 (Hektar): 547, davon 324 Acker (= 59.23 %), 104 Wiesen (= 19.01 %), 59 Holzungen (= 10.79 %)
- 1961 (Hektar): 552, davon 63 Wald (= 11.41 %)
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Einwohnerstatistik:
- 1585: 44 Haushaltungen (Der ökonomische Staat)
- 1747: 75 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
- 1785: 74 Häuser mit 351 Menschen; Gewerbetreibende: 2 Handelsleute, 2 Müller, 31 Ackerleute und Leineweber, 6 Tagelöhner, 2 Schmiede, 8 Tagelöhnerinnen, 3 Schäfer, 2 Flößer, 1 Schreiner zugl. Müller, 1 Faßbinder, 1 Wagner, 2 Wirte, 2 Schneider, 5 Handelsjuden
- 1885: 618, davon 605 evangelisch (= 97.90 %), 3 katholisch (= 0.49 %), 10 andere Christen (= 1.62 %)
- 1961: 1220, davon 1155 evangelisch (= 94.67 %), 55 katholisch (= 4.51 %)
- 1970: 1312
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Diagramme:

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. - Verfassung ↑
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Verwaltungsbezirk:
- 1502: Landgrafschaft Hessen, Amt Rotenburg, Obergericht, Gerichtsstuhl Breitenbach
- 1538: Landgrafschaft Hessen, Amt Rotenburg, Obergericht, Gerichtsstuhl Breitenbach
- 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Rotenburg, dritter Gerichtsstuhl
- 1627-1834: Landgrafschaft Hessen-Rotenburg (sogenannte Rotenburger Quart), teilsouveränes Fürstentum unter reichsrechtlicher Oberhoheit der Landgrafschaft Hessen-Kassel bzw. des Kurfürstentums Hessen
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Rotenburg
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Rotenburg
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Rotenburg
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Rotenburg, Fürstlich Rotenburgisches Justizamt
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Rotenburg
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Rotenburg
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Rotenburg
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Rotenburg
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Rotenburg
- 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
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Altkreis:
Rotenburg
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Gericht:
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Herrschaft:
Den Landgrafen von Hessen gelingt es im 14. Jahrhundert, die Abtei Hersfeld aus ihren Herrschaftsrechten zu verdrängen.
1317 haben die Landgrafen die Dörfer Weiterode und Breitenbach an die Brüder von Romrod verpfändet. 1321 befreit Landgraf Otto [I.] von Hessen 4 Hufen Landes mit allem Zubehör, welche sein Kaplan, der Pfarrer Friedrich zu Breitenbach, für die Pfarrkirche ebendort von Sifrid genannt Reinbolt gekauft hat, von allen Abgaben.
Landgraf Heinrich von Hessen und sein Sohn Otto verkaufen 1344 die Dörfer Breitenbach, Weiterode und Rudolferode mit Gericht, Dienst und Abgaben für 230 Mark lötiges Silber an Konrad Hilgenreich, Bürger in Hersfeld, seine Ehefrau Lise sowie Ludwig von Rimbach und dessen Ehefrau Kunne. Um 1376 erhält Ludwig von Rimbach ein hessisches Burglehen u.a. zu Breitenbach. 1415 verleiht Landgraf Ludwig I. sein mit 200 Gulden belastetes Vorwerk zu Breitenbah an Hans von Trümbach und dessen gleichnamigen Sohn.
1538 gehört das Dorf Breitenbach mit aller Obrigkeit, Gericht, Gebot und Verbot, Dienst und Schaftrift den Landgrafen von Hessen und sie verfügen über den Zoll mit festen Tarifen. Ferner besitzen sie eine Herberge und Schenkstatt, Stallung für Ausspann, Scheune, Bierbrauerei und Branntweinbrennerei
Die von Berlepsch haben ein von 1445 bis 1828 hessisches Lehen inne das Vorwerk zu Breitenbach mit allen Rechten und allem Zubehör, das der verstorbene Lamprecht von Netra besessen hatte und von dem verstorbenen Reinhard von Dalwigk gekauft worden ist.
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Gemeindeentwicklung:
Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil der neu gebildeten Stadtgemeinde Bebra eingegliedert.
- Besitz ↑
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Grundherrschaft und Grundbesitzer:
- 1197: Kloster Aua erwirbt von Graf Volkwin von Naumburg unter anderem Güter zu Breitenbach.
- 1244 verzichtet Wittekind genannt von Naumburg auf die von seinem verstorbenen Vater Volkwin dem ehemaligen Propst von Aua [Blankenheim], Eckhard (Ecgehard), verkauften Güter u.a. in Breitenbach.
- 1264 überträgt die Abtei Hersfeld dem Kloster Blankenheim einen Hof mit allem Zubehör in Breitenbach. In der Folge kann das Kloster weiteren Besitz erwerben.
- 1372 verkauft Kloster Heydau an Schulmeister und Küster des Stifts Rotenburg Güter u.a. zu Breitenbach.
- 1785 werden an Herrschaftlichen und Adligen freien Höfen (ohne Grundstücke) genannt: das vormalige Schuchardische Gut, ein von Berlepschen Lehnshof, ein Gut, das Weiblings-Gut genannt
- Kirche und Religion ↑
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Ortskirchen:
- pleban (1254)
- viceplebanus (1298)
- Pfarrkirche (1321)
- Dreigeschossiger Westturm um 1500 errichtet, Haubenhelm von 1793, mittelalterliches Langhaus mit Chor 1819/20 erhöht und verändert, Schiff nach Norden erweitert 1968
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Patrozinien:
- Michael (1506) [HStAM Best. Urk. 57 Nr. 404]
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Pfarrzugehörigkeit:
1339 der Klosterkirche Blankenheim unterstellt. 1569, 1585 und 1785 sind Blankenheim, Lüdersdorf und Weiterode eingepfarrt, 1872 haben Blankenheim und Weiterode Filialstatus, letzteres scheidet 1914 als selbständige Pfarrgemeinde aus. So auch noch 1994
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Patronat:
Patronat ursprünglich bei der Abtei Hersfeld, die ihn 1339 an Kloster Blankenheim abtritt, dem die Kirche dann inkorporiert wird. Nach der Reformation wieder bei Hersfeld, so 1585
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Diakonische Einrichtung:
01.11.1913 kleine Diakoniestation mit einer Schwester Sardemann, Geschichte des hessischen Diakonissenhauses zu Cassel, S. 272; 1923 Schwesternstation (Landeskirchliches Archiv Kassel, E 1 Breitenbach v. O. Pfarrarchiv Breitenbach a. d. Fulda)
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Bekenntniswechsel:
Erster evangelischer Pfarrer: Konrad Nessehen (auch Schwartz gen.) ca. 1527 bis ca. 1554
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Kirchliche Mittelbehörden:
15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Peter zu Fritzlar, Erzpriestersprengel Braach
- Kultur ↑
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Schulen:
1785 ist ein freies Schulhaus vorhanden
1910 Volksschule mit zwei Klassen
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Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):
- Wirtschaft ↑
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Mittelpunktfunktion:
1538 gehören zum Gerichtsstuhl Breitenbach die Dörfer Blankenheim Merklar, Meckbach und Ludersdorf
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Zoll:
1585 erbrachte der Landzoll in Breitenbach 120 Gulden
1785 steht ein Zöllner in landgräflichen Diensten
- Nachweise ↑
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Literatur:
- Chronik von Breitenbach, herausgegeben zur 950-Jahr-Feier 2024
- Bebra - Chronik einer Stadt, Teil II: Bebra im Wandel des 20. Jahrhunderts, 1991, S. 180-197
- Die deutschen Königspfalzen, Band 1, Lfg. 1, S. 45-54
- Denkmaltopographie Landkreis Hersfeld-Rotenburg 1, S. 127-135
- Spezialbeschreibung der Dorfschaft Breitenbach (1785)
- Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 64 (Dorf und Gerichtsstuhl)
- Hütteroth, althessische Pfarrer, S. 489
- Zitierweise ↑
- „Breitenbach, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3002> (Stand: 18.9.2025)

