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Historisches Ortslexikon

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KDR 100, TK25 1900 ff.
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 55. Rotenburg
Gerichtsstätten
Linde in Tann (Ludwigsau)

Weitere Informationen

Tann

Ortsteil · 235 m über NN
Gemeinde Ludwigsau, Landkreis Hersfeld-Rotenburg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

5 km nördlich von Bad Hersfeld

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit einfachem Grundriss und dünner Besiedlung im Rohrbachtal (Besengrund) am Nordostrand des Knüllgebirges. Kirche mit Gerichtsplatz im Ortskern, wo der von Südwesten heranfließende Biedebach in den Rohrbach mündet. Durch den Ort führt die Landesstraße 3254 (Rohrbacher Straße). Jüngere Siedlungsentwicklung am Biedenbach im Südwesten und unterhalb des Eichbergs im Nordosten

Ersterwähnung:

1355

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • Dorf (1370)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1892

Älteste Gemarkungskarte:

1786/87

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3549404, 5643004
UTM: 32 U 549310 5641186
WGS84: 50.92021° N, 9.701529° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

632012130

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 399, davon 229 Acker (= 57.39 %), 57 Wiesen (= 14.29 %), 16 Holzungen (= 4.01 %)
  • 1961 (Hektar): 394, davon 38 Wald (= 9.64 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1538: 27 Behausungen
  • 1585: 37 Hausgesessene (Hersfeld)
  • 1747: 57 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
  • 1748: 56 steuerpflichtige Häuser mit 257 Menschen; Gewerbetreibende: 24 zünftige Leineweber, 6 Zimmerleute, 3 Schneider, 2 Schmiede, 1 Böttner, 1 Wagner, 2 Schäfer, 2 Müller, 10 Tagelöhner, 6 Tagelöhnerinnen
  • 1885: 320, davon 319 evangelisch (= 99.69 %), 1 katholisch (= 0.31 %)
  • 1961: 331, davon 305 evangelisch (= 92.15 %), 20 katholisch (= 6.04 %)
  • 1970: 343

Diagramme:

Tann: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1403: Landgrafschaft Hessen, Amt Rotenburg, Gericht in der Rohrbach (jedoch mit Sonderstatus aufgrund konkurrierender Hersfelder Rechte; vgl. auch Herrschaft)
  • 1538: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Rotenburg, Gericht in der Rohrbach (nicht zum Amt Rotenburg gehörig)
  • 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Rotenburg, Gericht in der Rohrbach
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Stadt und Amt Hersfeld
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Stadt und Amt Hersfeld
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Hersfeld
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Hersfeld
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Altkreis:

Hersfeld

Gericht:

  • vor 1822: Amt Hersfeld
  • 1822: Landgericht Hersfeld
  • 1850: Justizamt Hersfeld II
  • 1867: Amtsgericht Hersfeld
  • 1879: Amtsgericht Bad Hersfeld

Herrschaft:

Das Gericht in der Rohrbach, das in Tann tagte, war zwischen der Reichsabtei Hersfeld und der Landgrafschaft Hessen lange Zeit strittig, so dass die Herrschafts- und Gerichtsverhältnisse nicht einfach darzustellen sind.

Bis zur Auflösung des Stifts Hersfeld 1651 ist das Dorf Tann in dessen grundherrlichen Besitz, der als Lehen ausgeben wird. Verwaltungstechnisch gehörten die niedere Gerichtsbarkeit in Rohrbach und Tann bis zum Ende der Stiftszeit zum Dechanaigericht.

Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts erwerben und reklamieren auch die Landgrafen Gerichtsrechte und geben diese zu Lehen aus. Das Gericht in der Rohrbach war hessisches Lehen der Grafen von Waldeck, die es an die von Benhausen und die von Lilienberg weiter verlehnten. Anfang des 15. Jahrhundert kamen die von Röhrenfurth zunächst in Teilbesitz und ab 1421 in den Lehensbesitz. Seit 1432 werden die von Riedesel mit dem Gericht in der Rohrbach belehnt. Hessen verfügt somit bereits lange vor 1651 über die Landeshoheit, sprich die peinliche Gerichtsbarkeit, während die niedergerichtlichen Rechte dem Stift Hersfeld bzw. den Riedesel verbleiben. 1481 werden in einem Weistum die Gerichtsrechte der Abtei Hersfeld, der Landgrafen von Hessen und der Herren von Riedesel voneinander abgegrenzt. 1576 und 1579 heißt es in den Rotenburger Salbüchern ausdrücklich, dass das Gericht Rohrbach ist ein eigene Gericht und gehört nicht in das Ambt Rotenburg. 1585 ist das Gericht Rohrbach [...] mit ruge, busse, jegerdienst und atzunge Heßisch. Zum Umfang s. Mittelpunkt. Nach 1651 sind die Hoheitsrechte ganz in den Händen der Landgrafen.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden zur neu gebildeten Gemeinde Ludwigsau zusammengeschlossen.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1355 erwerben Bürgermeister und Rat zu Hersfeld ein Gut zu Tann.
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Kirche als nicht geosteter Fachwerkbau mit Mansardwalmdach 1798 erbaut, 1954, 1979, 1994 und 1996 renoviert

Pfarrzugehörigkeit:

1524, 1569, 1872 Mecklar, zwischendurch nach Obergeis (1560) und Rohrbach (1747). 1893 wird Tann in das neu gebildete Kirchspiel Rohrbach eingegliedert.

Diakonische Einrichtung:

1933 - 1956 Diakoniestation (Landeskirchliches Archiv Kassel, Findbuch G 2.6. Kurhessisches Diakonissenhaus)

Bekenntniswechsel:

Da Filial von Mecklar, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Mecklarer Pfarrer Johannes Mel um 1527.

Kultur

Schulen:

1748 ist ein Schulhaus vorhanden

1910 einklassige Volksschule

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Tann, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3287> (Stand: 23.2.2026)