Historisches Ortslexikon
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Weitere Informationen
Solz
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Stadtteil · 335 m über NN
Gemeinde Bebra, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
- Siedlung ↑
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Ortstyp:
Dorf
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Lagebezug:
10 km östlich von Rotenburg an der Fulda
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Lage und Verkehrslage:
Dorf mit einfachem Grundriss an gleichnamigem in die Fulda führenden Bach. Kern der Siedlung ist die ehemalige Burganlage mit Burgring, Herren- und Gutshäusern sowie Pfarrkirche. Außerhalb hiervon dünne Besiedlung nach 1945 vor allem im Nordosten. Hauptachse ist die parallel zum Bach Richtung Bebra führende K 53
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Ersterwähnung:
960
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Siedlungsentwicklung:
1928 erfolgt die Eingemeindung des aufgelösten Gutsbezirks Boxerode.
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Historische Namensformen:
- Sulzaha, in (960) [MGH Diplomata Könige 1, Konrad I., Heinrich I., Otto I.: Sickel, S. 285-286, Nr. 207 Digitalisat; Original: HStAM Best. Urk. 56 Nr. 2303]
- Sulzaha, de (1146) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 2336; Druck: Wenck, Hessische Landesgeschichte 3 Urkundenbuch S. 68, Nr. 68]
- Solza, in (1252) [Wenck, Hessische Landesgeschichte 3, Urkundenbuch S. 123, Nr. 136; Original HStAM Best. Urk. 57 Nr. 270]
- Sulza (1332) [Urkunden und Regesten Kloster Cornberg, S. 45-46, Nr. 69]
- Soltza, zu (1339) [HStAM Best. Urk. 28 Nr. 181]
- Salza, in (zwischen 1343 und 1364) [HStAM Bestand Urk. 56 Nr. 681; A. Herbst, Hersfelder Zinsenverzeichnis des 14. Jahrhunderts, S. 15 § 1, 18 § 7, 22§ 13]
- Soltza (um 1376) [Vogtherr, Ältestes Lehnbuch der Landgrafschaft Hessen, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 37 (1987), S. 25-71, hier S. 58-59 (195)]
- Soltza, zu (1388) [Urkunden und Regesten Kloster Cornberg, S. 102-103, Nr. 142]
- Sultza, in (1425-1428) [Demandt, Quellen Fritzlar, S. 554-562, Nr. 411 I, hier S. 559 In sede Brache]
- Drottensolcz (1482) [HStAM Best. Urk. 75 Nr. 1180]
- Soltz (1585) [Der ökonomische Staat, S. 89]
- Saltz (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 14]
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Bezeichnung der Siedlung:
- villa (960)
- terminis ville (1332)
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Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:
- Bermolderode
- Bodenthal
- Boxerode
- Kupferschiefer-Revier
- Mosebach
- Untermühle (Gorchheim)
- Zur hohen Buche
- Burg Solz (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
- Herrenhaus von Verschuer Solz (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
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Umlegung der Flur:
1870
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Älteste Gemarkungskarte:
1750
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Koordinaten:
Gauß-Krüger: 3561941, 5652671
UTM: 32 U 561842 5650849
WGS84: 51.005888° N, 9.881444° O OpenLayers - Statistik ↑
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Ortskennziffer:
632003110
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Flächennutzungsstatistik:
- 1885 (Hektar): 857, davon 700 Acker (= 81.68 %), 32 Wiesen (= 3.73 %), 4 Holzungen (= 0.47 %)
- 1961 (Hektar): 947, davon 61 Wald (= 6.44 %)
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Einwohnerstatistik:
- 1585: 44 Haushaltungen (Der ökonomische Staat)
- 1747: 52 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
- 1783: 61 Häuser mit 339 Menschen; Gewerbetreibende: 1 Böttner, 1 Leinweber sogleich Ackermann, 2 Müller, 3 Schneider, 3 Schreiner, 2 Schmiede, 2 Schuhmacher, 2 Ziegelbrenner, 8 Tagelöhner, 2 Schäfer, 2 einzelne Weibspersonen
- 1885: 568, davon 549 evangelisch (= 96.65 %), 4 katholisch (= 0.70 %), 15 Juden (= 2.64 %)
- 1961: 861, davon 786 evangelisch (= 91.29 %), 59 katholisch (= 6.85 %)
- 1970: 835
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Diagramme:

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. - Verfassung ↑
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Verwaltungsbezirk:
- 960: Hessengau [...] Grafschaft des Grafen Megenfried [in pago Hessiun [...] in comitatu Megenfriedi comitis]
- 1506: Landgrafschaft Hessen, Amt Rotenburg, Gericht Solz
- 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Rotenburg, Adelsdorf (von Trott)
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Rotenburg
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Rotenburg
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Nentershausen
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Rotenburg
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Rotenburg
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Rotenburg
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Rotenburg
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Rotenburg
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Rotenburg
- 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
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Altkreis:
Rotenburg
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Gericht:
- vor 1822: kurfürstliches Reservaten-Amt Rotenburg
- 1822: Justizamt Rotenburg
- vor 1827: Assistenzamt Nenntershausen des kurhessischen Justizamts (Reservaten-Amts) Rotenburg
- 1827: Justizamt Nentershausen
- 1836: Justizamt Nentershausen
- 1867: Amtsgericht Nentershausen
- 1879: Amtsgericht Nentershausen
- 1932: Amtsgericht Rotenburg a. d. Fulda
- 1933: Amtsgericht Rotenburg
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Herrschaft:
960 schenkt König Otto I. seinem Getreuen Thiatgaz dem Hunald gerichtlich entzogene Besitzungen, wozu im Hessengau u.a. Solz gehört.
Bis ins 14. Jahrhundert verfügt die Abtei Hersfeld über herrschaftliche Rechte in Solz, in die einzudringen den Landgrafen von Hessen allmählich gelingt. Um 1376 werden die von Trott mit der Kirche und dem halben Gericht belehnt. Die andere Hälfte ist im im 15. Jahrhundert in den Händen der von Bernecke, nach 1456 Widekinds von Hohenfels, dann Konrads von Wallenstein belegt. 1480 belehnt der Landgraf Hans von Wittern (Witerde) anstatt seiner Ehefrau Katharina Bernicke u.a. mit Schloss und Dorf Solz, die zuvor der verstorbene Heinrich Bernicke von Hessen zu Lehen getragen. Die Lehen werden zu Mannlehen verliehen. 1506 belehnt Landgraf Wilhelm II. den hessischen Marschall Friedrich Trott mit dem ehemals halben Teil der Bernicken in Solz. Die hohe Gerichtsbarkeit ist später in den Händen der Landgrafen, die niedere steht den Trotten zu. Seit 1692 ist das niederländische Adelsgeschlecht von Verschuer im Mitbesitz. 1783 ist Solz ein adliges Gesamtdorf mit 62 contribuablen Häusern, von denen 33 dem Freiherrn von Verschuer, 28 denen von Trott sowie ein Haus den Trott zu Imshausen zusteht.
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Gemeindeentwicklung:
Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil der neu gebildeten Stadtgemeinde Bebra eingegliedert.
- Besitz ↑
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Grundherrschaft und Grundbesitzer:
- 1252 schenkt der Rotenburger Burgmann Helfrich dem Kloster Blankenheim u.a. seine Güter in Solz.
- Mitte des 14. Jahrhunderts sind Zinseinkünfte der Abtei Hersfeld belegt, die in Rotenburger Münze gerechnet werden.
- 1332 bestätigt Abt Ludwig von Hersfeld, dass sein Verwandter Eberhard von Milnrode dem Propst Heinrich von Cornberg sein Gut in Solz verkauft hat und übergibt dem Heinrich das Gut, das Eberhard bisher vom Kloster Hersfeld zu Lehen besessen hat. Mit der Einwilligung des Abtes und des Hersfelder Konventes bestimmt Heinrich den Bodo Trott und seine Erben zu seinem Nachfolger.
- 1339 erwirbt Bodo Trott von Dietrich von Berringen ein Vorwerk zu Solz und verpfändet dies dem Propst und Konvent des Klosters Heydau für sechs Jahre.
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Ortsadel:
1186-1325
- Kirche und Religion ↑
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Ortskirchen:
- kirchin (um 1376)
- ecclesia (1425-1428)
- Kirche im Kern gotischer Rechteckbau, 1573 und 1769 erweitert, 1830-34 erhöht, mittelalterlicher Westturm 1897 eingestürzt, 1928 erneuert, Schiff 1973/74
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Pfarrzugehörigkeit:
Um 1410 Pfarrei, 1569, 1585 und 1783 Mutterkirche mit Filial Imshausen, 1841 zudem Mönchhosbach, 1994 außerdem Gilfershausen. Von 1774 bis 1790 war das Vikariat Richelsdorf und von 1816 bis 1840 das Vikariat Diemerode mit Solz vereinigt. Zum Pfarrbezirk gehörten 1872 der Verschuersche Hof Bocksrode, der Trottsche Hof Gunkelrode die Steigerhäuser Bodenthal und Vorwerkstriesch, das Forsthaus und die Untermühle
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Patronat:
1783 steht das Patronatsrecht denen von Trott und von Verschuer zu, bis 1971 Eigenkirche der von Trott
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Bekenntniswechsel:
Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Ulner ca. 1550
Reformierter Bekenntniswechsel, unter hessen-darmstädtischer Herrschaft 1627-1679 lutherisch, dann wieder reformiert.
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Kirchliche Mittelbehörden:
15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Peter zu Fritzlar, Erzpriestersprengel Braach
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Juden:
gehört zur Gemeinde Nenterhausen, bis etwa 1900 halten sie eigenen Gottesdienst ab.
1835: 23; 1861: 32; 1905: 3; 1932/33: 2 Juden
im 17. oder 18. Jahrhundert siedelten wohl die ersten Juden im Ort.
- Kultur ↑
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Schulen:
Seit 1525 geregelter Schulbetrieb
1704-1849 stellt Familie Gonnermann die Lehrer, 1783 ist ein Gemeindeschulhaus vorhanden
1838 Schulhausneubau durch die Gemeinde
1910 Volksschule mit zwei Klassen
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Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):
- Wirtschaft ↑
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Wirtschaft:
Landwirtschaft und vom 15.-20. Jahrhundert Bergbau
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Mühlen:
1783 werden die Ober- und die Untermühle jeweils mit oberschlächtigen Wasserrädern mit dem Wasser der Solz betrieben. Die Obermühle wird bereits 1886 abgebrochen.
- Nachweise ↑
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Literatur:
- Wunder, Adel im Hessen des 18. Jahrhunderts, S. 840 (Register)
- Solz. Unser Dorf gestern und heute
- Bebra - Chronik einer Stadt, Teil II: Bebra im Wandel des 20. Jahrhunderts, 1991, S. 270-287
- Lager-, Stück- und Steuerbuch der Dorfschaft Solz aus dem Jahr 1783, bearb. Albert Schmidt
- Denkmaltopographie Landkreis Hersfeld-Rotenburg 1, S. 159-174
- Knappe, Burgen in Hessen, S. 174
- Schellhase, Kreis Rotenburg, S. 243 (Register)
- Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 448
- Hütteroth, althessische Pfarrer, S. 540
- Diehl, Pfarrer- und Schulmeisterbuch für die acquirierten Lande und die verlorenen Gebiete, S. 386
- Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen: Anfang, Untergang, Neubeginn, Bd. 2, S. 116
- Zitierweise ↑
- „Solz, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3132> (Stand: 12.8.2025)

