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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 45. Sontra
Gerichtsstätten
Gerichtsplatz in Solz

Weitere Informationen

Solz

Stadtteil · 335 m über NN
Gemeinde Bebra, Landkreis Hersfeld-Rotenburg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

10 km östlich von Rotenburg an der Fulda

Lage und Verkehrslage:

Dorf mit einfachem Grundriss an gleichnamigem in die Fulda führenden Bach. Kern der Siedlung ist die ehemalige Burganlage mit Burgring, Herren- und Gutshäusern sowie Pfarrkirche. Außerhalb hiervon dünne Besiedlung nach 1945 vor allem im Nordosten. Hauptachse ist die parallel zum Bach Richtung Bebra führende K 53

Ersterwähnung:

960

Siedlungsentwicklung:

1928 erfolgt die Eingemeindung des aufgelösten Gutsbezirks Boxerode.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (960)
  • terminis ville (1332)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1870

Älteste Gemarkungskarte:

1750

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3561941, 5652671
UTM: 32 U 561842 5650849
WGS84: 51.005888° N, 9.881444° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

632003110

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 857, davon 700 Acker (= 81.68 %), 32 Wiesen (= 3.73 %), 4 Holzungen (= 0.47 %)
  • 1961 (Hektar): 947, davon 61 Wald (= 6.44 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 44 Haushaltungen (Der ökonomische Staat)
  • 1747: 52 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
  • 1783: 61 Häuser mit 339 Menschen; Gewerbetreibende: 1 Böttner, 1 Leinweber sogleich Ackermann, 2 Müller, 3 Schneider, 3 Schreiner, 2 Schmiede, 2 Schuhmacher, 2 Ziegelbrenner, 8 Tagelöhner, 2 Schäfer, 2 einzelne Weibspersonen
  • 1885: 568, davon 549 evangelisch (= 96.65 %), 4 katholisch (= 0.70 %), 15 Juden (= 2.64 %)
  • 1961: 861, davon 786 evangelisch (= 91.29 %), 59 katholisch (= 6.85 %)
  • 1970: 835

Diagramme:

Solz: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 960: Hessengau [...] Grafschaft des Grafen Megenfried [in pago Hessiun [...] in comitatu Megenfriedi comitis]
  • 1506: Landgrafschaft Hessen, Amt Rotenburg, Gericht Solz
  • 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Rotenburg, Adelsdorf (von Trott)
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Rotenburg
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Rotenburg
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Nentershausen
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Rotenburg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Rotenburg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Rotenburg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Rotenburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Rotenburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Rotenburg
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Altkreis:

Rotenburg

Gericht:

  • vor 1822: kurfürstliches Reservaten-Amt Rotenburg
  • 1822: Justizamt Rotenburg
  • vor 1827: Assistenzamt Nenntershausen des kurhessischen Justizamts (Reservaten-Amts) Rotenburg
  • 1827: Justizamt Nentershausen
  • 1836: Justizamt Nentershausen
  • 1867: Amtsgericht Nentershausen
  • 1879: Amtsgericht Nentershausen
  • 1932: Amtsgericht Rotenburg a. d. Fulda
  • 1933: Amtsgericht Rotenburg

Herrschaft:

960 schenkt König Otto I. seinem Getreuen Thiatgaz dem Hunald gerichtlich entzogene Besitzungen, wozu im Hessengau u.a. Solz gehört.

Bis ins 14. Jahrhundert verfügt die Abtei Hersfeld über herrschaftliche Rechte in Solz, in die einzudringen den Landgrafen von Hessen allmählich gelingt. Um 1376 werden die von Trott mit der Kirche und dem halben Gericht belehnt. Die andere Hälfte ist im im 15. Jahrhundert in den Händen der von Bernecke, nach 1456 Widekinds von Hohenfels, dann Konrads von Wallenstein belegt. 1480 belehnt der Landgraf Hans von Wittern (Witerde) anstatt seiner Ehefrau Katharina Bernicke u.a. mit Schloss und Dorf Solz, die zuvor der verstorbene Heinrich Bernicke von Hessen zu Lehen getragen. Die Lehen werden zu Mannlehen verliehen. 1506 belehnt Landgraf Wilhelm II. den hessischen Marschall Friedrich Trott mit dem ehemals halben Teil der Bernicken in Solz. Die hohe Gerichtsbarkeit ist später in den Händen der Landgrafen, die niedere steht den Trotten zu. Seit 1692 ist das niederländische Adelsgeschlecht von Verschuer im Mitbesitz. 1783 ist Solz ein adliges Gesamtdorf mit 62 contribuablen Häusern, von denen 33 dem Freiherrn von Verschuer, 28 denen von Trott sowie ein Haus den Trott zu Imshausen zusteht.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil der neu gebildeten Stadtgemeinde Bebra eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1252 schenkt der Rotenburger Burgmann Helfrich dem Kloster Blankenheim u.a. seine Güter in Solz.
  • Mitte des 14. Jahrhunderts sind Zinseinkünfte der Abtei Hersfeld belegt, die in Rotenburger Münze gerechnet werden.
  • 1332 bestätigt Abt Ludwig von Hersfeld, dass sein Verwandter Eberhard von Milnrode dem Propst Heinrich von Cornberg sein Gut in Solz verkauft hat und übergibt dem Heinrich das Gut, das Eberhard bisher vom Kloster Hersfeld zu Lehen besessen hat. Mit der Einwilligung des Abtes und des Hersfelder Konventes bestimmt Heinrich den Bodo Trott und seine Erben zu seinem Nachfolger.
  • 1339 erwirbt Bodo Trott von Dietrich von Berringen ein Vorwerk zu Solz und verpfändet dies dem Propst und Konvent des Klosters Heydau für sechs Jahre.

Ortsadel:

1186-1325

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • kirchin (um 1376)
  • ecclesia (1425-1428)
  • Kirche im Kern gotischer Rechteckbau, 1573 und 1769 erweitert, 1830-34 erhöht, mittelalterlicher Westturm 1897 eingestürzt, 1928 erneuert, Schiff 1973/74

Pfarrzugehörigkeit:

Um 1410 Pfarrei, 1569, 1585 und 1783 Mutterkirche mit Filial Imshausen, 1841 zudem Mönchhosbach, 1994 außerdem Gilfershausen. Von 1774 bis 1790 war das Vikariat Richelsdorf und von 1816 bis 1840 das Vikariat Diemerode mit Solz vereinigt. Zum Pfarrbezirk gehörten 1872 der Verschuersche Hof Bocksrode, der Trottsche Hof Gunkelrode die Steigerhäuser Bodenthal und Vorwerkstriesch, das Forsthaus und die Untermühle

Patronat:

1783 steht das Patronatsrecht denen von Trott und von Verschuer zu, bis 1971 Eigenkirche der von Trott

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Ulner ca. 1550

Reformierter Bekenntniswechsel, unter hessen-darmstädtischer Herrschaft 1627-1679 lutherisch, dann wieder reformiert.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Peter zu Fritzlar, Erzpriestersprengel Braach

Juden:

gehört zur Gemeinde Nenterhausen, bis etwa 1900 halten sie eigenen Gottesdienst ab.

1835: 23; 1861: 32; 1905: 3; 1932/33: 2 Juden

im 17. oder 18. Jahrhundert siedelten wohl die ersten Juden im Ort.

Kultur

Schulen:

Seit 1525 geregelter Schulbetrieb

1704-1849 stellt Familie Gonnermann die Lehrer, 1783 ist ein Gemeindeschulhaus vorhanden

1838 Schulhausneubau durch die Gemeinde

1910 Volksschule mit zwei Klassen

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):

Wirtschaft

Wirtschaft:

Landwirtschaft und vom 15.-20. Jahrhundert Bergbau

Mühlen:

1783 werden die Ober- und die Untermühle jeweils mit oberschlächtigen Wasserrädern mit dem Wasser der Solz betrieben. Die Obermühle wird bereits 1886 abgebrochen.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Solz, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3132> (Stand: 12.8.2025)