Historisches Ortslexikon
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- KDR 100, TK25 1900 ff.
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- Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 66. Hersfeld
Weitere Informationen
Sieglos
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Ortsteil · 212 m über NN
Gemeinde Hauneck, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
- Siedlung ↑
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Ortstyp:
Dorf
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Lagebezug:
6 km südsüdöstlich von Bad Hersfeld
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Lage und Verkehrslage:
Straßendorf am Ost-Rand des Haunetals kurz unterhalb der Eitra-Mündung. Hauptachse (Oberhauner Straße) seit 2017 im Zuge der Ortsumgehung parallel zur nunmehr westlich der Haune verlaufenden Bundesstraße 27 mit dem Abzweig der von Eitra heranführenden L 3170 in Dorfmitte. Im alten Ortskern Siedlungseinbuchtung am Bach Finstersee. Moderne Siedlungsentwicklung südöstlich oberhalb des Dorfes in Richtung Eitra (Siedlungsverschmelzung).
Chaussee nach Bad Hersfeld und Hünfeld. An der Bundesstraße 27 Bad Hersfeld - Hünfeld/Fulda zwischen Oberhaun und (Abzweig) Hermannspiegel. L 3170 über Eitra und Buchenau nach Eiterfeld.
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Ortsform:
Straßendorf
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Ersterwähnung:
1385
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Historische Namensformen:
- Sieglos (1385) [Schreibweise nach Archivregest HStAM Best. Urk. 57 Nr. 194]
- Sigkeloß, zu dem (1390) [Abschrift 1590 HStAM Best. Urk. 56 Nr. 627]
- Sigkelins, zu dem (1399) [HStAM Best. Urk. 57 Nr. 56]
- Siglis (1488) [HStAM Best. Urk. 57 Nr. 105]
- Sickels, zum (1494) [Kop. vid. 1590 HStAM Best. Urk. 100 Nr. 3094]
- Sigloß (1591) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 1910]
- Sickleß (1673) [Ziegler, Reichsabtei Hersfeld, S. 275-277, Nr. 37]
- Sickles, zum (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 16,1]
- Siglos (1720) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 2209]
- Sieglos (um 1800)
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Bezeichnung der Siedlung:
- Dorfschaft (1673)
- Dorf (1772)
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Burgen und Befestigungen:
- Ein im ältesten Teil von Sieglos (In der Finstersee) gefundener und in ein Wohnhaus verbauter Neidkopf wird als Relikt einer verschwundenen Burg vermutet. Zwar sind abgesehen von nahen Flurnamen (Junkernberg, Junkerhaus, Junkerhecke) keine direkten Belege vorhanden (Mitze, Steinköpfe), doch lässt sich noch 1772 ein freies adliges Gut derer von Buchenau im Ort nachweisen, von dem vielleicht der Neidkopf stammt.
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Umlegung der Flur:
1881
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Älteste Gemarkungskarte:
1768
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Koordinaten:
Gauß-Krüger: 3551815, 5631671
UTM: 32 U 551720 5629858
WGS84: 50.818133° N, 9.73421° O OpenLayers - Statistik ↑
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Ortskennziffer:
632007060
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Flächennutzungsstatistik:
- 1885 (Hektar): 105, davon 66 Acker (= 62.86 %), 13 Wiesen (= 12.38 %), 11 Holzungen (= 10.48 %)
- 1961 (Hektar): 101, davon 11 Wald (= 10.89 %)
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Einwohnerstatistik:
- 1673: 6 Hausgessesse
- 1747: 9 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
- 1772: 10 Haushaltungen mit 57 Menschen; Gewerbetreibende: 1 Schmied, 1 Müller, 3 Leinweber, worunter 2 Ackerleute, die ihr eigen Tuch machen, 1 Tagelöhner und 5, die nur Ackerbau treiben
- 1830: 129 Einwohner
- 1871: 145 (+ 4 abw.)
- 1885: 179, davon 177 evangelisch (= 98.88 %), 2 katholisch (= 1.12 %)
- 1926: 222 evangelische Einwohner
- 1961: 259, davon 246 evangelisch (= 94.98 %), 10 katholisch (= 3.86 %)
- 1970: 263
- 1975: 254
- 1980: 259
- 1984: 268
- 2001: 332
- 2006: 292
- Vor dem 30jährigen Krieg: 10 Mann (KLB, Msc. Hass. fol. 126)
- um 1760: 12 Haushaltungen
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Diagramme:

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. - Verfassung ↑
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Verwaltungsbezirk:
- 1567: Fürstabtei Hersfeld, buchenauisches Gericht Schildschlag
- 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Schildschlag
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Schildschlag
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Schildschlag
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Petersberg
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Schildschlag
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
- 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
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Altkreis:
Hersfeld
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Gericht:
- Buchenauisches Gericht (Amt) Schildschlag
- 1822: Landgericht Hersfeld
- 1850: Justizamt Hersfeld I
- 1867: Amtsgericht Hersfeld
- 1879: Amtsgericht Bad Hersfeld
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Herrschaft:
1385 werden in einem Vermächtnis Wetzels von Buchenau Einkünfte aus verschiedenen Dörfern um Sieglos genannt, die er der Marienkirche auf dem Petersberg überträgt.
Bis zum endgültigen Übergang an die Landgrafschaft Hessen 1651 ist Sieglos als Hersfelder Lehen ein Dorf des buchenauischen Gerichts Schildschlag der von Buchenau. Auch die peinliche Gerichtsbarkeit besaßen die von Buchenau als hersfeldisches Lehen (Rev. seit 1567). 1494 verkauft Engelhard von Buchenau für 2.000 Gulden verschiedene Dörfer, Wälder und Wüstungen u.a. Eitra, Rotensee, Sickels, Schlotzau und Wippersheim an Landgraf Wilhelm von Hessen (HStAM Best. Urk. 13 Nr. 4178). Nach dem Übergang an die Landgrafen kommt es zu langwierigen Prozessen um die Medietät oder Immedietät des Schildschlags, die erst in einem Vergleich im Jahre 1670 beigelegt wurden. Die von Buchenau erkannten die Landeshoheit der Landgrafen an, sollten aber in ihren von Hersfeld übertragenen Rechten bleiben.1720/21 wurde das Gericht von der Familie Buchenau an Hessen verkauft, die Buchenauer behalten sich nur ein Wohnhaus, Garten und Wiese vor. Dementsprechend ist Sieglos 1770 unumstrittener Besitz der Landgrafen, die Buchenauer haben ein Haus mit Garten und Wiese.
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Gemeindeentwicklung:
Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden zur neu gebildeten Gemeinde Hauneck zusammengeschlossen.
- Kirche und Religion ↑
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Ortskirchen:
- 1772 ist keine Kirche vorhanden
- 1834: Eigener Friedhof (vorher in Wippershain)
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Pfarrzugehörigkeit:
1747, 1772 und 1872 ist Sieglos nach Wippershain eingepfarrt (Hochhuth, Statistik der evangelischen Kirche, S. 516).
1894 erbaut Sieglos zusammen mit Eitra eine neue evangelisch-reformierte Kirche in Eitra, wobei beide Orte aber weiterhin ohne eigene Kirchengemeinde im Kirchspiel Wippershain verblieben.
1950: Auflösung des alten Kirchspiels Wippershain in seiner bisherigen Form und damit verbundene Verkleinerung: Sieglos und Eitra schieden aus und bildeten nun eine eigene Kirchengemeinde im Kirchspiel Unterhaun.
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Bekenntniswechsel:
Einführung der Reformation vermutlich Mitte des 16. Jahrhunderts.
- Kultur ↑
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Schulen:
1772 ist kein Schulhaus vorhanden, der Schulmeister von Wippershain versorgt die Kinder mit
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Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):
- Wirtschaft ↑
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Mühlen:
Bis 1956 betriebene Dorfmühle im Südosten von Sieglos in der Mühlgasse inzwischen bis auf ein Scheunengebäude abgerissen, Mühlgraben aber noch vorhanden. 1772 wird die Mühle mit dem Wasser der Eitra über einen oberschlägigen Mahl- und Schlaggang betrieben, welcher zugleich zum Walken eingerichet ist.
- Nachweise ↑
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Literatur:
- Hochhuth, Statistik der evangelischen Kirche, S. 516
- Scholz, Wasser- und Windmühlen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, S. 83
- Ziegler, Reichsabtei Hersfeld, S. 320 (Register)
- Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 443
- Mitze, Steinköpfe
- Gerbig, Hauneck Chronik
- Denkmaltopographie Landkreis Hersfeld-Rotenburg 1, S. 293-295
- Zitierweise ↑
- „Sieglos, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3283> (Stand: 11.3.2026)

