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KDR 100, TK25 1900 ff.
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 33. Lichtenau
Gerichtsstätten
Gerichtsplatz in Retterode

Weitere Informationen

Retterode

Stadtteil · 358 m über NN
Gemeinde Hessisch Lichtenau, Werra-Meißner-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

21 km südsüdwestlich von Witzenhausen

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit einfachem, regellosem Grundriss und geringer Siedlungsdichte am Oberlauf des Essebachs 3 km südlich Hessisch Lichtenau. Die Siedlung liegt unterhalb einer quadratisch wehrhaft ummauerten Kirche und einem rundummauerten Lindenplatz. Im Osten durchläuft die B 487 (Schnellroder Straße) den Ort, von der aus der Töpferweg in westlicher Richtung abzweigend den Ort erschließt.

Ersterwähnung:

1209

Siedlungsentwicklung:

1928 erfolgt die Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Hessisch-Lichtenau.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Älteste Gemarkungskarte:

1688

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3550642, 5671257
UTM: 32 U 550548 5669428
WGS84: 51.174045° N, 9.72308° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

636006100

Flächennutzungsstatistik:

  • 1779: 38 Acker Kirche, 58 Acker Pfarrei, 19 Acker geistliches Lehen, 823 Acker Meisenbug, 167 Acker Gemeinde, 683 Acker Bauern; zusammen 1808 Acker
  • 1961 (Hektar): 657, davon 235 Wald (= 35.77 %)

Einwohnerstatistik:

  • 12 Leinweber, 4 Schmiede, 5 Töpfer, 3 Wagner, 11 Ackerleute, 3 Schneider, 7 Taglöhner, 1 Müller, 2 Hirten; zusammen: 48
  • 1575/85: 20 Hausgesesse
  • 1681: 16
  • 1747: 39 Mannschaften mit 38 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
  • 1779: 157 Einwohner
  • 1961: 550, davon 473 evangelisch (= 86.00 %), 64 katholisch (= 11.64 %)
  • 1970: 502 Einwohner
  • Gewerbetreibende 1779:1 Müller, 3 Töpfer, 1 Wagner, 2 Schmiede, 3 Brandweinbrenner, 1 Schneider, 12 Leinweber, 5 Tagelöhner und Tagelöhnerinnen

Diagramme:

Retterode: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1383/87: Landgrafschaft Hessen, Amt Reichenbach (Lichtenau)
  • 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Lichtenau, Adelsdorf (von Meisenbug)
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Lichtenau, Adelsdorf (von Meisenbug)
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Lichtenau
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Lichtenau
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Lichtenau
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Witzenhausen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis:

Witzenhausen

Gericht:

  • 1466: Gericht Meisenbug
  • 1569: Niederes Gericht Meisenbug, peinliches Gericht Hessen
  • 1747, desgleichen
  • 1807: Friedensgericht Lichtenau
  • 1814: Amt Lichtenau
  • 1821: Justizamt Lichtenau
  • 1867: Amtsgericht Lichtenau
  • 1879: Amtsgericht Lichtenau
  • 1945: Amtsgericht Witzenhausen
  • 1961: Amtsgericht Witzenhausen
  • Gerichtsplatz mit gespaltener alter Linde, im Kreis rund von Quadermauer umzogen

Herrschaft:

Kurz nach 1376: Landgraf Hermann belehnt Heinrich Beyer mit Dorf Retterode.

1466: Landgraf Ludwig belehnt die Meisenbug mit Dorf Retterode.

1527: Heinrich Meisenbug nimmt Grundstücke zu Retterode, die seine Vorfahren dem Georgsaltar in der Kilianskirche zu Lichtenau gestiftet hatten, wieder an sich.

1568: Landgraf Wilhelm belehnt die Meisenbug mit Dorf Retterode. Nach Aussterben der Meisenbug 1811 Rückfall an den Staat (Königreich Westfalen)

1814: Gut Retterode als Staatsdomäne verpachtet

1873: verkauft und aufgeteilt

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingemeindung nach Hessisch Lichtenau, Stadtgemeinde, dessen Stadtteil Retterode seitdem ist.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1209 und 1310 hat das Petersstift Fritzlar Anteile an den Zehnteinkünften in Retterode.
  • Gertrud von Schlutwinsdorf bekundet, dass sie Einkünfte in Bergheim und in Retterode zur Ausstattung ihrer Tochter, Nonne im Kloster Heydau übertragen hat

Ortsadel:

1289 - 1445

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • plebanus (1303)
  • ecclesia (1425-28) [Demandt, Quellen Fritzlar, S. 554-562, Nr. 411 I, hier S. 558-559)
  • Kirche: Turm gotisch, im 15. Jahrhundert (1453 ?) erhöht; Schiff 1825 erbaut

Pfarrzugehörigkeit:

1560: mit Diakonat Lichtenau verbunden

1569 und 1585: selbstständige Pfarrei

1573 - 80: Diakonat Hessisch Lichtenau

1582 - 90: Durch Quentel versorgt

1593 - 97: Diakonat Lichtenau

1613: eigener Pfarrer

1661 - 78: Pfarrer von Walburg

1678 - 1700: Pfarrer von Weidelbach

1700 - 1727: Pfarrer von Walburg

1727 - 32: Kaplan oder Diakon Lichtenau

1732 - 54: Pfarrer von Velmeden

1754 - 69: Pfarrer von Walburg

1769 - 79: Diakon oder Kaplan von Lichtenau

1779 - 98: Pfarrer von Walburg

1798 - 1820: Kaplan oder Diakon Lichtenau

1820 - 32: Pfarrer von Walburg

1833 und 1872: 2. Pfarrei Lichtenau

1994: 4 Filialgemeinde von Lichtenau

Patronat:

1569 und 1810: die Meisenbug

Bekenntniswechsel:

Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Nikolaus Rosenblath 1569-1573

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Mainzer Kirchenprovinz, Archipresbyterat Fritzlar, Erzpriestersprengel Gensungen

Archdiakonat Heiligenstadt

1585: Superintendentur Rotenburg-Allendorf

Kultur

Schulen:

Schuldiener im 17. Jahrhundert genannt, 1779 ist kein Schulhaus vorhanden

1910 einklassige Volksschule

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):

Wirtschaft

Wirtschaft:

Neben Landwirtschaft, Leinenweberei Bergbau (Braunkohle s. Zeche Glimmerode), Töpferei

Mühlen:

Um 1595 Errichtung einer Mühle durch die Familie Meysenbug, die vom Essebach angetrieben wird. 1779 hat sie einen Mahlgang, 1853 wird sie abgebrochen.

Außerhalb der Dorfgemarkung: Walbachsmühle

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Retterode, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/6731> (Stand: 26.11.2024)