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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 47. Obersuhl / 57. Willershausen
Gerichtsstätten
Anger in Obersuhl

Weitere Informationen

Obersuhl

Ortsteil · 218 m über NN
Gemeinde Wildeck, Landkreis Hersfeld-Rotenburg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

22 km südöstlich von Rotenburg an der Fulda

Lage und Verkehrslage:

Langgestrecktes Dorf an gleichnamigem, über die Weihe in die Werra mündenden Bach unmittelbar an der heutigen Landesgrenze zum Freistaat Thüringen. Kern der Siedlung mit Ortskirche, rund ummauertem Anger vor dem Kirchhof südlich der als Hauptachse durch den Ort führenden Eisenacher Str. (L 3251). Hiervon nach Norden abzweigend Zubringer zur A 4 Richtung Erfurt. Jüngere Siedlungsentwicklung südlich und nördlich der Hauptstraße.

Haltepunkt der nördlich verlaufenden Eisenbahnlinie Bebra – Gerstungen (Inbetriebnahme der Strecke 25.9.1849).

Ersterwähnung:

1322

Siedlungsentwicklung:

1928 erfolgt die Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Wildeck.

Die Lage von Obersuhl ist über Jahrhunderte durch ihre Grenzlage zwischen Hessen und Thüringen gekennzeichnet. Mit der innerdeutschen Teilung nach 1945 verschärft sich die Randlagenfunktion, durch die Obersuhl von traditionellen Verbindungsstrecken abgeschnitten wird.

Vorbemerkung Historische Namensformen:

Die Zuordnung der frühen Quellenbelege ohne präzisierenden Zusatz bereitet Schwierigkeiten, da sie auf zwei, nicht weit voneinander entfernt liegende Zuflüsse der Werra südlich von Gerstungen bezogen werden können. Hierzu gehören ein rechter Zufluss mit den Orten Wünschensuhl, Marksuhl und Kupfersuhl sowie ein linker Werrazufluss mit den Orten Untersuhl und Obersuhl. Die fuldischen Besitzbelege werden in der Forschung in der Regel auf Marksuhl bezogen und daher hier nicht berücksichtigt. Vgl. hierzu Gockel, Die urkundliche Überlieferung des Klosters Fulda zu Thüringen in der Karolingerzeit, S. 79-80 und S. 239 (Register)

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • Gut (1322)
  • Dorf (1364)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1870/71

Älteste Gemarkungskarte:

1779

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3572691, 5646533
UTM: 32 U 572588 5644714
WGS84: 50.949467° N, 10.033354° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

632020030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 943, davon 712 Acker (= 75.50 %), 114 Wiesen (= 12.09 %), 2 Holzungen (= 0.21 %)
  • 1961 (Hektar): 1036, davon 119 Wald (= 11.49 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 87 Haushaltungen (Der ökonomische Staat)
  • 1747: 114 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
  • (1780): 104 Wohnhäuser, 520 Menschen; Gewerbetreibende: 27 Ackerleute und Leinenweber, 22 Leinenweber, 1 Büttner, 1 Müller, 2 Maurer, 5 Schneider, 1 Schmidt, 1 Schreiner, 1 Schuhflicker, 4 Raschmacher, 3 Wagner, 1 Wirt, 4 Töpfer und Ziegelbrenner, 3 Zimmerleute, 2 Taglöhner, 3 Schäfer, 5 einzelne Weibspersonen, so Taglohnen und Spinnen
  • 1885: 1311, davon 1306 evangelisch (= 99.62 %), 0 katholisch, 5 andere Christen (= 0.38 %)
  • 1961: 3240, davon 2967 evangelisch (= 91.57 %), 234 katholisch (= 7.22 %)
  • 1970: 3074

Diagramme:

Obersuhl: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1322: Fürstabtei Fulda, Amt und Gericht Wildeck
  • 1396: Fürstabtei Fulda, Amt und Gericht Wildeck (an die Trotten verpfändet)
  • 1413: Landgrafschaft Hessen, Amt Wildeck
  • 1504: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Rotenburg
  • 1579: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Rotenburg, Gerichtsstuhl Obersuhl (zum Umfang s. Mittelpunkt)
  • 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Rotenburg, vierter Gerichtsstuhl
  • 1627-1834: Landgrafschaft Hessen-Rotenburg (sogenannte Rotenburger Quart), teilsouveränes Fürstentum unter reichsrechtlicher Oberhoheit der Landgrafschaft Hessen-Kassel bzw. des Kurfürstentums Hessen
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Rotenburg
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Rotenburg
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Nentershausen
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Rotenburg, Fürstlich Rotenburgisches Justizamt
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Rotenburg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Rotenburg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Rotenburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Rotenburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Rotenburg
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Altkreis:

Rotenburg

Gericht:

  • 1822: Fürstlich Rotenburgisches Oberamt Rotenburg
  • 1834: Justizamt Rotenburg I
  • 1837: Justizamt Nentershausen
  • 1867: Amtsgericht Nentershausen
  • 1879: Amtsgericht Nentershausen
  • 1932: Amtsgericht Rotenburg a. d. Fulda
  • 1933: Amtsgericht Rotenburg

Herrschaft:

Obersuhl ist 1322 Zubehör des fuldischen Schlosses bzw. Amtes Wildeck und wird von den Äbten 1364 und 1396 den Trotten verpfändet. 1406 ist das Amt an die Landgrafen verpfändet, die es im Jahr darauf für 4100 Gulden den Trotten veräußern. Für 9000 Gulden veräußert Fulda Schloss und Amt 1413 an die Landgrafen von Hessen, die es ihrerseits auch wieder verpfänden. Es ragt wie ein schmaler Sporn in das Gerstunger Amtsterritorium der Landgrafen von Thüringen und Sachsen-Eisenach hinein. 1444 werden die Boyneburger von den Landgrafen als Amtmänner von Wildeck eingesetzt, die im 15. Jahrhundert in Pfandbesitz bleiben. 1504 ist Obersuhl ein Dorf des Amtes Rotenburg. Im Laufe des 16. Jahrhunderts endet die eigenständige Amtsstruktur und das Amt ebenso wie Obersuhl werden Teil des hessischen Amtes Rotenburg. Mit diesem wird es 1627 Bestandteil der Rotenburger Quart.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform neben anderen Gemeinden als Ortsteil der Gemeinde Wildeck eingegliedert. Obersuhl wurde Sitz der Gemeindeverwaltung.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Pfarrer (1428)
  • Plebanus (1506)
  • Spätgotischer Chorturm, nahezu quadratisches Schiff 1855 neu errichtet
  • Evangelisch-methodistischen Kirche (Auweg 13) 1910 errichtet

Pfarrzugehörigkeit:

1585 gehören Hönebach, Schildhof, Almushof und Wildeck zum Pfarrbezirk, außerdem wird die Pfarrei Richelsdorf von hier aus versehen. Hönebach wird 1835 abgetrennt, die frühere Vikariatsgemeinde 1958 selbständige Pfarrstelle

Patronat:

1585: Hessen

Diakonische Einrichtung:

10.11.1912 eine Schwester, Krankenpflege, Vereinsbetreuung, Gemeindearbeit Sardemann, Geschichte des hessischen Diakonissenhauses zu CasselS. 323-324; Diakoniestation bis 1922 (Landeskirchliches Archiv Kassel, Findbuch G 2.6. Kurhessisches Diakonissenhaus); nach Ritter, Kirchliches Handbuch, S. 318 Diakoniestation noch 1926

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Simon Isbrant ca. 1540

Kirchliche Mittelbehörden:

1506: Erzbistum Mainz, Archidiakonat Dorla, Archipresbyterat Heringen

Kultur

Schulen:

(1780 ) ist ein Schulhaus vorhanden, 1910 Volksschule mit sechs Klassen

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1579 umfasst der Gerichtsstuhl Obersuhl die Dörfer Obersuhl und Hönebach sowie die Höfe Schildhof und Almushof

Mühlen:

1579 ist ein mol underm Dorf gelegen; in der Steuerrektifikation von (1780) heißt es, dass die Mühle 1726 neu erbaut wurde. Im 19. Jahrhundert wurde der Betrieb eingestellt.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Obersuhl, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3120> (Stand: 27.3.2026)