Historisches Ortslexikon
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- KDR 100, TK25 1900 ff.
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- Großherzogtum Hessen 1823-1850 – 9. Lauterbach
Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 75. Breitenbach
Niederjossa
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Ortsteil · 225 m über NN
Gemeinde Niederaula, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
- Siedlung ↑
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Ortstyp:
Dorf
-
Lagebezug:
14,5 km südwestlich von Bad Hersfeld
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Lage und Verkehrslage:
Geschlossenes Dorf mit regelmäßigen Grundrissmerkmalen an der Mündung der Jossa in die Fulda. Kirche auf Anhöhe in zentraler Lage der im Kern rundlichen Siedlung. Jüngere Ausdehnung im Wesentlichen entlang der als B 62 in West-Ost-Richtung durch den Ort verlaufenden Hauptachse (hier als Alsfelder- bzw. Jossastraße). Sie verläuft im Zuge des Nordzweiges der alten Landstraße durch die Kurzen Hessen, die vom Rhein-Main-Gebiet nach Thüringen führte, heute stößt sie im Osten auf die von Nordwesten heranführende A 7 (Kreuz Niederaula). Zudem geht von ihr die L 3140 nach Süden Richtung Schlitz und Fulda ab.
Bahnhof der Eisenbahnlinie Bad Salzschlirf – Niederaula/Niederjossa (Inbetriebnahme der Strecke 10.11.1914) bis zur Stilllegung der Teilstrecke am 15.1.1973.
Endbahnhof der Eisenbahnlinie Niederaula/Niederjossa – Alsfeld (Inbetriebnahme der Strecke 1.4.1915). Auch der hiesige Haltepunkt West lag an dieser Strecke.
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Ersterwähnung:
782
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Siedlungsentwicklung:
1928 erfolgt die Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Niederaula.
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Vorbemerkung Historische Namensformen:
Vgl. auch Oberjossa
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Historische Namensformen:
- Iazaho, in (775-786) [Kopialbuch 12. Jh. Urkundenbuch der Reichsabtei Hersfeld 1,1, S. 68-74 Nr. 38 (1), hier S. 72; Breviarium sancti Lulli, S. 17]
- Geazaha (782) [Gewässerbezeichnung Urkundenbuch der Reichsabtei Hersfeld 1,1, S. 29-31, Nr. 17]
- Nyderyassa (1361) [HStAM Best. K Nr. 248, fol. 13]
- Iassa, zcu (1440) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 966]
- Niddern Jasse, zcu (1459) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 1070]
- Niddernjassa (1505) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 1300]
- Jassa (1560) [HStAM Best. 104 Nr. 411]
- Niedern Ioss (1595) [HStAM Bestand Karten P II Nr. 17117]
- Nieder Joßa, zu (1603) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 2000]
- Niedernjoßa (1620) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 2096]
- Nidern Gossa (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 16,1]
- Nieder Josse (1747) [Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105]
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Bezeichnung der Siedlung:
- Dorf (1505)
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Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:
- Erlingsberg
- Glauburg
- Glauburg (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
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Umlegung der Flur:
1921, 1949
-
Älteste Gemarkungskarte:
1751-52
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Koordinaten:
Gauß-Krüger: 3540107, 5626731
UTM: 32 U 540017 5624920
WGS84: 50.774657° N, 9.567543° O OpenLayers - Statistik ↑
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Ortskennziffer:
632015070
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Frühere Ortskennziffer:
63201507002
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Flächennutzungsstatistik:
- 1885 (Hektar): 633, davon 378 Acker (= 59.72 %), 172 Wiesen (= 27.17 %), 24 Holzungen (= 3.79 %)
- 1961 (Hektar): 661, davon 40 Wald (= 6.05 %)
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Einwohnerstatistik:
- um 1610: 52 Hausgesesse
- 1628: 52 Hausgesesse
- 1673: 36 Hausgesesse
- 1747: 53 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
- 1766: 58 steuerpflichtige Häuser mit 346 Menschen; Gewerbetreibende: 1 Wirt, 2 Müller, 3 Schmiede, 2 Schreiner, 1 Krämer und Gernhändler, 11 Leineweber, 1 Zimmermeister, 1 Schumacher, 6 Schäfer, 1 Tagelöhner, 5 einzelne Weibspersonen, die übrigen nähren sich lediglich vom Ackerbau und ihrem Geschirr
- 1885: 478, davon 475 evangelisch (= 99.37 %), 0 katholisch, 3 Juden (= 0.63 %)
- 1961: 739, davon 623 evangelisch (= 84.30 %), 101 katholisch (= 13.67 %)
- 1970: 731
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Diagramme:

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. - Verfassung ↑
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Verwaltungsbezirk:
- 1434: Reichsabtei Hersfeld, Amt und Gericht Niederaula, Lehen der von Schlitz genannt von Görtz
- 1651: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula (Adelsdorf von Görtz)
- 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula (Adelsdorf von Görtz)
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula (Graf von Schlitz, genannt von Görtz)
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Breitenbach
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula (zuletzt Landgericht Hersfeld)
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
- 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
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Altkreis:
Hersfeld
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Gericht:
- vor 1822: Amt Niederaula
- 1822: Landgericht Hersfeld
- 1832: Justizamt Niederaula
- 1867: Amtsgericht Niederaula
- 1879: Amtsgericht Niederaula
- 1932: Amtsgericht Bad Hersfeld
- 1933: Amtsgericht Oberaula (Zweigstelle Niederaula)
- 1943: Amtsgericht Oberaula
- 1945: Amtsgericht Bad Hersfeld
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Herrschaft:
Niederjosssa ist zunächst Hersfelder, mit dem endgültigen Übergang der Abtei an die Landgrafschaft Hessen 1651, Hessisches Lehen der von Schlitz genannt von Görtz.
Bereits 1440 und 1459 lassen sich die Herren von Schlitz in Niederjossa als Lehnsmannen von Hersfeld nachweisen. Die Güter gehören zum Burglehen Hattenbach. 1505 belehnt Abt Volpert mit Zustimmung des Konvents von Hersfeld Stam von Schlitz als ältesten der Familie von Schlitz für sich und seine Verwandten mit dem Dorf Niederjossa.
1766 hat der Landgraf von Hessen die hohe, die Grafen von Görtz zu Schlitz haben die niedere Gerichtsbarkeit inne.
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Gemeindeentwicklung:
Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil der Gemeinde Niederaula eingegliedert.
- Besitz ↑
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Grundherrschaft und Grundbesitzer:
- Ab 782: Kloster Hersfeld
- Nach dem Breviarium sancti Lulli umfaßte die Schenkung Karls des Großen in Niederjossa 3 Hufen und 4 Mansen.
- Kirche und Religion ↑
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Ortskirchen:
- Eine Augenscheinkarte zu den Grenzstreitigkeiten zwischen v. Dörnberg und v. Görtz bei Ober- und Niederjossa lässt bereits 1595 eine Kirche mit Turm und Schiff erkennen. Einer Inschrift zufolge wird das Schiff 1727 an einen um 1500 entstandenen Turm angeschlossen.
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Pfarrzugehörigkeit:
1560, 1766 und 1872 Filialort von Niederaula. 1984 entsteht durch Verlegung der Pfarrstelle Niederaula II ein eigenes Kirchspiel Niederaula-Niederjossa mit den Filialen Hattenbach und Mengshausen
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Patronat:
1766 haben die Landgrafen von Hessen das Patronatsrechte inne
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Bekenntniswechsel:
Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.
- Kultur ↑
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Schulen:
1766 ist ein Schulhaus mit Schulmeister vorhanden
1910 Volksschule mit zwei Klassen
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Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):
- Wirtschaft ↑
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Mühlen:
Die bereits 1518 erwähnte Obermühle (HStAD Best. B 8 Nr. 9/100) und die Untermühle, beide mit dem Wasser der Jossa betrieben, befanden sich am Südwestrand von Niederjossa. Sie wurden beide 1766 über Wasserräder mit unterschächtigem Mahl- und Schlaggang betrieben, im 20. Jahrhundert über mittelschlächtige Wasserräder. Die Untermühle stellte ihren Betrieb bereits 1958, die Obermühle spätestens 1969 ein.
- Nachweise ↑
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Literatur:
- T. Classen, Niederaula von der karolingischen Schenkung bis zur Großgemeinde, S. 223-244
- Denkmaltopographie Landkreis Hersfeld-Rotenburg 2, S. 705-710
- Scholz, Wasser- und Windmühlen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, S. 139
- Ziegler, Reichsabtei Hersfeld, S. 316 (Register)
- Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 263
- Zitierweise ↑
- „Niederjossa, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3089> (Stand: 23.2.2026)

