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Historisches Ortslexikon

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4625 Witzenhausen
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KDR 100, TK25 1900 ff.
Gerichtsstätten
Gerichtsplatz in Neuseesen

Weitere Informationen

Neuseesen

Stadtteil · 205 m über NN
Gemeinde Witzenhausen, Werra-Meißner-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

4 km östlich von Witzenhausen gelegen

Lage und Verkehrslage:

Langgestrecktes Straßendorf am Westrand des Eichsfelds, östlich eines flachen Talgrundes am Siesterbach, unmittelbar an der heutigen Landesgrenze zum Freistaat Thüringen. Kirche in zentraler Lage an der parallel zum Bach durch den Ort in N-S-Richtung führenden L 3469 (Hansteinstraße).

Ersterwähnung:

1318

Siedlungsentwicklung:

1839: Fund einer vorgeschichtlichen Begräbnisstätte (Urnen und Leichenbrand). Unsicher, ob slawische (wendische) Kolonie („Neuer Sitz“), da kein Rundling.

Das Dorf lag von 1945-1990 an der innerdeutschen Grenze abseits der Durchgangsstraßen und war somit von der Teilung in besonderem Maße betroffen.

Vorbemerkung Historische Namensformen:

Von Neuseesen zu unterscheiden sind die beiden Wüsten Orte Ober- und Unter-Neusesen südöstlich der Landgemeinde Uder im Landkreis Eichsfeld; vgl. hierzu Wintzingeroda-Knorr, Wüstungen, S. 704-709, Nr. 347

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • Dorf (1341)

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3564058, 5690209
UTM: 32 U 563959 5688372
WGS84: 51.343028° N, 9.918284° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

636016110

Flächennutzungsstatistik:

  • 1318: 9 Mansen genannt
  • 1885 (Hektar): 196, davon 159 Ackerland (= 81,1 %), 3 Wiesen (= 1,53 %), 6 Holzungen (= 3,1 %)
  • 1961 (Hektar): 218, davon 58 Wald (= 26.61 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1885: 108, davon 100 evangelisch (= 92,6 %), 8 katholisch (= 7,41 %)
  • 1961: 124, davon 96 evangelisch (= 77.42 %), 28 katholisch (= 22.58 %)
  • 1970: 103 Einwohner

Diagramme:

Neuseesen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1318: Erzstift Mainz, Amt Rusteberg
  • 1341: Erzstift Mainz, Vogteibezirk Heiligenstadt
  • 1574: Kurfürstentum Mainz, Adliges Gericht Hanstein (als Lehen der Kurfürsten von Mainz)
  • 1744: Kurfürstentum Mainz, Adliges Gericht Hanstein
  • 1803-1807: Königreich Preußen, Fürstentum Eichsfeld, Oberkreis (Bezirk Heiligenstadt)
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement des Harzes, Distrikt Heiligenstadt, Kanton Gerbershausen
  • 1815: Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Heiligenstadt
  • 1945: Groß-Hessen (sowjetische Besatzungszone), Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Eichsfeld (8. August)
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen (17. September, Wanfrieder Abkommen; vgl. Gemeindeentwicklung)
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis:

Witzenhausen

Gericht:

  • Bis 1849 Zubehör des Gesamtgerichs von Hanstein
  • 1945: Amtsgericht Witzenhausen

Herrschaft:

Der Erzbischof von Mainz und die von Rusteberg empfangen 1318 Zinsen zu Neuseesen.

1341: Die Gebrüder von Geisleden verkaufen dem Erzbischof von Mainz unter anderem Dorf Neuseesen.

1349: Der Vormund des Mainzer Domstiftes, Dompropst Kuno von Falkenstein, verpfändet mit Zustimmung Erzbischofs Heinrich von Mainz den Gebrüdern von Hanstein unter anderem Neuseesen.

1374: Erzbischof Adolf von Mainz vergleicht sich mit den von Hanstein, denen unter anderem Neuseesen verpfändet ist.

1376 ist Neuseesen im Besitz Thilos von Hanstein. 1535 kündigt Erzbischof Albrecht den von Hanstein die Verpfändung. 1574 erlangen die von Hanstein eine erneute Belehnung durch den Kurfürsten, die sich auf das Schloss und nicht näher spezifizierte Besitzungen bezog, zu denen Neuseesen zu zählen ist. Bis 1849 ist der Ort Zubehör des Gesamtgerichts von Hanstein.

Gemeindeentwicklung:

Wegen der Eisenbahnlinie werden im Wanfrieder Abkommen 1945 Werleshausen und Neuseesen dem Kreis Witzenhausen in der amerikanische Besatzungszone angegliedert.

Am 31.12.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingemeindung in die Stadtgemeinde Witzenhausen, deren Stadtteil Neuseesen wurde.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • cappellanus (1362)
  • Kirche spätmittelalterlich (bez. 1556), 1. Hälfte 19. Jahrhundert erweitert

Pfarrzugehörigkeit:

Ursprüchlich kirchlich zu Kirchgandern.

Werleshausen und Neuseesen gehörten früher zur Kirchenprovinz Sachsen und wurden ab 1945 vorläufig von der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck verwaltet. 1974 wurden sie vertraglich im Tausch gegen die Kirchengemeinden Asbach, Weidenbach und Vatterode als Filialgemeinden dem Kirchspiel Werleshausen eingegliedert.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation vermutlich Mitte des 16. Jahrhunderts.

Kirchliche Mittelbehörden:

1945: Filiale von Werleshausen

Wirtschaft

Mühlen:

Mühle

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Neuseesen, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/6529> (Stand: 24.1.2025)