Hessen im 19. und 20. Jahrhundert

Moritz Daniel Oppenheim – „der erste jüdische Maler“, 1833
Moritz Daniel Oppenheim (1800-1882) wurde in Hanau geboren und wuchs im dortigen jüdischen Ghetto auf. Er profitierte während seiner Schulzeit von der nach französischem Vorbild eingeführten weitgehenden Gleichberechtigung der jüdischen Bevölkerung und konnte die Hohe Landesschule und die Staatliche Zeichenakademie in Hanau besuchen. Er war zudem der erste jüdische Schüler am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt. Nach Studienjahren in München, Paris und Rom ließ sich Oppenheim in Frankfurt nieder, wo er 1851 das Bürgerrecht erhielt. Oppenheim war der erste jüdische Maler, der eine akademische Ausbildung erhielt. Er verband die Darstellungen von Themen aus dem jüdischen Leben mit einer Bildsprache, die von der zeitgenössischen Kunst seiner christlichen Umgebung geprägt war. Sein Wirken beschränkte sich nicht mehr nur auf seinen jüdischen Umkreis, sondern fand auch bei den christlichen Zeitgenossen Anerkennung. 1866 erschien in Frankfurt der Bilderzyklus Bilder aus dem altjüdischen Familienleben.
Zu den bekanntesten Werken Oppenheims zählt die 1833/34 entstandene „Heimkehr des Freiwilligen aus den Befreiungskriegen zu den nach alter Sitte lebenden Seinen“. Das Gemälde entstand als Auftragswerk einer Gruppe badischer Juden, die es als Geschenk für den jüdischen Juristen Gabriel Riesser (1806-1863) vorgesehen hatten. Sie wollten damit ihren Dank für dessen Einsatz für die Gleichberechtigung der Juden ausdrücken. Dargestellt ist die Rückkehr des Sohnes, der an den Befreiungskriegen gegen die napoleonische Herrschaft teilgenommen hatte, in sein orthodoxes Elternhaus.
Nachdem Juden jahrhundertelang vom Militär ausgeschlossen waren, konnten sie erstmals 1812 in Preußen in den Militärdienst treten. Zahlreiche jüdische Freiwillige hatten sich gemeldet, um gegen die napoleonische Besatzung zu kämpfen, obwohl sie ihre Gleichberechtigung vor allem dem napoleonischen Einfluss zu verdanken hatten. Dieser deutsche Patriotismus wird in Oppenheims Bild dadurch deutlich, dass ein Bild Friedrichs des Großen an der Wand hängt. Der junge Soldat scheint am Sabbat, an dem das Reisen eigentlich verboten ist, zurückgekehrt zu sein – die aufgeschlagene Thora auf dem Tisch, der Kelch mit Wein und die Challa, der traditionell am Sabbat gegessene Hefezopf, weisen darauf hin. Oppenheim zeigt, dass trotz der bestehenden Unterschiede auch die Juden die vollen staatsbürgerlichen Pflichten wahrnehmen können.
(StF)
- Belege
- Paul Arnsberg, Die Geschichte der Frankfurter Juden seit der Französischen Revolution, Bd. 3, Biographisches Lexikon, Darmstadt 1983, S. 330-335
- Erik Riedel, Moritz Daniel Oppenheim – ein jüdischer Maler der Emanzipationszeit, in: Napoleon und die Romantik – Impulse und Wirkungen, Marburg 2016, S. 83-98
- Weiterführende Informationen
- [Moritz Daniel Oppenheim, Die Heimkehr des Freiwilligen aus den Befreiungskriegen zu den nach alter Sitte lebenden Seinen, Öl auf Leinwand, 1833/34]
- Webseite: Jewish Museum (eingesehen am 18.7.2023)
- Empfohlene Zitierweise
- „Moritz Daniel Oppenheim – „der erste jüdische Maler“, 1833“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edbx/id/7255> (Stand: 9.9.2024)
- Ereignisse im Dezember 1832 | Januar 1833 | März 1833
-
Di. Mi. Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi. Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi. Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi. Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi. Do. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31
