Hessen im 19. und 20. Jahrhundert

FDP-Landtagsabgeordneter fordert Verbrennung der Entnazifizierungsakten, 21. August 1962
Der FDP-Landtagsabgeordnete Dr. Ludwig Schneider (1893–1977) aus Kassel fordert in einer Kleinen Anfrage an die Hessische Landesregierung, alle Entnazifizierungsakten, „soweit sie nicht strafrechtliche Vergehen oder Verbrechen zum Inhalt haben“, zu vernichten. Die Akten hätten nach seiner Ansicht „längst eingestampft oder als Makulatur verkauft werden sollen“. Wenn sich kein Käufer für die Makulatur fände, so Schneider, solle die Regierung die Akten öffentlich verbrennen, um damit zu bekunden, daß die Entnazifizierungsära beendet sei.
Anmerkung:
Der Jurist Dr. Ludwig Schneider, 1930 Oberbürgermeister der Stadt Lüdenscheid, trat am 1. Mai 1933 in die NSDAP ein. 1948 wurde er Verwaltungsrichter, 1952–1964 ehrenamtlicher Stadtrat und Stadtverordneter in Kassel. 1954–1966 gehörte er als Abgeordneter der FDP-Fraktion dem Hessischen Landtag an.
(OV)
- Belege
- Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.8.1962, S. 3
- Sabine Schneider, Belastete Demokraten. Hessische Landtagsabgeordnete der Nachkriegszeit zwischen Nationalsozialismus und Liberalisierung, Marburg 2019, S. 120-128, 515 f. und öfter
- Kirschner, Abschlussbericht der Arbeitsgruppe zur Vorstudie „NS-Vergangenheit ehemaliger hessischer Landtagsabgeordneter“ der Kommission des Hessischen Landtags für das Forschungsvorhaben „Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen“, Wiesbaden 2013, Kapitel 5.1.1
- Klausch, Braunes Erbe – NS-Vergangenheit hessischer Landtagsabgeordneter der 1.–11. Wahlperiode (1946–1987), hrsg. von der Fraktion Die Linke im Hessischen Landtag, Oldenburg/Wiesbaden 2011, S. 12
- Empfohlene Zitierweise
- „FDP-Landtagsabgeordneter fordert Verbrennung der Entnazifizierungsakten, 21. August 1962“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edbx/id/3752> (Stand: 21.8.2024)
