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Hessen im 19. und 20. Jahrhundert

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RAF-Sympathisanten stürmen das Frankfurter Schauspielhaus, 21. März 1981

In der Pause von Goethes „Iphigenie auf Tauris“ stürmen RAF-Sympathisanten das Frankfurter Schauspielhaus und erklären ihre Solidarität mit dem Hungerstreik der inhaftierten RAF-Mitglieder.

Dreißig bis vierzig mit Transparenten ausgestattete Personen erstürmen die Schauspielbühne, wo sie eine Erklärung zum „Hungerstreik einsitzender Häftlinge“ verlesen. Nach Ende der Theatervorstellung versuchen sie, mit den Besucher*innen ins Gespräch zu kommen und verbleiben trotz mehrmaliger Aufforderungen im Foyer des Schauspielhauses. Nach Mitternacht stellt Stadtrat Wolfram Brück (1937–2016, CDU) für die Stadt einen mündlichen Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs. Gegen 2.40 Uhr teilen Oberbürgermeister Walter Wallmann (1932–2013, CDU) und Kulturdezernent Hilmar Hoffmann (1925–2018) mit, es hätten „Erkenntnisse vorgelegen, wonach die Besetzung fortgesetzt und zu einer größeren Aktion ausgeweitet werden solle“. Anschließend räumt die Polizei die Besetzung des Schauspielhauses, nachdem die Demonstrant*innen ihren Aufforderungen nicht gefolgt sind, das Foyer freiwillig zu verlassen. Die Besetzer*innen leisten bis auf eine Person lediglich passiven Widerstand und werden auf das Polizeipräsidium gebracht. Dort werden sie nach Feststellung ihrer Personalien um etwa 5:30 Uhr wieder auf freien Fuß gelassen.1

Den städtischen Behörden wird anschließend von den Ensemblemitgliedern des Frankfurter Schauspiels vorgeworfen, der Theaterleitung das Hausrecht entzogen zu haben, außerdem sei die Polizei mit unverhältnismäßiger Gewalt vorgegangen.2

In einer daraufhin von Hoffmann einberufenen Vollversammlung des Theaterensembles am 24. März wird Direktor Johannes Schaaf scharf für sein Verhalten während der Besetzung kritisiert. Ihm wird vorgehalten, den Polizeieinsatz wissentlich nicht verhindert zu haben. Das Ensemble solidarisiert sich außerdem mit den Besetzer*innen und dem von ihnen verlesenen Text, der eine Verbesserung der Haftbedingungen der im Hungerstreik stehenden RAF-Mitglieder fordert. Schaaf gibt darauf hin seinen vorläufigen Rücktritt bis zur Premiere von Tschechows „Kirschgarten“ am 4. April bekannt. Kulturdezernent Hoffmann will bis dahin „die verworrene Lage am Schauspielhaus geklärt und die Frage der Leitung geregelt haben.3
(OV/NT)


  1. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.3.1981, S. 29: Bühne im Namen der RAF besetzt.
  2. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.3.1981, S. 29: Bühne im Namen der RAF besetzt.
  3. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.3.1981, S. 37: Schauspieldirektor tritt zurück.
Belege
Weiterführende Informationen
Empfohlene Zitierweise
„RAF-Sympathisanten stürmen das Frankfurter Schauspielhaus, 21. März 1981“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edbx/id/1441> (Stand: 16.8.2024)
Ereignisse im Februar 1981 | März 1981 | April 1981
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