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Hessen im 19. und 20. Jahrhundert

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Zahlreiche Korruptionsfälle und Unterschlagungen durch NSDAP-Funktionäre, Januar 1935

Der Exilvorstand der SPD gibt in seinen Deutschland-Berichten eine Zusammenstellung zahlreicher Fälle von Unterschlagung, Korruption und Untreue durch NSDAP- und SA-Funktionäre aus dem ganzen Reich. Aus Hanau wird zum Beispiel berichtet, dass der Obersturmführer Otto Sussmann von der Großen Strafkammer in Hanau wegen schwerer Untreue und Unterschlagung, vor allem von Aufnahmegebühren der SA, zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust bestraft wurde. Unter den in anderer Regionen Beschuldigten oder bereits Verurteilten sind NSDAP-Kreisleiter, Jungvolkführer, SA-Obertruppführer, Ortsgruppenleiter und Standartenführer.

Zahlreiche ähnliche Fälle gibt es bei der NS-Volkswohlfahrt und der Winterhilfe. So wurde der Geschäftsführer der NSV in Wiesbaden, Peter Knopp, wegen Betrugs in zehn Fällen zu Lasten des Winterhilfswerks zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, ein Mitangeklagter erhielt vier Monate Gefängnis. Wegen Unterschlagung von NSV-Geldern und Veruntreuungen bei der Kreiskommunalkasse Kassel-Land wurde der Kassenwalter Heinrich Mössinger zu viereinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt.

Vergleichbares wird auch aus den NS-Organisationen NSBO, Deutsche Arbeitsfront und „Kraft durch Freude“ berichtet: In Kassel wurden der Ortsgruppenleiter Karl Hopfeld und der Blockwart Karl Grebe wegen der Unterschlagung von Arbeitsfrontgeldern zu acht Monaten Gefängnis bzw. anderthalb Jahren Zuchthaus verurteilt, während in Marburg der DAF-Blockwart Christian Freiling in Haft genommen wurde, weil er Beitragsgelder unterschlagen hatte.

Schließlich wird aus Offenbach berichtet, dort habe die Partei bereits den 8. Kreisleiter. Sämtliche Funktionäre stünden auf der Abbauliste. Der stellvertretende Polizeidirektor Jäger habe der Offenbacher Einwohnerschaft während seiner Untersuchungshaft ein besonderes Vergnügen bereitet, indem er jeden Abend auf das Fenster seiner Zelle geklettert und mit Stentorstimme1 gerufen habe: „Wann kommen die anderen Lumpen ?“
(OV)


  1. Stentor ist eine Gestalt aus den griechischen Mythologie. Im Trojanischen Krieg habe er mit seiner Stimme so laut rufen können wie 50 andere Männer.
Belege
Empfohlene Zitierweise
„Zahlreiche Korruptionsfälle und Unterschlagungen durch NSDAP-Funktionäre, Januar 1935“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edbx/id/4829> (Stand: 13.12.2024)
Ereignisse im Dezember 1934 | Januar 1935 | Februar 1935
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