Hessen im 19. und 20. Jahrhundert

Großdeutscher Tag des „Stahlhelms“ in Frankfurt, 9.-10. Mai 1925
Die rechte Organisation Stahlhelm veranstaltet in Frankfurt am Main den Großdeutschen Tag mit einer Gedächtnisfeier für die „entrissenen Gebiet, besonders Elsaß-Lothringen“ und eine schwarz-weiß-rote Bannerweihe der Stahlhelm-Ortsgruppe Straßburg mit Sitz in Frankfurt. Mitveranstalter des Treffens sind der Jungdeutsche Orden und der Bund Oberland. Die Zusammenkunft gibt auch erstmals wieder Nationalsozialisten in Hessen Gelegenheit, sich in einer geschlossenen Formation in der Öffentlichkeit zu präsentieren, nachdem das Parteiverbot im Februar 1925 aufgehoben und die NSDAP am 27. Februar in München neu gegründet worden ist. Unter den etwa 6.000 Teilnehmern des Festzugs marschiert an dessen Ende ein kleiner Trupp uniformierter Hitler-Anhänger, die sich wenige Tage zuvor bei der Hindenburgwahl am 26. April in der Frankfurter Innenstadt noch gewaltsame Auseinandersetzungen mit Reichsbannerleuten geliefert hatten. Der Völkische Beobachter kommentiert den Aufmarsch der kleinen Gruppe1 mit dem Ausspruch: „Wenn wir auch heute noch wenige sind, werden wir aber weiter kämpfen bis zum siegenden Bewußtsein, daß immer wenige es sein werden, die die hohe Idee des Nationalsozialismus erfassen werden.“2
Im Juni verhaftet die französische Sicherheitspolizei mehrere „junge Leute“ aus Wiesbaden und beschuldigt sie unter anderem, Organisationen wie dem Stahlhelm oder Wehrwolf anzugehören, die in den besetzten Gebieten verboten waren, und am Stahlhelmtag teilgenommen zu haben.
(OV/KU/StF)
- Die NSDAP besitzt zu diesem Zeitpunkt in Frankfurt nicht mehr als etwa 20 bis 30 Anhänger, vgl. Schön, Eberhart: Die Entstehung des Nationalsozialismus in Hessen (Mannheimer sozialwissenschaftliche Studien 7), Meisenheim am Glan 1972, S. 78. ↑
- Völkischer Beobachter (1925) Nr. 43 vom 17./18. Mai 1925, zitiert nach Schön, Eberhart: Die Entstehung des Nationalsozialismus in Hessen (Mannheimer sozialwissenschaftliche Studien 7), Meisenheim am Glan 1972, S. 78. ↑
- Belege
- Schön, Die Entstehung des Nationalsozialismus in Hessen, Meisenheim am Glan 1972, S. 77 f.
- Chronik deutscher Zeitgeschichte 1, S. 253.
- Weiterführende Informationen
- „Der Stahlhelm inkognito.“, Frankfurter Zeitung Nr. 338 vom 7.5.1925, Abendblatt, S. 2 (eingesehen am 17.4.2026)
- „Ein Stahlhelmtag in Frankfurt.“, Frankfurter Zeitung Nr. 347 vom 11.5.1925, Morgenblatt, S. 2 (eingesehen am 17.4.2026)
- „Stahlhelmtag in Frankfurt a. M.“, Völkischer Beobachter Nr. 38 vom 12.5.1925, S. 1 (eingesehen am 20.4.2026)
- „Betrifft: Verhaftung von jungen Leuten durch die Besatzungsbehörde.“, in: HHStAW, 405, 5497, fol. 15f. (eingesehen am 21.4.2026)
- „Der Gymnasiast Gottfried Holländer…“, in: HHStAW, 405, 5497, fol. 39-40 (eingesehen am 21.4.2026)
- „Aus dem besetzten Gebiet.“, Frankfurter Zeitung Nr. 635 vom 27.8.1925, Erstes Morgenblatt, S. 2 (eingesehen an 8.4.2026)
- „Der Stahlhelm.“, Frankfurter Zeitung Nr. 345 vom 10.5.1925, Erstes Morgenblatt, S. 1-2 (eingesehen am 22.4.2026)
- Wikipedia: Freikorps Oberland (eingesehen am 8.4.206)
- Empfohlene Zitierweise
- „Großdeutscher Tag des „Stahlhelms“ in Frankfurt, 9.-10. Mai 1925“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edbx/id/1951> (Stand: 23.4.2026)
