Hessen im 19. und 20. Jahrhundert

Öffentlicher Auftrag für kriselnde Henschelfabrik und späterer Aufschwung, 1876
Die in Kassel ansässige Maschinenfabrik Henschel hatte in den letzten Jahren mit einer schwächelnden Auftragslage zu kämpfen, sodass rund 1.000 Arbeiter entlassen werden mussten. Auch im Jahr 1876 war die wirtschaftliche Lage weiterhin schwierig, sodass weitere Entlassungen von 300 Arbeitern und 42 Beamte drohten. Um diese Entlassungen zu vermeiden, werden sechs bereits bestelle Maschinen für die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn auf besonderen Nachdruck des Ministers für Handel und Gewerbe vorgezogen, um so das Werk auszulasten und sozialen Verwerfungen in der Stadt zuvor zu kommen.
Allerdings zeigt sich, dass dieser Auftrag dem Unternehmen nur wenig hilft, da keine weiteren Aufträge in Sicht sind und daher die tägliche Arbeitszeit in der Fabrik auf sieben Stunden herabgesetzt wird.
Erst im Laufe des Jahres 1877 entpannt sich die Lage ein wenig. Die zunehmende Ersetzung der üblichen Pferdebahnlinien durch Straßenbahnen führt zu volleren Auftragsbüchern. So erhält Henschel Bestellungen u. a. auch aus Madrid und Mailand.
Eine volle Auslastung hat Henschel erst wieder im Sommer 1881, was zur Einstellung von 500 Arbeitern führt. Aufträge für Straßenlokomotiven aus dem Ausland sind der Motor des Aufschwungs.
(MB)
- Belege
- Klein, Die Zeitungsberichte des Regierungspräsidenten in Kassel an seine Majestät 1867–1918, Bd. 1: 1867–1890, Darmstadt 1993, S. 119f, 127, 149, 227, 232
- Empfohlene Zitierweise
- „Öffentlicher Auftrag für kriselnde Henschelfabrik und späterer Aufschwung, 1876“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edbx/id/7834> (Stand: 30.10.2026)
- Ereignisse im Dezember 1875 | Januar 1876 | März 1876
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