Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen
Bitte beachten Sie: LAGIS hat eine neue Adresse: lagis.hessen.de. Für eine Übergangszeit stehen Ihnen ausgewählte Module über die bekannte Oberfläche zur Verfügung. Alle anderen sind über die neue Version des Informationssystems zugänglich. Bestehende Permalinks behalten ihre Gültigkeit und leiten bereits jetzt oder nach Abschluss aller Migrationsarbeiten automatisch auf das neue System um.

Hessen im 19. und 20. Jahrhundert

Gehe zu Treffer
 

Tätigkeit von Juden in Landwirtschaft und Handwerk, 1802-1832

Die jüdische Bevölkerung war über Jahrhunderte hinweg starken wirtschaftlichen Beschränkungen ausgesetzt. Nur wenige Juden arbeiteten im Handwerk, da sie von den Zünften ausgeschlossen waren. Auch in der Landwirtschaft waren sie kaum tätig, weil Landbesitz in vielen Gegenden verboten war. Zu den Haupterwerbszweigen zählten der Handel und das Kreditwesen. Der Trödel- und Hausierhandel war gerade für die armen Juden auf dem Land oftmals die einzige Verdienstmöglichkeit, aber auch dieser wurde teilweise eingeschränkt.

Mit der beginnenden Emanzipation waren die Regierungen bestrebt, die Juden vermehrt vom Handel abzubringen und „bürgerliche“ Berufe wie Handwerk und Landwirtschaft attraktiver zu machen. Hintergrund war ein erzieherischer Gedanke, da Handwerk und Landwirtschaft als die Säulen des Staates angesehen wurden und die Juden „gebessert“ würden, wenn sie diese Tätigkeiten vermehrt ausführten.

Um dieses Vorhaben umzusetzen, gab es neben staatlichen Maßnahmen auch jüdische Initiativen, die die Förderung dieser Berufszweige zum Ziel hatten. So gründete bereits 1802 der Arzt Lucius Liffmann (1772–1803) die Gesellschaft für Humanität in Kassel. 1823 und 1832 folgten Vereinsgründungen in Frankfurt und im Großherzogtum Hessen. Sie traten für die „sittliche und bürgerliche Verbesserung“ der Juden ein.

Trotz dieser Bemühungen blieb die große Mehrheit der Juden im Handel tätig. Obwohl im Laufe des 19. Jahrhunderts immer mehr Beschränkungen aufgehoben– nach den kurzen Phasen der Gleichberechtigung im Königreich Westphalen und im Zuge der Revolution von 1848 allerdings auch wieder zurückgenommen wurden – fielen sämtliche berufliche Einschränkungen für Juden im Kurfürstentum Hessen erst nach der preußischen Annexion im Juni 1869.
(StF)

Belege
Empfohlene Zitierweise
„Tätigkeit von Juden in Landwirtschaft und Handwerk, 1802-1832“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edbx/id/7259> (Stand: 16.4.2025)
Ereignisse im Dezember 1801 | Januar 1802 | März 1802
Fr.Sa.So.Mo.Di.Mi.Do.Fr.Sa.So.Mo.Di.Mi.Do.Fr.Sa.So.Mo.Di.Mi.Do.Fr.Sa.So.Mo.Di.Mi.Do.Fr.Sa.So.
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31