Die Beune oder Beunde, ahd. biunta st.f. (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 1154), mhd. biunte, biunde, biunt st.sw.f. (Lexer 1, 289), ist als Wort unklarer Herkunft; vermutlich ist es aus *bi-(w)unda ‚um was sich der Zaun herumwindet‘ (Bach 2 § 57; Dittmaier 27; Weigand/Hirt 1, 226; Kluge/Mitzka 72; anders DWB 1 [I], 1747f.) entstanden. Es bezeichnet ursprünglich aus der Allmende herausgenommenes, gehegtes Sonderland, das vornehmlich dem Anbau von Sonderkulturen wie Flachs, Rüben u.ä. vorbehalten war (Bader 3, 97-104), und war insofern bedeutungsgleich mit Bitze (→ Karte 11) (Ramge 1985a, 681-686).
Während das Wort vor allem in einigen oberdt. Dialekten noch erhalten ist, ist es in Hessen heute nur in FlN bekannt. Sie beziehen sich auf „geschlossenes Ackerland“ (Crecelius 156) und auf Grundstücke, die meist in Ortsnähe auf gutem Boden liegen (KehreinWb 75; vgl. noch v. Pfister 18f.; SHessWb 1, 756). Vilmar 37f. weist vor allem auf die verschiedenen dialektalen Varianten des FlNs hin: Neben den diphthongierten Standardformen Beun(d)e und - entrundet - Bein(e) begegnen Kurzformen mit postvokalischem /-n(e)/-Ausfall (/boi‚ bai/), die manchmal sekundär monophthongiert sind (/ba:/). Der diphthongierten Standardform entspricht im hessischen Monophthonggebiet langvokalisches /bi:ne/ u. ä. Daneben muß früh eine kurzvokalische Nebenform *binde bestanden haben, die teils zu Binde und - gesenkt - Bende führte, meist aber durch Assimilation des /-nd-/ > /n/ die Formen Binn und Benn ergab, bzw. im nordosthessischen Gutturalisierungsgebiet (Wiesinger K. 19), wo /-nd/ > /ŋ/ wurde, Binge, Benge. Nicht selten tritt ein kollektiviertes oder intensiviertes Gebeune u.ä. auf.
Vor allem verschiedene dialektale Varianten machen die zuverlässige Ein- und Ausgrenzung der Beune-Namen schwierig.
1. Bei den /boin(e)/-Belegen ist eine Vermengung mit mittelhess. Beune ‚Backtisch‘ (Crecelius 156) ziemlich unwahrscheinlich.
2. Die /bain/-Formen sind von den mit Bein gebildeten FlN meist leicht durch Genus und Kombinationstyp (z. B. Hosenbein) zu trennen.
3. Die Formen mit /-n(e)/-Ausfall /boi, bai/ fallen phonologisch oft mit dem Plural von Bau zusammen. Ausgesondert wurden hier die Kombinationstypen, die auf tierische Bauten hinweisen (Fuchsbäu(e)‚ Dachsbau u. ä.).
4. Gleiches gilt für die langvokalischen Monophthongformen /bi:ne/, amtlich auch (Bühne), die mit dialektal Bühne ‚Oberboden, Zimmerdecke‘ u.ä. (Crecelius 220f.) zusammenfallen. Auch hier wurde nach dem Kombinationstyp entschieden.
5. Bei Binde als BT ist kaum sicher zu entscheiden, ob der Name zu Beune oder zu binden (z. B. Bindweiden) gehört. Hier wurden die Namen ausgesondert, deren Kombinationstyp mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Zugehörigkeit zu binden verweist. Der FlN Bende ,gebannte Heuwiese‘ (Dittmaier 23) ist in Hessen nicht nachzuweisen.
6. Am unsichersten ist die in Nordhessen verbreitete Variante Binge, Benge, weil sie im Gutturalisierungsgebiet mit Binge ‚Vertiefung, Graben‘ (Dittmaier 29) zusammenfällt. Eine versuchsweise bearbeitete Binge-Karte zeigt diffuses Streuvorkommen südlich des Gutturalisierungsgebiets und Häufungen im Raum Kassel-Melsungen-Homberg. Da in Nordhessen nur in diesem Raum auch Binde-Belege gehäuft auftreten (vgl. die vorläufige Karte in Ramge 1985, 683), ist es wahrscheinlich, daß auch die nordhessischen Binge-‚ Benge-Belege weit überwiegend zu Beune gehören. Da es kein sprachliches Kriterium gibt, die beiden Bedeutungen in Namen auseinanderzuhalten, wurden alle Binge-‚ Benge- Belege im Gutturalisierungsgebiet in die Karte aufgenommen, obwohl darunter vermutlich auch einige echte Bingen sind.
7. /bi:(n)/ kann im Einzelfall mit Biene oder Biegen (→ Karte 97) vermengt sein.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 15