Hessischer Flurnamenatlas [Fenster schließen]

Bitze f.

1

Der FlN Bitze geht auf ahd. bizûna st.sw.? f. ,Beizaun, eingezäuntes Grundstück‘, mhd. bitze st.f. ‚Baumgarten‘ zurück; gleichbedeutendes Betzen m. (n.?) auf ahd. bizûni st.n., mhd. bi-ziune, bi-zûne st.n. (Karg-Gasterstädt/Frings l, 1163f.; Lexer 1, 288, 293). Als Wort bezogen sich also Bitze und Betzen ursprünglich auf gezäuntes, damit gehegtes und Sonderrechten unterliegendes Sonderland, vergleichbar den Beunden (→ Karte 15). Insbesondere scheinen sie dem Obstbau gewidmet gewesen zu sein, da sich im Hessischen als Hauptbedeutung von Bitze ,Baumgarten‘ entwickelte (Vilmar 38f.; Crecelius 168; DWB 2 [II], 58); so auch im Rheinland, wo jedoch das Bedeutungsspektrum von ,Grasgarten, fette Wiese unterhalb des Dorfes‘ über ‚(gutes) Ackerland‘ bis zu ‚schlechtem Boden‘ reicht (RheinWb 1, 729f.; Dittmaier 30 und K. 7b; Westphal l33ff.; Bach 2 § 658). Auch KehreinWb 79 hebt die Bedeutung ,Grasgarten, Wiesenort beim Hause, gewöhnlich mit einem Zaun umgeben; übh. Krautfeld‘ für das Nassauische hervor (vgl. SHessWb 1, 880). Als Wort ist Bitze in Hessen längst untergegangen.

Bitzen gibt es hauptsächlich im Westmitteldt., ohne daß es sich ausschließlich um „ein westmd. Wort“ handelt (Kluge/Mitzka 80), denn der Name ist auch im Oberdt. verbreitet (Buck 29; vgl. SchwäbWb l, 1146f.; Kunze 173-175; Oeller 72).

2

Schwierigkeiten gibt es sowohl bei der Abgrenzung der beiden 2 Hauptvarianten Bitze und Betzen gegeneinander wie gegenüber ähnlich lautenden anderen Namen.

l. Da im BT flektiertes und im Stammvokal gesenktes Bitze (> Betzen-) mit der Variante Betzen zusammenfällt, kann bei diesen Namen nicht entschieden werden, welche Variante ursprünglich zugrunde lag. Entschieden wurde in diesen Fällen zugunsten von Bitze, weil Betzen insgesamt in Hessen die seltenere Nebenvariante ist.

2. Das Hauptproblem besteht in der Abgrenzung gegenüber dialektal /peds, pids/ ,Pfütze‘ (→ Karte 110). Zwar scheint die Minimalunterscheidung im Anlaut zwischen /b/ und /p/ in der Regel hinreichendes Trennungskriterium zu sein: Die Zuordnung wurde deshalb danach entschieden. Aber gelegentlich sind historische Übergänge vom einem Namen zum anderen nachweisbar (z. B. für 5017a2 Biedenkopf MBK vgl. Fuhr; für 5517c7 Lang-Göns GIE vgl. Hofmann = HFB 29, 60), so daß insgesamt eine gewisse Unsicherheit bestehen bleibt, ob nicht eine Reihe Bitzen in das als Wort bis heute gebräuchliche Pitze u.ä. umgedeutet wurden.

3. Ausgesondert wurden Namen wie Betzenloch‚ Betzenkammer u. ä.‚ die sich auf ein Gefängnis beziehen (vgl. SHessWb 1, 754f.) sowie Namen, deren Betzen-BT mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen PN zurückzuführen ist wie z. B. „Betzenrode“. Unberücksichtigt blieben schließlich -el-Formen (z. B. „Betzelgarten“), die wohl, wenn nicht aus einem Besitzernamen entstanden, als Formnamen mit hess. Betzel ‚Mütze, Haube‘ (KehreinWb 74; Vilmar 35; Crecelius 155; SHessWb l, 753) zusammenhängen. Auszusondern ist schließlich der „Betzelbirnbaum“ (6117b1 Pfungstadt DAD), dessen Name sich „auf eine Art Winterbirne“ (Crecelius 155) bezieht.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 11

© Hessisches Flurnamenarchiv Gießen / Prof. Dr. Hans Ramge