1734 gründet Kardinal Armand Gaston de Rohan-Soubise, Bischof von Straßburg, die Soeurs de la charité, in Straßburg, die sich auf den heiligen Vinzenz von Paul (1581-1660) berufen. Dieser gilt als Begründer der neuzeitlichen Caritas, als Betreuer der Armen und Kranken. Die Ordensschwestern absolvieren eine medizinische Ausbildung, und werden zur bekanntesten Krankenpflegeinstitution ihrer Zeit mit über 290 Häusern und rund 1500 Schwestern im 18. Jahrhundert. 1868 wird der endgültige Name der Gemeinschaft, „Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul“, durch königliches Edikt bestätigt.
Nach der Gründung eines Mutterhauses in Fulda 1834 übernehmen die Vinzentinerinnen in fast allen ost- und nordhessischen Orten (91) die soziale Versorgung der Bevölkerung. Meist wünschen Pfarrer oder die politische Gemeinde die Entsendung von Schwestern. Zwischen dem Bistum, der kurhessischen, nach dem Kulturkampf mit der preußischen Regierung werden Verträge über die Finanzierung und die Arbeitsbereiche ausgehandelt. Die Schwestern bauen in der Regel eine Krankenambulanz auf, eröffnen Kindergärten und Haushaltsschulen. Sie sehen ihre Hauptaufgabe in der sozialen Betreuung der Bevölkerung ohne Ansehen der Konfession. Innerhalb des Ordens erhalten alle Schwestern eine Ausbildung im medizinischen oder pädagogischen Bereich. Damit bietet der Orden eine der wenigen beruflichen Ausbildungswege für Frauen im 19.Jahrhundert. Im Ersten Weltkrieges richtet der Orden eine Vielzahl an Lazaretten ein. Die freiheitliche Verfassung der Weimarer Republik ermöglicht einen weiteren Ausbau der Niederlassungen. In der NS-Zeit werden die Kindergärten und Waisenhäuer durch den Staat geschlossen, nach Kriegsende wiedereröffnet.
» siehe auch Kindergarten; Kongregation; Kulturkampf;