Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Breidenstein

Stadtteil · 305 m über NN
Gemeinde Biedenkopf, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Stadt

Lagebezug:

4,5 km westlich Biedenkopf

Lage und Verkehrslage:

Stadt mit regelhaften Grundrissmerkmalen auf einem schmalen, nach Südosten weit in das Perftal vorspringenden Rücken. Auf dem Spornende Reste der alten Burganlage; daran angehängt auf halber Höhe das so genannte Untere Schloß. Nordwestlich vorgelagert in einem Geländesattel die kleine städtische Talsiedlung mit annähernd ovalem Umriß. Die Hauptachse der Siedlung folgt der Kammlinie des Bergrückens. Moderne Bebauung im Westen, Nordwesten und Südwesten des Ortes.

Die B 253 führt durch Breitenstein und stößt 1 km nördlich der Stadt auf die B 62. Alte Straße von Laasphe nach Biedenkopf führte durch den südlichen Bereich der Siedlung.

Bahnhof der Eisenbahnlinie (Biedenkopf-) Wallau - Dillenburg (1911)

Historische Namensformen:

  • Breidenstein (1395) [Staatsarchiv Marburg A 11 von Breidenbach genannt Breidenstein]
  • Preitenstein (1398) (XVIII)

Bezeichnung der Siedlung:

  • stetelin 1398 (Senckenberg III Nr. 21); Tal 1577

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Hof Roßbach,
  • Wüstung Meisbach

Burgen und Befestigungen:

  • 1398 Stadtgründung im Anschluß an die Burg. Angesiedelt wurden offenbar Bewohner der Wüstung Meisbach, deren Feldmark in der Gemeinde von Breitenstein aufgegangen ist. Siedlungsmäßig blieb die Stadtgründung in kleinen Anfängen stecken.

Umlegung der Flur:

1880

Älteste Gemarkungskarte:

1832

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3462371, 5642268
UTM: 32 U 462312 5640451
WGS84: 50.91447626° N, 8.463880947° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534004020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 2532, davon 1135 Acker (= 44.83 %), 457 Wiesen (= 18.05 %), 818 Wald. (= 32.31 %)
  • 1885 (Hektar): 854, davon 305 Ackerland (= 35.71 %), 151 Wiesen (= 17.68 %), 372 Holz. (= 43.56 %)
  • 1961 (Hektar): 844, davon 417 Wald. (= 49.41 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1577: 23, 1630: 19 Hausgesesse 1677: 17 Männer, 2 Witwen, 3 Jungmannschaften, 9 ledige Mannschaften 1742: 24 Haushalte 1834: 369, 1885: 431, 1925: 615, 1939: 709, 1950: 1095, 1961: 1136 Einwohner. 1830: 311 evangelische Einwohner. 1961: 969 evangelische, 153 römisch-katholische Einwohner. 1630: keine Angaben. 1867 (Erwerbspersonen): 120 Landwirtschaft, 3 Verkehr, 57 persönliche Dienstleistungen, 1 Gesundheitspflege, 7 Personen ohne Berufsangabe. 1961 (Erwerbspersonen): 140 Land- und Forstwirtschaft, 320 produzierendes Gewerbe, 65 Handel und Verkehr, 44 Dienstleistungen und sonstiges
  • 1885: 431 evangelisch, 0 katholisch

Diagramme:

Breidenstein: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Blankenstein, Gericht Melsbach
  • 1821-1832: Landratsbezirk Battenberg.
  • 1832: Kreis Biedenkopf
  • 1848: Regierungsbezirk Biedenkopf
  • 1852: Kreis Biedenkopf
  • 1867: Hinterlandkreis
  • 1886: Kreis Biedenkopf
  • 1932: Kreis Dillenburg
  • 1933: Kreis Biedenkopf
  • 1974: Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Biedenkopf

Gericht:

  • Vor 1575: Samt-(Erb-)Gericht Breidenbach. 1577 und später: Gericht Breitenstein im Gericht (Amt) Grund Breidenbach. 1821-1823: Patrimonialgericht Grund Breidenbach. 1823-1867: Landegericht, seit 1867: Amtsgericht Biedenkopf. Gericht. Das 1577 erstmals genannte Gericht entstand vermutlich 1575 durch Abspaltung von dem Samtger. Breidenbacher Grund. 1577 hatten die von Breidenbach und Breitenstein die Gerichtsbarkeit über Schloß und Tal Breitenstein einschließlich der hohen Gerichtsbarkeit. 1594 erwarben die Landgrafen 1 Achtel am Gericht. Die hohe Gerichtsbarkeit wurde den Junkern durch die Landgrafen nach 1650 entzogen. Auf eine Richtstätte weist möglicherweise der Flurname Hängelberg (westlich von Breitenstein)

Herrschaft:

1398 erlangen Gerlach und Johann von Breidenbach das kaiserliche Privileg zur Erbauung eines Städtleins bei ihrer Feste Breitenstein. Den anzusiedelnden Bürgern und Bauern werden Stadtrecht und Freiheit, wie in anderen Städten üblich, verliehen. Stadtherren waren von Beginn an die von Breidenbach genannt Breitenstein. Die Stadtverwaltung bestand aus 6 Schöffen, von denen jeweils einer das Bürgermeisteramt bekleidete. Seit 1897 war Breitenstein Landgemeinde; seit 8. 9. 1953 wieder Stadt

Gemeindeentwicklung:

Zum 1.7.1974 wurde Breidenstein im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil der Stadtgemeinde Biedenkopf eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Vor 1395 errichten die von Breidenbach anstelle des 1387 im Gericht Eisenhausen in Aussicht genommenen Burgbaues (Niedereisenhausen, Ziffer 3a; Obereisenhausen, Ziffer 2d) auf dem Hubenberg die Burg Breitenstein. 1395 tragen die Adligen die Burg den Landgrafen zu Mannlehen auf; sie verpflichten sich zugleich, den Breitenstein jederzeit den Landgrafen offenzuhalten; Neubelehnungen der von Breidenbach genannt Breitenstein bis 1729. Ortsadel: seit Bestehen der Siedlung
Kirche und Religion

Pfarrzugehörigkeit:

1577 und später: Filiale von Breidenbach. Seit 1954 Vikariat, seit 1965 Pfarrei; eingepfarrt: Hof Roßbach, Quotshausen, Wolzhausen

Bekenntniswechsel:

Da Filial von Breidenbach, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Breidenbacher Pfarrer Balthasar Kleinhenn ab 1528.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1606, 1624 wieder lutherisch

Wirtschaft

Wirtschaft:

Herrschaftliche Mühle der von Breidenbach genannt Breitenstein. 1630 bestehend; 1726 landgräfliche Mannlehen der Adligen. Die ursprünglich eingängige Mahlmühle an der Perf wurde bis 1776 zu einer Schlag- und Schneidemühle erweitert; nach 1925 abgebrochen. 1797 errichtete Friedrich K. von Breidenbach genannt Breitenstein nordwestlich Breitenstein ein Hammerwerk zur Produktion von Eisenwaren. Hallen- und Industriebauunternehmen seit 1925; 1972:450 Beschäftigte. Ein weiteres Hallenbauunternehmen bestand in Breitenstein. 1925-1935. Seit 1927: Eisenwerk Breitenstein (Produktion von Herden und Öfen); 1954: 120, 1962: 35 Beschäftigte. Seit 1948 Metallwarenfabrik (Produktion von Ofen- und Herdzubehör); 1954: 20, 1970: 100 Beschäftigte. 2 Jahrmärkte (Kramhandel) seit 1802

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Breidenstein, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9449> (Stand: 5.7.2017)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde