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Hessian Biography

Portrait

Otto Driesen
(belegt 1875–1943)

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Driesen, Otto [ID = 18253]

* 1.3.1875 Segnitz (Unterfranken), belegt 25.3.1943, jüdisch
Dr. phil. – Oberstudiendirektor
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Activity

Career:

  • bis zur Hochschulreife Besuch des Großherzoglich Badischen Gymnasiums in Tauberbischofsheim
  • währenddessen Unterrichtung vom Vater in jüdischer Geschichte und Religion
  • 1893 bis 1897 Studium von Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin, Paris, Heidelberg und Straßburg
  • während mehrjährigem Aufenthalt in Paris Veröffentlichungen politischer Beiträge für die Badische Landeszeitung in Karlsruhe sowie erster Kontakt zur späteren Ehefrau Henriette geb. Rosenbaum (geb. 24.6.1876 in Paris)
  • ab 1895 Studium in Heidelberg und Wechsel zu den Studienfächern Geschichte und Neuere Sprachen, längere Aufenthalte in Italien und Paris
  • 1900 Absolvierung des philosophischen Staatsexams mit Spezialfächern Pädagogik und Neuphilologie, Erhalt der Lehrbefugnis für die Fächer Geschichte, Französisch, Englisch, Latein, Deutsch und Erdkunde
  • 1899 Sekretär des Großherzoglichen Oberrats, Direktor des israelitischen Landesstifts in Karlsruhe, Probejahr im Großherzoglichen Gymnasium ebd.
  • 1901 Promotion zum Dr. phil. an der Universität Straßburg zur romanischen Philologie (Druck 1904), Heirat mit Henriette Rosenbaum
  • 1901 bis 1908 wissenschaftliche Tätigkeiten in Berlin-Charlottenburg zur Publikation Die Entstehung des Harlekin, Veröffentlichung von Aufsätzen in Zeitschriften und Artikeln im Brockhaus-Konversationslexikon
  • 1905 bis 1910 Studienzwecke in der Schweiz, Frankreich und Belgien
  • 1908 Vortrag zum Kinematographen, anschließend Mitarbeiter des Preußischen Kultusministeriums
  • ab 1908 Oberlehrer in Charlottenburg, Leiter der Aufbau-Stufe der Realschule, anschließend stellvertretender Leiter der Waldschule der Höheren Schule in Charlottenburg
  • 1910 stellvertretender Schulleiter der Charlottenburger Waldschule und Vertreter der Stadt Charlottenburg bei der Weltausstellung in Brüssel, ebd. Vortrag über das „Zusammenwirken von Kinematograph und Grammophon
  • 1915 Eintritt in die Organisation „Vaterlandsdank“ (diente zur Kriegsfinanzierung durch materielle Spenden), Teilnahme an der österreichischen offiziellen Kriegshilfereaktion „ Gold gab ich für Eisen“, Vortrag in Wien über „Die Schulen im Dienste der Goldsammlung“
  • 1916 Einberufung als ungedienter Landsturmmann nach Labiau (damals Ostpreußen, heute Polessk in Russland)
  • 1917 Leitung und Organisation des Goldankaufs in Ostpreußen, Berufung in das Kriegspresseamt in Berlin
  • 3.1918 Pressechef des Reichkanzlers
  • 11.1918 Leiter des Pressereferats der Deutschen Waffenstillstandskommission
  • 1.1919 durch Berliner Rabbiners Julius Galliner (1872-1949) Empfehlung für die Direktorenstelle des Frankfurter Philanthropins
  • 9.1919 Wechsel in die Presseabteilung vom Auswertigen Amt
  • 1.10.1919 auf eigenen Wunsch Ausscheidung aus preußischem Staatsdienst,
  • anschließend öffentliche Kritik wegen 1918 veröffentlichter Schrift „Das deutsche Volk und die Fürsten. Eine Antwort auf die Verständnislosigkeiten des Auslandes“ aufgrund vorgeworfener monarchistischer Ansichten und einer öffentlich vermuteten Beteiligung in der Sparprämien-Anleihen-Affäre, Rehabilitation nach Gespräch mit Reichskanzler Gustav Bauer (1870-1944)
  • 1920 Unstimmigkeiten mit Behörden wegen Bezügen
  • 4.1921 Antritt der Direktorenstelle am Frankfurter Philanthropin, Wohnsitz in einem Schulgebäude in der Hebelstraße 15, 1. Stock
  • Umwandlung des Philanthropins zum „Schulwerk Philanthropin“ sowie zu einer „gemäßigt konservativen Schule einer jüdischen Einheitsgemeinde“ (Arnsberg 1983, S. 94)
  • 1922 Gründung der Frauenschule (1932 Schließung Aufgrund wirtschaftlicher Belange)
  • 1924 Entstehung der Volksschule am Philanthropin unter Leitung von Julius Spier (1890-1952)
  • 1925 Ausbau des Philanthropin zu einem Realgymnasium
  • 1929 gemeinschaftliche Veröffentlichung „Bausteine praktischer Pädagogik“, zum 125-jährigem Schul-Bestehen Beitrag zur „Erziehung zur Freude als sittlicher Grundhaltung“
  • während Anfängen der NS-Zeit Arrangement einer Palästina-Ausstellung im Philanthropin
  • ab 1933 Organisation der neuhebräischen Sprachenlehre am Philanthropin
  • 25.11.1934 Rede zum „Sinn der Palästina-Woche“
  • 1933 Schülerzahl des Philanthropins erreicht 1.400
  • zum 50. Geburtstag Veröffentlichung eines Sonettes über Driesen durch Franz Rosenzweig (1886-1929)
  • 1934 Organisation einer „Pädagogischen Woche“ für erwachsende Interessent:innen
  • 1937 Ausbau des Philanthropins zum Ausbildungszentrum für die Abschlussprüfung als „englische höhere Schule“ mit Qualifikationen für die Universität Cambridge,
  • aktive Teilnahme in der Verwaltung des Israelitischen Kinderhortes und der Flersheim- und Sichel-Stiftung
  • 1.4.1937 mit 62 Jahren Eintritt in den Ruhestand
  • 11.9.1937 Umzug mit Frau und Tochter Martha nach Berlin zuerst in die Pension Stadthagen (Konstanzer Straße 7), später in die Waitzstraße 7
  • 27.4.1939 Emigration des Ehepaares nach Paris (15.6.1942 Deportation der Tochter Martha in das Vernichtungslager Sobibor)
  • 25.3.1943 Deportation des Ehepaares im Transport 53 ins Vernichtungslager Sobibor und Ermordung
  • Schließung des Philanthropin am 30.6.1942
  • 2004 Einsetzung eines Stolpersteines für Driesen vor dem Wohnhaus in der heutigen Hans-Kesenbrod-Straße 18 in Segnitz

Course of Studies:

  • 1893-1897 Studium von Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin, Paris, Heidelberg und Straßburg
  • ab 1895 Studium von Geschichte und Neuere Sprachen in Heidelberg

Netzwerk:

  • Galliner, Julius <Bekannter>, geb. 1872 in Zinten, gest. 1949 in New York City, deutscher Rabbiner
  • Bauer, Gustav Adolf <Bekannter>, geb. 1870 in Darkehmen, gest 1944 in Berlin-Hermsdorf, SPD-Politiker
  • Rosenzweig, Franz Louis August <Bekannter>, geb. 1886 in Kassel, gest. 1929 in Frankfurt am Main, deutscher Historiker und jüdischer Philosoph

Academic Qualification:

  • 1901 Promotion zum Dr. phil. an der Universität Straßburg, mit einer Untersuchung zur romanischen Philologie

(Art-) Works:

Places of Residence:

  • Baden; Berlin; Paris; Heidelberg; Straßburg; Italien; Karlsruhe; Schweiz; Belgien; Frankfurt am Main
Family Members

Father:

Driesen, Jakob, 1850-1912, Lehrer am Brüsselschen Institut in Segnitz

Mother:

Driesen, Henriette, geb. Herzstein

Partner(s):

  • Driesen, Henriette, geb. Rosenbaum, geb. 1876, gest. nach 25.3.1943

Relatives:

  • Driesen, Wilhelm <Bruder>, geb. 1877
  • Driesen, Martha <Tochter>, geboren 24.6.1902, Schriftstellerin, in jungen Jahren nervlich Krank
  • Driesen, Reinhold <Sohn>, geboren 11.11.1906, gest. am 2.5.1921 durch tödlichen Unglücksfall, Gründer des Sportvereines „Philanthropin“ in Frankfurt
References

Sources:

Bibliography:

Citation
„Driesen, Otto“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/133566439> (Stand: 6.4.2022)