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Hessian Biography

Portrait

Juliane Landgräfin von Hessen-Kassel
(1587–1643)

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Hessen-Kassel, Juliane Landgräfin von [ID = 5726]

* 3.9.1587 Dillenburg, † 15.2.1643 Kassel
Other Names | Activity | Family Members | References | Life | Citation
Other Names

Maiden Name:

Nassau-Dillenburg, Juliane Gräfin von

Family Members

Father:

Nassau-Dillenburg, Johann VII. Graf von, 1561–1623

Mother:

Waldeck-Wildungen, Magdalena Gräfin von, 1558–1599

Partner(s):

Relatives:

References

Bibliography:

Image Source:

Landgraf Moritz der Gelehrte, S. 179. – Museumslandschaft Hessen-Kassel. Gemälde von Erich August (zugeschrieben) (Ausschnitt).

Life

Juliane wurde als fünftes von insgesamt zwölf Kindern aus der ersten Ehe des bedeutenden Militärreformers Graf Johann VII. geboren. Sie wurde im streng calvinistischen Sinne erzogen, aber auch in alten und neuen Sprachen unterrichtet. Neben ihren Geschwistern lebten auch die Stiefgeschwister aus der ersten Ehe der Mutter in dem kinderreichen Haushalt auf dem Dillenburger Schloss. Hier wurde 1596 auch die Hochzeit ihres ältesten Stiefbruders, Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg, mit Katharina Belgica, einer Tochter Wilhelms von Oranien, gefeiert, ein festlicher Höhepunkt in Julianes Kindheit. Schon drei Monate nach dem Tod seiner ersten Frau warb Landgraf Moritz im Februar 1603 um die fünfzehnjährige Juliane. Die Eheschließung fand bereits drei Monate später auf dem Dillenburger Schloss statt. Aus dieser Verbindung gingen bis 1628 sieben Söhne und sieben Töchter hervor. Da der Landgraf drei Söhne erster Ehe hatte, bemühte sich Juliane alsbald um die Übertragung von Einkünften und Besitzrechten an ihre Kinder. Sie erwirkte schließlich, dass ihren Nachkommen ein Viertel der Landgrafschaft Hessen – die sogenannte „Rotenburger Quart“ – zu deren standesgemäßer Versorgung übertragen werden sollte. Daraus erwuchs, nachdem die älteren Söhne Hermann und Friedrich ohne Manneserben gestorben waren, die von Landgraf Ernst begründete Nebenlinie Hessen-Rheinfels-Rotenburg.

Trotz ihrer calvinistischen Erziehung pflegte Juliane gemeinsam mit Moritz ein recht repräsentatives Hofleben, legte dabei aber stets Wert auf ihre finanzielle Selbstständigkeit und führte über ihre Ausgaben sorgfältig Buch. Ihre Interessen in der Staatsverwaltung konnte sie nach der Aneignung von entsprechenden Kenntnissen in der Rotenburger Quart, die sie zunächst gemeinsam mit ihrem ältesten Sohn Hermann regierte, auch praktisch umsetzen. Als Landgraf Moritz 1627 abdanken musste, blieb Juliane zunächst im Kasseler Schloss und zog dann 1629 mit ihren Kindern nach Rotenburg/Fulda, während Moritz anfangs in Frankfurt am Main und später in Eschwege lebte. Vor drohender Kriegsgefahr suchte Juliane 1631 kurzfristig wieder Schutz im Schloss in Kassel und bewohnte dann bis zu ihrem Tod den „Nassauer Hof“ an der Fulda, später Packhof vor der Schlagd, den ihr Moritz bereits 1617 geschenkt hatte.

Im Familienkonflikt mit Moritz verfocht Juliane zunächst ihre eigenen und dann die Interessen ihrer Kinder, allerdings ohne dass es zu Verwerfungen mit ihrem Stiefsohn, dem regierenden Landgrafen Wilhelm V., kam. Aber auch im Konflikt in ihrer nassauischen Familie wurde sie durchaus aktiv. So setzte sie sich für die Calvinisten ein, die unter den Rekatholisierungsversuchen ihres konvertierten und in spanischen Diensten stehenden Bruders Johann VIII. in Nassau-Siegen litten. Selbstbewusst agierte sie sogar außenpolitisch; sie besuchte etwa den Kurfürstentag in Mühlhausen 1627 und trug zur Annäherung der Kasseler und Darmstädter Linien im sogenannten „Hauptakkord“ bei. Von weitreichender Bedeutung war 1630 ihre von der nassauisch-oranischen Verwandtschaft vermittelte Kontaktaufnahme zu Schweden, die im Folgejahr zum schwedisch-hessischen Bündnis von Werben führte, das Hessen-Kassel fest an Schweden band.

Holger Th. Gräf

(Text identisch mit: Franz, Das Haus Hessen, S. 86 f.)

Citation
„Hessen-Kassel, Juliane Landgräfin von“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/119163861> (Stand: 15.4.2021)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde