Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen
Bitte beachten Sie: LAGIS hat eine neue Adresse: lagis.hessen.de. Für eine Übergangszeit stehen Ihnen ausgewählte Module über die bekannte Oberfläche zur Verfügung. Alle anderen sind über die neue Version des Informationssystems zugänglich. Bestehende Permalinks behalten ihre Gültigkeit und leiten bereits jetzt oder nach Abschluss aller Migrationsarbeiten automatisch auf das neue System um.

Topografie des Nationalsozialismus in Hessen

Übersichtskarte Hessen

Reichelsheim (Odenwald), Wehrertüchtigungslager

Reichelsheim (Odenwald), Gemeinde Reichelsheim (Odenwald), Odenwaldkreis | Historisches Ortslexikon
Klassifikation | Nutzungsgeschichte | Indizes | Nachweise | Abbildungen | Zitierweise
Klassifikation

Kategorie:

Militär

Subkategorie:

Wehrmacht

Nutzungsgeschichte

Objektbeschreibung:

Das „Wehrertüchtigungslager (WE-Lager)“ in Reichelsheim war das vierte Lager dieser Art, das im HJ-Gebiet Hessen-Nassau (Nr. 13) eröffnet wurde. Der Standort des frühesten WE-Lagers auf dem HJ-Gebiet Hessen-Nassau bildete Sauerberg bei Kaub am Rhein. Der Ort liegt heutzutage im Land Rheinland-Pfalz und damit außerhalb der Topografie des Nationalsozialismus in Hessen. In Reichelsheim diente der leerstehende Barackenkomplex des ehemaligen RAD-Lagers als Unterkunft.

Beschreibung:

In den „Wehrertüchtigungslagern der Hitlerjugend“ erhielten 15- bis 18-jährige HJ-Jungen eine dreiwöchige intensiven Infanterieausbildung. Die „WE-Lager“ wurden im März 1942 eingerichtet und unterstanden der Wehrmacht. In den insgesamt 226 Wehrertüchtigungslagern fungierten als Ausbilder meist kriegserfahrene, aber nicht mehr fronttaugliche Soldaten.

Ein Ausschnitt aus einem Rundbrief der Odenwaldschule Ober-Hambach vom 15. Februar 1943 an die „Mitarbeiter und Kameraden“ der Odenwaldschule gewährt einen Einblick in den Aufbau und Alltag des Reichelsheimer Wehrertüchtigungslagers: „Das neue Schuljahr begann am 10. Januar. Wir konnten nicht gleich mit der vollen Besetzung beginnen, da alle Jungen der 7. Klasse ein Wehrertüchtigungslager in Reichelsheim (Odenwald) besuchen mußten. So kam es, daß sie dort nach den Ferien Wiedersehen feierten in einem für den Zweck der Wehrertüchtigung eingerichteten Arbeitsdienstlager. Als sie ankamen ging's rein in den Geländedienstanzug, an den Spind und Bettenbau. Sie lagen dort zu 9 bis 14 Mann auf einer Stube zusammen. Diese Stube wurde gemeinsam von einem Unteroffizier ausgebildet. Hauptaufgabe: Schieß- und Geländedienst mit allem Drum und Dran, was Ihr ja selber zur Genüge kennt. Als Ausbilder standen ihnen nur frontbewährte Militärausbilder gegenüber. Im Ganzen: Ein Lagerleiter im Rang eines Leutnants, ein sechzehnjährig-dienender Stabsfeldwebel mit 16 Unteroffizieren. Den Kameraden von der Odenwaldschule hat es -nicht nur vom Standpunkt der Verpflegung, denn die soll besonders gut gewesen sein- sehr gut gefallen. Sie hatten trotz großen Schliffs eine Gewichtszunahme zu verzeichnen.“

Nach den schriftlichen Erinnerungen einer Reichelsheimerin soll das WE-Lager noch in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 aufgelöst worden sein. Am 30. März zog die US-Armee in Reichelsheim ein.

Bemerkungen:

Das Reichelsheimer Wehrtüchtigungslager taucht nicht in der Liste über die Urlaubsmarkenausgabe in den Lagern des Altkreises Erbach auf. Dort wird nur das RAD-Lager in Reichelsheim erwähnt.

Nutzungsanfang (früheste Erwähnung):

10. September 1942

Nutzungsende (späteste Erwähnung):

24. März 1945

Weitere Nutzungen des Objekts:

Indizes

Orte:

Reichelsheim (Odenwald)

Sachbegriffe:

Militär · Wehrmacht

Nachweise

Literatur:

  • Enzyklopädie des Nationalsozialismus, S. 868.
  • Alphei, Hartmut: Lesebuch mit Quellen zur Geschichte der Odenwaldschule in der Zeit von 1933 bis 1946, Ober-Hambach 1993, S. 113. [Rundbrief: „Liebe Mitarbeiter und Kameraden (15.2.1943)“, OSO-Archiv]
  • Heimat- und Kulturverein Kaub e.V. (Hg.) u. Kimpel, Wilhelm (Bearb.): Hitler-Jugend Gebiet Hessen-Nassau (13), Wehrertüchtigungslager I Sauerberg bei Kaub am Rhein [1942–1945], St. Goarshausen 1988.
  • Holzträger, Hans: Die Wehrertüchtigungslager der Hitler-Jugend 1942–1945. Ein Dokumentarbericht, Ippesheim 1991.

Gedruckte Quellen:

  • Hitler-Jugend des Gebietes Hessen-Nassau (Hrsg.), Wehrtüchtigung der Hitler-Jugend. Ein Bericht aus der Arbeit des Gebietes Hessen-Nassau (13); herausgegeben zu Beginn des 5. Kriegsjahres am Tage der Wehrertüchtigung der Hitler-Jugend 4./5. September 1943, Darmstadt 1943.

Ungedruckte Quellen:

  • Erinnerungen an das Kriegsende in Reichelsheim von A. Blum, Privatarchiv H.P. Trautmann, Beerfurth.
Zitierweise
„Reichelsheim (Odenwald), Wehrertüchtigungslager“, in: Topographie des Nationalsozialismus in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/nstopo/id/3412> (Stand: 9.2.2026)