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Topografie des Nationalsozialismus in Hessen

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Neustadt i. Odw., Zwangsarbeitslager „Gummiwerk Odenwald“

Neustadt i. Odw., Gemeinde Breuberg, Odenwaldkreis | Historisches Ortslexikon
Klassifikation | Nutzungsgeschichte | Indizes | Nachweise | Abbildungen | Zitierweise
Klassifikation

Kategorie:

Wirtschaft

Subkategorie:

Zwangsarbeit 

Nutzungsgeschichte

Objektbeschreibung:

Das Lager bestand aus acht Baracken und war auf dem Werksgelände untergebracht.

Beschreibung:

Die Gummiwerke Odenwald beschäftigten mehrere weibliche und männliche Zwangsarbeiter. Im Verkehr mit Staats- und Parteibehörden wurde ein eigens kreierter Stempel eingesetzt, der die Aufschrift trug: „Lagerleitung Gummiwerk Odenwald. Abtl. Walter“. Ein Lager existierte auf dem Werksgelände. Es gab aber auch andere Standorte, wie beispielsweise die Burg Breuberg. In dem Lager auf dem Werksgelände waren in den acht Baracken zwischen 150 und 300 Zwangsarbeiter untergebracht, die aus Polen, Frankreich und der Sowjetunion verschleppt worden waren. Die ausländischen Arbeiter kamen zwangsweise nach Darmstadt und wurden über die zuständigen Arbeitsämter den Odenwälder Gummi-Werken zugewiesen und nach Breuberg transportiert. Auch aus diesem Lager wurden kranke „Ostarbeiter“ nach Hadamar „verlegt“ und sind dort getötet worden.

Die DAF-Dokumente bezeichnen die Firma als „Gummiwerk Odenwald“ und „Gummiwerke Odenwald“. Am 21.9.1942 wird eine Zwangsarbeiter-Stärke von 44 männlichen und 21 weiblichen „Russen“ angegeben. Die DAF-Liste vom 1. April 1943 dokumentiert unter der Bezeichnung „Ausländer“ 40 männliche und 23 weibliche Personen.

Regelwidriges Verhalten wie der „Aufenthalt in Gaststätten“ oder das „Verlassen des Lagers ohne Erlaubnis“ wurden v. a. mit Sonntagsarbeit bestraft. Zwischen September 1944 und Februar 1945 wurden 15 männliche und ein weiblicher Häftling mit solchen „Erziehungsmaßnahmen“ belegt.

Bemerkungen:

1938 ging die Firma, die bis dahin einem jüdischen Eigentümer gehört hatte, im Zuge der „Arisierung“ für nur 615.000 Reichsmark in andere Hände über. Ihr Wert war auf 1.000.000 Reichsmark taxiert worden.

In dem Bericht aus dem Jahr 1946 des Bürgermeisters von Neustadt an den Landrat in Erbach wird das Lager auf dem Werksgelände der Gummiwerke nicht erwähnt, lediglich die folgenden vier Lager: Burg Breuberg, Gasthaus zur Krone, Baracke am Bahnhof und Schule Neustadt. Möglicherweise gehörte das Lager auf dem Werksgelände nicht zum Zuständigkeitsgebiet der Bürgermeisterei Neustadt.

Die DAF-Dokumente bezeichnen die Firma als „Gummiwerk Odenwald“ und „Gummiwerke Odenwald“.

Nutzungsanfang (früheste Erwähnung):

21. September 1942

Nutzungsende (späteste Erwähnung):

1. April 1943

Nutzung vor NS-Zeit:

Industrie- und Produktionsstandort. Werksgelände einer gummiverarbeitenden Fabrik, die u. a. unter der Bezeichnung „Gummiwerk Odenwald“ firmierte und in Neustadt ansässig war.

Nutzung nach NS-Zeit:

Industrie- und Produktionsstandort. Die ehemaligen Produktionsstätten der "Gummiwerke Odenwald" gingen nach 1945 in den Besitz der Firma Pirelli über.

Indizes

Orte:

Neustadt i. Odw.

Sachbegriffe:

Wirtschaft · Zwangsarbeit

Nachweise

Literatur:

Ungedruckte Quellen:

  • HStAD N 1 (NSDAP) 7328
Zitierweise
„Neustadt i. Odw., Zwangsarbeitslager „Gummiwerk Odenwald““, in: Topographie des Nationalsozialismus in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/nstopo/id/3340> (Stand: 9.2.2026)