Topografie des Nationalsozialismus in Hessen
Steinbach, Zwangsarbeitslager (Gemeinschaftslager) Karl Heinz Mühlhäuser bzw. Mühlhäuser-Rein Rexroth
- Steinbach, Gemeinde Michelstadt, Odenwaldkreis | Historisches Ortslexikon
Einhardstraße 104 (Ankerwickelei Erni) – In der NS-Zeit: Hauptstrasse bzw. Schloßstrasse - Klassifikation ↑
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Kategorie:
Wirtschaft
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Subkategorie:
- Nutzungsgeschichte ↑
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Objektbeschreibung:
Gemeinschaftslager mehrerer Firmen mit eigener Küche in der Schloßstraße in Steinbach. In den Baulichkeiten sind noch die Reste von 20 Waschbecken und 4 Toiletten erhalten (Stand: 2007). Neben der Firma Karl-Heinz Mühlhäuser nutzte auch die Eisengießerei und Maschinenfabrik Konrad Rein das Gemeinschaftslager zur Unterbringung von männlichen Ostarbeitern. Es ist anzunehmen, dass die neun Ostarbeiter der Gelatinefabrik Carl Creutz in Steinbach auch in dem Gemeinschaftslager untergebracht waren. Jedoch fehlen die Belege sowohl für diese Annahme, als auch für die These eines eigenständigen Lagers der Firma. Zumindest taucht ein eigenständiges Lager Carl Creutz nicht in den DAF-Listen auf.
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Beschreibung:
Die Firma Karl-Heinz Mühlhäuser nutzte nach Haag bereits ab September 1939 bis zum Kriegsende Zwangsarbeiter für den Arbeitseinsatz. Es waren sowohl West- wie Ostarbeiter. Darunter auch zwei Westarbeiter-Ehepaare, die von August bis Dezember 1943 in einem Privatquartier in Steinbach wohnten, aber nach einem regulären Urlaub nicht mehr zurückkehrten.
Zwischen 1941 und 1945 bestand in Steinbach nach Krause-Schmitt ein Lager für ausländische Zwangsarbeiter, in dem bis zu 190 Arbeitskräfte lebten. Haag berichtet, dass die bei der Firma „Mühlhäuser beschäftigten Zwangsarbeiter in einem Gemeinschaftslager für mehrere Firmen in der Schloßstraße in Steinbach (später Ankerwickelei Erni)“ untergebracht waren, das mit rund 80 Personen belegt war und über eine eigene Küche samt Koch verfügte. Die Firma Mühlhäuser nutzte mehrfach gegen Gebühr im Zeitraum von Mitte 1942 bis Ende 1944 die Entlausungsanstalt in Erbach zur Entlausung von Zwangsarbeitern und Decken.
Die DAF-Liste vom 21. September 1942 nennt für das Lager der Firma „Karl Heinz Mühlhäuser“ in Steinbach eine Zwangsarbeiterstärke von 45 männlichen „Russen“. Das DAF-Dokument vom 1. April 1943 listet ein Lager der Firma „Mühlhäuser-Rein. Rexroth“ in Steinbach „Hauptstrasse“ mit 49 männlichen und 14 weiblichen „Ukrainer“ auf, die als Ostarbeiter Zwangsarbeit leisten mussten.
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Bemerkungen:
Nach Haag produzierte die Eisengießerei Mühlhäuser während des Krieges Güterloren, während das angeschlossene Sägewerk in einem zur Firma Wumba (Ing. Pfeifer) in Michelstadt ausgelagerten Bereich hölzerne Bombenschlitten herstellte.
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Nutzungsanfang (früheste Erwähnung):
1941
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Nutzungsende (späteste Erwähnung):
1945
- Indizes ↑
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Orte:
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Sachbegriffe:
- Nachweise ↑
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Literatur:
- Krause-Schmitt, Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Bd. 1, S. 254
- Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrage der Fraktion Bündnis 90 – Die Grünen betreffend Verfolgung und Vernichtung durch das NS-Regime in Hessen, Anlage III 2, S. 15
- Haag, Zwangsarbeiter vor 1945, S. 137-140
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Ungedruckte Quellen:
- HStAD N 1 (NSDAP) 7328
- Zitierweise ↑
- „Steinbach, Zwangsarbeitslager (Gemeinschaftslager) Karl Heinz Mühlhäuser bzw. Mühlhäuser-Rein Rexroth“, in: Topographie des Nationalsozialismus in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/nstopo/id/1890> (Stand: 9.2.2026)
