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Grabdenkmäler

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Abt Tilmann aus Johannisberg 1456, Eberbach

Eberbach · Gem. Eltville am Rhein · Rheingau-Taunus-Kreis | Historisches Ortslexikon
Standort | Merkmale | Beschreibung | Inschrift | Nachweise | Zitierweise
Standort

Standort:

Eberbach

Angaben zum Standort:

Die Platte wurde von ihrem ursprünglichen Standort nach einigen Platzwechseln 1936 an ihren heutigen Standort in der 3. Südkapelle von Westen (Plan Äbte Nr. 7) verbracht.

Heutiger Aufbewahrungsort:

Kloster Eberbach, Klosterkirche (aus Kapitelsaal)

Merkmale

Datierung:

7. Juli 1456

Typ:

Grabplatte

Material:

roter Sandstein

Größe:

118 x 255 cm (B x H)

Größe der Buchstaben:

6,5-7 cm

Beschreibung

Beschreibung:

Platte mit dem Flachrelief des Abtes im Ordenskleid, mit Regelbuch und diagonal vor den Körper gelegtem Stab, flankiert von dreizonigen Fialen und zu Häupten umgeben von einem krabbenbesetzten Kielbogen. Die oberen Zwickel sind jeweils mit vier nebeneinanderstehenden maßwerkgefüllten Blendbögen versehen. Nach einem Foto des Lf D aus dem Jahre 1935 war der einmal durchgehend quergebrochene Stein aus insgesamt vier neu verfugten Bruchstücken zusammengesetzt worden. In der auf dem Rand umlaufenden Grabinschrift nahm man im rechten oberen Eck sowie an der unteren und der linken Schriftleiste weitreichende Ergänzungen vor. Heute liegen die alten Bruchlinien wieder offen, die Schriftergänzungen fehlen; oben Einsatz eines inschriftlosen Steinkeiles, rechte untere Ecke fehlt. Erg. nach Helwich.

Beim Vergleich zwischen dem überarbeiteten Zustand der Grabplatte von 1935 mit ihrem gegenwärtigen Zustand werden vor allem im Schriftbereich Eigenmächtigkeiten der alten Restaurierung deutlich, die keine Rücksicht auf den gesicherten Originalbefund nahmen. So scheute man sich nicht, den Textbeginn in die Mitte der oberen Leiste in den frisch aufgebrachten Putz einzugraben. Im Bereich der Plattenecken wurde ebenso verfahren. Der heutige Zustand zeigt eine durch die Zerstörungen weitgehend beeinträchtigte, enggedrängte Minuskelschrift mit den eigenwilligen Versalien A, C, E, N, T, die aus zeitgenössischen Hand- und Druckschriften abgeleitet sind.

Geschlecht, Alter, Familienstand:

männliche Person(en)

Stand:

Ordensangehörige · geistliche Personen

Dargestellte Personen:

Abt Tilmann aus Johannisberg.

Zur Biographie des in Johannisberg im Rheingau geborenen Abtes ist nur wenig bekannt. 1439 im verantwortungsvollen Amt des Bursars,2) lag sein Hauptaufgabengebiet in der Leitung der Finanzbuchführung und der Besitzverwaltung.3) 1442 wurde er zum Nachfolger des verstorbenen Abtes Nikolaus III. von Kaub gewählt.4) Typologisch gehören Tilmanns Grabplatte und diejenige für seinen Vorgänger zusammen; in Detaillösungen jedoch, vor allem im Bereich der Gewandbehandlung, werden Unterschiede deutlich.5)

2) Roth, Geschichtsquellen II Nr. 195.

3) Eine kurze Beschreibung der Amtszeit des Abtes findet sich in Senes abbatum; außer Abt Tilmann stiegen nach den gesicherten Belegen mindestens drei weitere Bursare in die Abtswürde auf, nämlich Pallas Brender aus Speyer (Nr. 440), Daniel aus Bingen und Karl Pfeffer (Nr. 413), vgl. Schnorrenberger 41 und Amtslisten ebd. 121-122 für die Abte, 125-127 für die Bursare. Zu den Kompetenzen der Bursare vgl. Schnorrenberger 32-41.

4) Bär, Eberbach I 143.

5) Vgl. Monsees, Entwicklung 30 f.

Inschrift

Umschrift:

+ Ann[o domini m cccc / Ivi] non[is iulii obiit reu]erendus in chr(ist)o pater et d(omi)n(u)s d(omi)n(u)s Thylmannus venerabilis abbas mon[asterii] / Eberbacensis Nonus decim(us) / Cuiu[s anima] requiescat in [san]cta pace Amen ·

Schrift:

Gotische Minuskel

Nachweise

Literatur:

  • Helwich, Syntagma 177
  • Catalogus fol. 25v, ed. Roth, Geschichtsquellen III111, IV112
  • Series abbatum fol. 90v
  • Roth, Geschichtsquellen III 268
  • LfD Foto N 10562.

Personen:

Johannisberg, Äbte

Bearbeitung:

Die Inschriften des Rheingau-Taunus-Kreises. Gesammelt und bearbeitet von Yvonne Monsees (Die Deutschen Inschriften 43), 1997, S. 178 f., Nr. 213.

Zitierweise
„Abt Tilmann aus Johannisberg 1456, Eberbach“, in: Grabdenkmäler <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/1915> (Stand: 24.3.2006)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde