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Grabdenkmäler

Übersichtskarte Hessen

Erzbischof Johann I. von Mainz 1373, Eberbach

Eberbach · Gem. Eltville am Rhein · Rheingau-Taunus-Kreis | Historisches Ortslexikon
Standort | Merkmale | Beschreibung | Inschrift | Nachweise | Zitierweise
Standort

Standort:

Eberbach

Angaben zum Standort:

Ein Fragmentstück der linken unteren Ecke der Grabplatte mit dem Rest der Ortsbezeichnung sowie ein weiteres, mit zwei Buchstaben versehenes Stück wohl der linken Längsseite wie auch ein drittes Stück mit nicht mehr zuzuordnendem Buchstaben 1987 in einem Steinhaufen in der ehemaligen Sakristei aufgefunden, im Inspektorshaus zwischengelagert. Der ursprüngliche Bestattungsort des Erzbischofs, in Eberbach wie auch seine Grabinschrift wurden von Helwich nicht angegeben; anderen Quellen1) zufolge lag die Gruft an hervorgehobener Stelle im Kirchenschiff vor den Stufen zum Chor. Bei der Umbettung der Gebeine der beiden anderen Erzbischöfe 1707 und der damit verbundenen Höherlegung des Chorfußbodens wurde die Gruft ungeöffnet belassen, die Grabplatte jedoch versetzt.2)

1) Anonymus 78: ante gradus presbiteri in medio; auch Diarium bursae Bd. 44, 66: vor der Ampel mitten in Chor.

2) Das Diarium Bursae 65 f. und 78 beschrieb die Umbettung 1707. Man erhob nur die Grabplatte und versetzte sie, beließ die Knochen aber an Ort und Stelle, während man die Skelette der beiden anderen Erzbischöfe in zwei Eichenkästen geborgen und ins Hochgrab eingemauert hatte, vgl. ebd. 64 f. und 77.

Heutiger Aufbewahrungsort:

Kloster Eberbach, Klosterkirche

Merkmale

Datierung:

1373

Typ:

Grabinschrift

Erhaltung:

verloren

Größe:

21 x 38.5 cm (B x H)

Größe der Buchstaben:

6,5-7 cm

Beschreibung

Beschreibung:

Stramberg übermittelte in seinem Rheinischen Antiquarius nähere Einzelheiten zur Gestaltung der Grabplatte. Sie zeigte die Ganzfigur des Bischofs im Ornat, mit der Mitra auf dem Kopfe und dem Bischofsstab in den Händen, und eine auf dem Rand zwischen Linien umlaufende Grabinschrift.3) Reste dieser Linierung sind auf dem Fragment erhalten. Der Zeitpunkt der Zerstörung ist unbekannt, läßt sich jedoch durch archivalische Quellen einigermaßen bestimmen. Noch 1803 muß diese Grabanlage erhalten gewesen sein, da in den Eberbacher Auflösungsprotokollen vermerkt wurde, der Grabstein [sei] wo der Subdiaconus zu steht [= stehen] pflegt, in die Mitte gesetzt worden, während die Gebeine ungestört seit 1707 an ihrem Platz sub Bresbyterio lägen.4) Habel erwähnte 1830, daß die Grabmonumente der drei Mainzer Erzbischöfe noch vorhanden waren, so daß von der Zerstörung des Luxemburg-Grabmals nach diesem Zeitpunkt bis 1834 auszugehen ist. In diesem Jahre verfügte Herzog Wilhelm von Nassau die Rettung und Konservierung der verbliebenen Grabplatten.5) Auf einem in seiner Gestaltung unbekannten weiteren Träger, den Helwich vieldeutig als tabula bezeichnete, stand eine Gedenkinschrift für den Verstorbenen. Diese Tafel war zu Bärs Zeiten bereits verloren.

3) Joannis berichtet von der Grabplatte knapp Adest vero etiamnum lapis, in medio chori solo impositus, cum hac circum effigiem Joannis exsculptam inscriptione.

4) Zur Situation nach 1803 Habel, Nachtrag 93 in d. Anm.; Aufhebungsprotokoll 18; auch HStAW 22/553, 123.

5) Monsees, Grabdenkmäler 105.

Geschlecht, Alter, Familienstand:

männliche Person(en)

Stand:

geistliche Personen

Dargestellte Personen:

Erzbischof Johannes I. von Mainz aus dem Hause Luxemburg-Ligny.

Die Wortergänzung des Fragmentes zu "moguntinensis" ist eindeutig. In den Eberbacher Inschriftenüberlieferungen kommt der Ortsname Mainz lediglich in Verbindung mit den drei Erzbischöfen, bei Eberhard von Stein, Werner von Hagen und Otto von Schönburg vor. Bei den erhaltenen Grabplatten sind an der fraglichen Stelle keine Fehlstellen vorhanden. Die vier Buchstaben des Fragmentes, vor allem das g, lassen eine Einordnung in das ausgehende 14. Jahrhundert zu, zumal zeitnahe Vergleichsbeispiele6) diesen Datierungsansatz stützen. Nach dem Tod Erzbischof Gerlachs von Nassau war es Kaiser Karl IV. gelungen, Papst Gregor XI. dazu zu bewegen, unter Umgehung des Mainzer Domkapitels, das sich teils für den von Gerlach noch kurz vor seinem Tod zum Koadjutor bestimmten Adolf I. von Nassau, teils für den Trierer Erzbischof Kuno von Falkenstein einsetzte, den kaisertreuen Bischof von Straßburg, Johannes von Luxemburg-Ligny, zum neuen Mainzer Erzbischof zu berufen.7) Adolf von Nassau wurde hingegen zum Bischof von Speyer ernannt, da der Papst dessen Bischof nach Straßburg überstellt hatte. Die letzte bekannte Urkunde des nur zwei Jahre amtierenden Erzbischofs Johann trägt das Datum des 18. Februar 1373 und wurde in Eltville ausgestellt.8) Zwar ist Eltville als Sterbeort durch sichere Zeugnisse nicht belegt, aber doch höchstwahrscheinlich. Daß der Tod des Erzbischofs unerwartet eintrat, wird durch das Fehlen jeglicher Seelgerätstiftung oder testamentarischer Verfügung gestützt. Dieser unvermittelte Tod gab Gerüchten von einem möglichen Giftmord Nahrung, in den angeblich sogar Johanns Nachfolger, Adolf von Nassau, verwickelt gewesen sein soll. Während im Liber animarum des Mainzer Domstifts der Todestag nicht verzeichnet ist,9) vermerkte das Eberbacher Necrologium den Vornamen und den Titel des Verstorbenen.10)

Mit der Grabplatte des Luxemburgers war die Diskussion um das angeblich in Eberbach befindliche Grab des Mainzer Erzbischofs und Klosterstifters Adalbert I. von Saarbrücken verknüpft.11) Bär äußerte diesbezüglich die Vermutung, daß Pater Schäfer in seiner Abtschronik Adelberten mit Johann I. verwechselt und den damals noch vorhandenen, gut leserlichen Grabstein des Luxemburgers für denjenigen des tatsächlich in der Mainzer Palastkapelle St. Gotthard bestatteten Adalbert gehalten habe.12)

6) Beispielsweise bei den etwas jüngeren Grabplatten des Wolf Brendel von Osthofen (fl386) in DI 34 (Lkr. Bad Kreuznach) Nr. 72; des Gerhard von Steinkallenfels (

1393) ebd. Nr. 74; vgl. auch die Grabplatte des Eberbacher Abtes Jakob (+ 1392).

7) Vgl. den kurzen Überblick bei Jürgensmeier 142 f.; Gerlich, Anfänge passim. In den ungünstigen Beurteilungen seiner Zeitgenossen wird der Erzbischof als ein Kind in Bezug auf die Sitten [...], unfähig zu regieren bezeichnet, so etwa von Johann von Königstein in seinem Chronicon Moguntinum, zit. nach REM II 2 Nr. 3014; auch Kurzbiografie in 1000 Jahre Mainzer Dom 84.

8) Regest in REM II 2 Nr. 2996.

9) Auch ein Jahrgedächtnis für Johann ist nicht bekannt, vgl. REM ebd.

10) Roth, Geschichtsquellen III 25.

11) Die Nachricht von einer Bestattung Johanns im Mainzer Dom findet sich auch bei Trithemius, Ann. Hirsaug. II 260.

12) Bär, Eberbach 149-85, hier 69 Anm. 95, vgl. auch die Untersuchung Das Grab des Erzbischofs Adelbert I. in der Gothardscapelle am Dom zu Mainz von Friedrich G. Habel als Herausgeber des Bärschen Werkes, in: Bär, Eberbach I 86-127.

Inschrift

Umschrift:

[(Ann)o domini m ccc Ixxiii pridie nonas Ap(ri)lis obiit revere(n)dus in Chr(ist)o pater d(omi)n(u)s Johannes archiep(iscopu)s] · mogu(n)/t[(i)n(ensis)] · cu[i(us) a(n)i(m)a requiescat in s(an)c(t)a pace amen]

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1373, am Tag vor den Nonen des April (4. April) starb der ehrwürdige Vater in Christo, Herr Johannes, Mainzer Erzbischof, dessen Seele im heiligen Frieden ruhe. Amen.

Kommentar:

Ergänzt nach Bär.

Schrift:

Gotische Minuskel

Nachweise

Literatur:

  • Trithemius, Chron. Spon. 331
  • Helwich, Syntagma 151
  • Gall. Christ. V 503
  • Anonymus ed. Roth, Geschichtsquellen III 78
  • Bär, Epitaphiensammlung fol. 1
  • Würdtwein, Epitaphienbuch 233
  • Joannis, Rer. Mog. I 683 nach Trithemius
  • Gudenus 114 § XV
  • Rhein. Antiquarius II11,569
  • Roth, Geschichtsquellen III253
  • Beitr. Gesch. Erzstift 25
  • REM II 2 Nr. 3007.

Bearbeitung:

Die Inschriften des Rheingau-Taunus-Kreises. Gesammelt und bearbeitet von Yvonne Monsees (Die Deutschen Inschriften 43), 1997, S. 101-103, Nr. 106.

Zitierweise
„Erzbischof Johann I. von Mainz 1373, Eberbach“, in: Grabdenkmäler <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/1843> (Stand: 4.10.2006)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde