Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen
Bitte beachten Sie: LAGIS hat eine neue Adresse: lagis.hessen.de. Für eine Übergangszeit stehen Ihnen ausgewählte Module über die bekannte Oberfläche zur Verfügung. Alle anderen sind über die neue Version des Informationssystems zugänglich. Bestehende Permalinks behalten ihre Gültigkeit und leiten bereits jetzt oder nach Abschluss aller Migrationsarbeiten automatisch auf das neue System um.

Südhessisches Flurnamenbuch

Al

Aar · Ameise · Anger · Bettel · Dietesheimer · Dudenhöfer · Eckhart · Feige1 · Feld · Fink · Gickel · Grefe · Hans · Hartnell · Hauch · Hege · Hemme · Henker · Hoch · Huhn · Jäckel · Jude · Kaiser · Karnesahl · Kind · Lang · Löwenstein · Michael · Mönch · Pfaffe · Schaafheimer · Schuchard · Sommer2 · Sprendlinger · Stark · Steinheimer · Teufel · Umgang · Wolf1
Deutung
Al ‚enger Gang zwischen zwei Häusern‘ ist in Südhessen heute nicht mehr gebräuchlich. In FlN ist es als Bezeichnung von lang gestreckten, schmalen, auch keilförmigen, oft vertieft gelegenen Geländestücken erhalten. Die Fluren sind nicht selten von schlechter Bodenqualität1. Die Alen-Namen in Bensheim, Heppenheim, Unter-Hambach und Zell beziehen sich auf einen alten Verkehrsweg. Die Herkunft des Wortes gilt als ungeklärt. Da es sich um einen FormN handelt, könnte es jedoch mit einer Wortfamilie verbunden werden, zu der sonst bair. alden ‚Ackerfurche, Vertiefung im Ackerfeld‘ und altnord. alda ‚Welle‘, auch ‚Talsohle, durch welche ein Bach fließt‘ gestellt werden. Als Grundbedeutung wird hierfür ‚Mulde, Vertiefung‘ angenommen. Al(en), Ohl(en) ist vielfach nicht von Alt-Namen zu trennen. Die Varianten Ahlig/Ohlig, Alch/Olch und wohl auch Ahlert, Ahls, Altz und Alsch als -t und -s-Erweiterungen sind zumeist mit dem Suffix *-ah(i) in lokaler Funktion gebildet. Bildungen auf -ig und -(i)sch können auf einer -ing-Ableitung beruhen2. Da umgelautete Ähl-, Ehl-Formen volkssprachlich zu Öl- weiter gebildet werden konnten, ist auch die Abgrenzung zu den Olig-, Öl-Namen nicht immer einfach. In Einzelfällen - so etwa in Spachbrücken - kann die Fischbezeichnung ahd. mhd. âl st. M. ‚Aal‘ zu Grunde liegen3. Auch die Zugehörigkeit des Belegs aus Brombach ist nicht sicher, vielleicht geht er wie in Wixhausen auf Ahlrod zurück. Vermengungen mit alt kommen vor, sind aber nicht häufig, weil der Dental im südhess. Dialekt (bis auf dessen nordöstlichen Rand) erhalten bleibt.
Literatur
Lexer 1, 33; Kluge/Seebold 1 s. u. Aal; DWB Neub. 1, 5 f.; de Vries 5; SHessWb 1, 2 s. u. Aal u. 1, 175 s. u. Al, WbBÖ 1, 164 f.; Bach 2, § 195, HessFlNAtl K. 58; Dittmaier (1963), S. 11 f. s. u. Alen u. 62 s. u. Ell(i)sch, Zernecke (1991), S. 38 f., Vielsmeier (1995), S. 31 f. ⟨für die Seitenangaben sind die im Quellen- und Literaturverzeichnis (PDF) aufgeführten Ausgaben maßgeblich⟩
Vernetzung
MHFB: → Al; DWB: → al; Lexer: → al; Wörterbuchnetz: → Al
Referenz
Vgl. Adel · Alt · El · Ohlen · Ohlenbach · Ohlert · Öl.

1 Weyrauch (1975), S. 232 f.
2 Dittmaier (1963), S. 62 s. u. Ell(i)sch.
3 Christmann (1972), S. 9.