Hessen im 19. und 20. Jahrhundert

Hep-Hep-Unruhen, August 1819
Weit verbreitete Vorurteile gegenüber Juden führten im Spätsommer 1819 in vielen Städten Deutschlands zu antijüdischen Ausschreitungen. Missernten hatten zu hohen Brotpreisen geführt und Vorwürfe wegen Brotwuchers richteten sich vor allem gegen die Juden. Hinzu kam die Diskussion um ihre rechtliche Gleichstellung, die dazu führte, dass zahlreiche Handwerker und Kaufleute eine vermeintlich damit einhergehende zunehmende jüdische Konkurrenz fürchteten.
Die Aufstände begannen am 2. August 1819 in Würzburg. Über mehrere Tage hinweg zogen Randalierer durch die Stadt und richteten ihre Wut vor allem gegen jüdische Geschäfte. Dabei riefen sie „Hep-Hep, Jud verreck!“. Die Bedeutung des Ausspruchs ist nicht endgültig geklärt, möglicherweise stand es für „Hierosolyma est perdita“ (Jerusalem ist verloren), ein Schlachtruf, der schon während der Kreuzzüge verwendet wurde.
Ausgehend von Würzburg griffen die Unruhen auf andere Städte über. Am 10. August begannen die Krawalle in Frankfurt, wo es bereits zwei Tage zuvor Auseinandersetzungen gegeben hatte, nachdem das Gerücht verbreitet wurde, dass Juden einen Christen geschlagen hätten. In Frankfurt dauerten die Ausschreitungen bis zum 12. August und konnten wie schon in Würzburg nur durch den Einsatz des Militärs beendet werden. In der Folge waren zahlreiche weitere hessische Städte betroffen.
Die Nachrichten und Aufforderungen zum Vertreiben der Juden wurden oft über Flugblätter verbreitet. Die Berichterstattung in den Zeitungen war eher zurückhaltend und informierte mehr über die Ereignisse in anderen Städten als der eigenen.
(StF)
- Belege
- Dietmar Preissler, Frühantisemitismus in der Freien Stadt Frankfurt und im Großherzogtum Hessen (1810 bis 1860), Heidelberg 1989, S. 349-353
- Empfohlene Zitierweise
- „Hep-Hep-Unruhen, August 1819“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edbx/id/6138> (Stand: 2.3.2026)
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