Infolge des Deutsch-Französischen Krieges verlegte Dr. Wilhelm Zimmermann das von ihm seit 1863 in Paris geleitete gymnastisch-orthopädische Institut, dem 1864 noch eine Wasserheilanstalt hinzugefügt wurde, nach Homburg. Über die Angebote seiner Praxis informierte er in der kleinen Schrift „Orthopädische, medicinisch-gymnastische und Wasser-Heilanstalt“. Man konnte hier in einem gut durchlüfteten Saal an gymnastischen Apparaten Übungen absolvieren, wer dafür eine etwas privatere Umgebung bevorzugte, dem stand ein eigener kleinerer Salon zur Verfügung. Die Bäder umfassten Vollbäder (als Fluss- oder als Wellenbad, je nach Menge des zugeführten Wassers), Halbbäder, Sitzbäder, sogenannte schottische Sitzbäder (abwechselnd kaltes und warmes Wasser), Abreibungen, Abwaschungen, Übergießungen, feuchte Umschläge, nasse Einpackungen, Schwitzbäder, Dampfbäder, Regen-, Staub-, Wellen- und Strahlduschen, horizontale Duschen, aufsteigende Strahl- und Regenduschen, gelegentlich in Kombination mit einer Molken- oder Trinkkur. Auf diese Weise wurden Krankheiten wie Fettsucht, Hypochondrie, Hämorrhoiden, Jod- und Quecksilbervergiftungen, Magen- und Darmkatarrhe, Leber- und Milzanschwellungen, Frauenkrankheiten, Muskelschwächung, Hysterie oder nervöse Herzleiden behandelt. Einen eigenen Schwerpunkt bildeten jedoch Krankheiten des Bewegungsapparates (Verkrümmungen, Gelenkkrankheiten, steifer Hals u.a.), die mit "schwedischer Heilgymnastik" und kalten Duschen behandelt wurden. Im Oktober 1879 ging die Wasser-Heilanstalt an den Kurarzt Dr. Georg Hünerfauth über, der noch bis 1886 im Adressbuch unter der Adresse Dorotheenstraße 45 geführt wird und sich im selben Jahr in seiner Schrift "Geschichte der Massage" als Besitzer des Etablissements bezeichnet. Spätestens 1894 übernahm Dr. Hans Leber die Einrichtung, der diese zur Heilanstalt für Massage, Elektrotherapie und Heilgymnastik weiterentwickelte. Er wird noch im Adressbuch von 1900 als Inhaber bezeichnet. Das Adressbuch von 1916 nennt die Wasserheilanstalt nicht mehr. Unter der Anschrift Dorotheenstraße 45 findet sich jedoch erneut ein Dr. Hünerfauth.
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Orthopädische, medicinisch-gymnastische und Wasser-Heilanstalt
Orthopädische Praxis
Hünerfauth, Geschichte der Massage
Schudt, Bad Homburg vor der Höhe und seine Umgebung, S. 60f.
Deckert/Michel, Hauseigentümer S. 129
Grosche, Geschichte 3 S. 202
„Wasserheilanstalt Dr. Hünerfauth (Kaltwasserheilanstalt), Dorotheenstraße 45“, in: Orte der Kur <https://www.lagis-hessen.de/de/odk/record/id/1208> (aufgerufen am 15.07.2026)