Jewish Cemeteries
Description
Jüdische Friedhöfe in Hessen

Friedhöfe sind oft die einzigen noch sichtbaren Zeugnisse der einstmals reichen, in der NS-Zeit untergegangenen jüdischen Kultur in unserem Land. Trotz mancher Zerstörungen und Verluste sind in Hessen nahezu 350 jüdische Friedhöfe mit vielen Tausend Steinen erhalten. Da jüdische Friedhöfe im Gegensatz zu den christlichen Begräbnisstätten nicht aufgelassen werden dürfen, haben sich viele alte Grabsteine erhalten. Auf rund einem Dutzend jüdischer Friedhöfe stehen noch Steine aus dem 17. Jahrhundert. Der alte Frankfurter Friedhof in der Nähe der früheren Judengasse, der durch die Zerstörungen der NS-Zeit besonders betroffen war, weist als ältester jüdischer Friedhof in Hessen sogar noch Steine aus dem 13. Jahrhundert auf.
Historische Grabdenkmäler bilden einen wichtigen Teil des kulturellen Erbes unseres Landes. Zugleich erlauben sie der Kultur- und Kunstgeschichte, der Sozial- und Landesgeschichte und weiteren Disziplinen vielfältige Fragestellungen. Für die Beschäftigung mit der Geschichte des Judentums in Hessen bilden sie eine zentrale Quelle. Mit ihrer Hilfe lassen sich in vielen Fällen die bodenständigen jüdischen Familien anhand der Grabinschriften oft über Generationen zurückverfolgen. Für Nachfahren der Verstorbenen haben die Grabsteine in der jüdischen Familienforschung zudem einen sehr hohen emotionalen Stellenwert.
Die Erfassung der jüdischen Friedhöfe

Nach der Vernichtung der jüdischen Gemeinden in der NS-Zeit haben das Land Hessen und die politischen Gemeinden die Aufgabe übernommen, die jüdischen Friedhöfe zu erhalten und zu pflegen. An vielen Orten bemühen sich seit Jahren auch Vereine, Initiativen und engagierte Einzelpersonen mit Erfolg um die Erhaltung und Erforschung der jüdischen Friedhöfe. Trotz zahlreicher Einzeluntersuchungen fehlt jedoch bisher eine umfassende Dokumentation des erhaltenen Bestandes an jüdischen Grabdenkmälern für ganz Hessen.

In einem langfristig angelegten Projekt hat die Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen seit 1983 eine umfassende Dokumentation von rund 70 jüdischen Friedhöfen mit etwa 17.000 Grabsteinen erarbeitet. Die Finanzierung dieses aufwändigen Projekts lag zunächst bei der Stiftung Volkswagenwerk, später beim Land Hessen, das hierfür Sondermittel bereitstellte. Bei der Dokumentationsarbeit wurden die Grabsteine gereinigt und fotografiert. Die hebräischen und deutschen Inschriften wurden von wissenschaftlichen Mitarbeitern abgeschrieben und übersetzt, die Daten zu einzelnen Verstorbenen mit den erhaltenen Sterberegistern abgeglichen und daraus ergänzt.
Bearbeitet wurden vor allem die großen Sammelfriedhöfe in Alsbach, Michelstadt, Dieburg, Hanau, Gelnhausen, Wiesbaden (Schöne Aussicht), Altengronau, Burghaun, Oberaula, Rotenburg an der Fulda, Kassel-Bettenhausen, Witzenhausen und Korbach. Aber auch mittelgroße und kleinere Friedhöfe wurden erfasst. Unberücksichtigt blieben dagegen die Frankfurter Friedhöfe, die in einem anderen Projekt bearbeitet werden. Zu den Friedhöfen in Alsbach, Hanau und demnächst auch in Dieburg liegen bereits Publikationen in Buchform vor.
Das Projekt

An eine vollständige Publikation der gesamten Dokumentation (und eventuell der weiterer Friedhöfe) in gedruckter Form ist angesichts des Umfangs nicht zu denken. Die Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen stellt darum die Dokumentation „Jüdische Friedhöfe in Hessen“ im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit dem Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg in elektronischer Form im Internet allen an der Erforschung und Erhaltung der jüdischen Friedhöfe Interessierten bereit.
Dazu werden die bei der Untersuchung der Friedhöfe erstellten Aufzeichnungen und Bilder in eine Datenbank überführt und in das Landesgeschichtliche Informationssystem Hessen (LAGIS) des Hessischen Landesamts eingebunden. Im Modul „Jüdische Friedhöfe in Hessen“ werden die untersuchten Grabsteine mit einer Beschreibung, ihren hebräischen und deutschen Inschriften und Angaben zu den Verstorbenen einzeln dargestellt. Zu allen hebräischen Inschriften wird zusätzlich eine Übersetzung geboten. In einem Bildmodul werden zu jedem Grabstein Aufnahmen der Vorderseite und (soweit beschriftet) der Rückseite, der Inschrift und gegebenenfalls weiterer Details in mehreren Darstellungsgrößen bereitgehalten.
Die Projektbeteiligten
Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen

- Archivoberrat a.D. Dr. Hartmut Heinemann
Projektleitung, Erfassung der jüdischen Friedhöfe - Wiss. Mitarbeiterin Christa Wiesner M.A.
Erfassung der jüdischen Friedhöfe, Bearbeitung der Inschriften - Dipl.-Ing. (FH) Andreas Schmidt
Bild- und Datenerfassung, Datenbankpflege - Dr. Bernd Vielsmeier
Bild- und Datenerfassung, Datenbankpflege
Bitte beachten Sie auch das von Dr. Bernd Vielsmeier erstellte »Glossar zum Modul Jüdische Friedhöfe.
Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg
- Prof. Dr. Otto Volk
Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen - Wiss. Mitarbeiter Stefan Aumann M.A.
Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen
Kontakt
Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen
Mosbacher Straße 55
D-65187 Wiesbaden
Telefon: 0611 881-137
Telefax: 0611 881-145
E-Mail: hartmut.heinemann@hhstaw.hessen.de
Prof. Dr. Otto Volk (otto.volk@hlgl.hessen.de)
Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde, Marburg
Wilhelm-Röpke-Str. 6 C, 35032 Marburg
Tel. 06421 28-24578
