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Hessische Biografie

Portrait

Carl Friedrich Buderus von Carlshausen
(1759–1819)

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GND-Nummer

139295828

Buderus von Carlshausen, Carl Friedrich [ID = 2651]

* 22.2.1759 Büdingen, † 5.8.1819 Hanau, evangelisch
Oberkriegskommissar, Kriegszahlamtsdirektor, Kammerpräsident, Geheimer Kriegsrat
Andere Namen | Wirken | Familie | Nachweise | Leben | Zitierweise
Wirken

Werdegang:

  • Kanzlist in der Hanauer Rentkammer, erwarb sich als Schreiblehrer der Haynaus das Vertrauen Landgraf Wilhelms IX.
  • 1783 Landkassen-Obereinnehmer und Privatschatullen-Verwalter des Landgrafen Wilhelm in Hanau
  • 1790 Oberkriegs-Kommissar und Kriegszahlmeister in Kassel
  • 1792 Rechnungsführer an der Oberrentkammer-Kasse in Kassel
  • 1795 Kriegsrat
  • 1802 Kriegszahlamtsdirektor und Direktor der Kabinettkasse
  • 1806 Geheimer Kriegsrat
  • 1810-1813 Mitglied des Departementsrats des Departements Hanau
  • 11.10.1810-28.10.1813 Mitglied der Ständeversammlung des Großherzogtums Frankfurt (Departement Hanau; Grundbesitzer)
  • 1815 Kammerpräsident und Bundestagsgesandter
  • Großkreuz des Goldenen Löwen-Ordens
  • Großkreuz des Hessischen Verdienst-Ordens

Funktion:

  • Hessen-Kassel, Bundestagsgesandter, 1815-1817
  • Hessen-Kassel, Ober-Kriegs-Kommissar, 1790
  • Hessen-Kassel, Kriegszahlmeister, 1790
  • Hessen-Kassel, Kriegszahlamtsdirektor, 1802
  • Hessen-Kassel, Geheimer Kriegsrat, 1806
  • Frankfurt, Großherzogtum, Stände, Mitglied, 1810-1813
  • Hanau, Kammerpräsident, 1815-1819
Familie

Vater:

Buderus, Friedrich Ludwig, * auf dem untersten Hammer bei Wetterfeld 3.7.1733, † Altenhaßlau 4.6.1805 (bei einem Besuch der Güter seines Sohnes), Diener des Kammerrats Campe in Hanau, dann evangelisch-lutherischer Präzeptor in der Hanauer Neustadt, Lakei, Sohn des Johann Philipp Buderus, mit seinem Bruder Johann Wilhelm Hüttenverwalter auf dem untersten Hammer (Hessenbrückenhammer) bei Wetterfeld in Solms-Laubachschen Diensten, und der Magdalena Christina Uhrhan

Mutter:

Reichert, Catharina Elisabeth, * Büdingen 15.12.1737, ⚭ Büdingen 6.4.1758, † Hanau 1764, Tochter des Caspar Reichert († 1776), Schuhmacher in Büdingen, Caspar Reichert wurde „still aus der Armencassa begraben“

Partner:

  • Gullmann, Maria Dorothea, (⚭ Bruchköbel 12.11.1786) * Hanau 4.1.1767, † Hanau 1.6.1813, Tochter des Christoph Friedrich Gullmann, Hanauischer Kammerrat, Sohn des Hannoverischen Residenten in Frankfurt am Main Gottfried Gullmann, und der Anna Maria Margaretha Müller, Tochter des Johann Andreas Müller, Doktor der Medizin, Leibarzt der Fürsten von Hanau, und der Rosine Sophie Maley, diese eine Tochter des Hanauischen Regierungs-Registrators Johann Balthasar Müller und einer Nichte des Philipp Jakob Spener
  • Mengersen, Charlotte Juliane Ernestine von, (⚭ Kassel Ende Februar 1815) * Reelkirchen 28.5.1792, † Hanau 22.1.1833, sie soll bei der Hochzeit sehr jung und hübsch aber geistig unbedeutsam gewesen sein, Tochter des Bernhard von Mengersen, Gräflich-Lippischer Landdrost zu Reelkirchen bei Detmold, und der Louise von Münchhausen. Die Witwe und ihre Angehörigen pozessierten gegen die Buderus’sche Familie bis 1860

Verwandte:

  • Haynau, Luise Freifrau von, geb. Buderus von Carlshausen, 1787-1813, verheiratet 1808 mit Wilhelm Carl Freiherr von Haynau
  • Buderus von Carlshausen, Friedrich* Carl, 1792-1885, auf Carlshausen, Forstmeister a.D.
  • Buderus von Carlshausen, Carl Wilhelm Theodor*, 1796-1872, Obergerichtsrat
  • Dörnberg, Wilhelmine Freifrau von, geb. Buderus von Carlshausen <Tochter>, 1801-1825, verheiratet 1824 mit Alexander Freiherr von Dörnberg, 1801-1860, Hessen-Kasselischer Außenminister
  • Buderus von Carlshausen, Carl* Friedrich, 1815-1898
Nachweise

Quellen:

  • Ein Familienarchiv Buderus von Carlshausen befand sich bei den Nachkommen in Altenhaßlau

Literatur:

Leben

Carl Friedrich Buderus wurde als „armer Leute“ Sohn, eines Lehrers der Hanauer Neustadt, der auch als Lakai des „Herrn Capitaine von Winther“ fungierte, und einer Schuhmacherstochter, am 25. Februar 1759 in Büdingen getauft.1 Der Pate war „Herr Carle“. Nachdem der Vater ihn in Lesen, Schreiben, Rechnen und Musik selbst unterrichtet hatte, und von dem er vermutlich seine ungewöhnlich schöne Handschrift beigebracht bekam, besuchte er die Hohe Landesschule in Hanau und wurde Kanzlist in der Hanauer Rentkammer. Vom Erbprinzen, dem späteren Landgrafen Wilhelm IX., wurde er als Schreib- und Musiklehrer seiner außerehelichen Kinder mit Rosa Dorothea Ritter, den Haynaus, in sein Vertrauen gezogen. Wilhelm machte den begabten Kalkulator und Rechner zum Landkassen-Obereinnehmer (1783) und zum Verwalter seiner Privatschatulle in Hanau. 1790 stieg Buderus zum Ober-Kriegskommissar und Kriegszahlmeister in Kassel auf, 1792 zum Rechnungsführer in der Ober-Rentkammer in Kassel und 1802 zum Kriegszahlamtsdirektor und Direktor der Kabinettkasse. Seit 1795 führte er den Titel eines Kriegsrats, seit 1806 eines Geheimen Kriegsrats.

Schon 1804 hatte Buderus von Johann Peter Freiherrn von Leonhardi das „von Lauterische und ihm inkorporierte von Forstmeisterische“ Erblehen zu Altenhaßlau erworben und war vom Kurfürsten damit belehnt worden. Dazu hatte er noch das Boyneburgische Gute in Altenhaßlau von einem hier erloschenen verarmtem Zweig der Familie gekauft. In dem sogenannten „Großen Garten“ in Altenhaßlau ließ Buderus von Jussow einen doppelstöckigen Pavillon errichten.2 Die Wohn- und Wirtschaftsgebäude wurden entsprechend umgestaltet. Da sein Adelsgesuch nicht mehr vor Reichsende behandelt worden war, genehmigte Wilhelm als Kurfürst seinem Beamten schon 1806 im Exil in Holstein die Annahme des Namens Carlshausen und den Titel ”Geheimer Rat”. Am 1. Januar 1814 erhielt Buderus dann den Kurhessischen Adelsstand als „Buderus von Carlshausen“.3

Faktisch war Buderus der Finanzminister von Hessen-Kassel und vor allem der Verwalter des großen Vermögens seines Landesherrn. In dieser Funktion galt er als ”der böse Geist des Kurfürsten”, ”hauptverantwortlich für dessen übergroße Sparsamkeit, für die Einnahmeverschleierung und die steuerlichen Lasten, unter denen das Landvolk litt, verhaßt bei sämtlichen Ständen”.4 Während Buderus mit Meyer Amschel Rothschild und seinen Söhnen zusammenarbeitete, tat sich sein Gegenspieler in der Frage der Verwaltung des kurfürstlichen Vermögens, Karl Wilhelm Lennep mit dem Bankhaus Harnier & Rüppel zusammen. Beide Parteien versuchten, das Geschäft zu monopolisieren. Lenneps Gruppe mit dem Erbprinzen und Graf Wittgenstein, unterlag aber. Buderus wurde stiller Teilhaber an der Rothschild-Bank. Aber schon 1807 war das Verhältnis zu den Kasselaner Behörden und der Bevölkerung so schwierig, daß Buderus mit seiner Familie nach Hanau umzog.

Nach der Rückkehr des Kurfürsten aus dem Exil, versetze er den bei der Bevölkerung Kassels verhassten „Finanzdiktator“ endgültig als Kammerpräsident nach Hanau. Buderus wurde auch diplomatischer Vertreter des Kurfürsten: Ende 1815 vertrat er ihn auf dem Bundestag in Frankfurt am Main.5 Er wurde aber, weil er in der Auseinandersetzung mit den enteigneten Käufern Hessischer Domänen in der Zeit des Königreichs Westfalen einen Kompromiss versprach, 1817 durch den Diplomaten Ferdinand von Lepel abgelöst. 1817 war er zwar noch Gesandter am großherzoglichen Hof in Darmstadt, starb jedoch bereits am 5. August 1819 in Hanau und wurde in der Johannisgemeinde bestattet.6

Buderus heiratete in erster Ehe die Tochter seines damaligen Vorgesetzten und in eine Frankfurter Familie ein, die ihn in ein Geflecht von Residenten in Frankfurt einbezog, das in der Hauptsache die Kredite der fürstlichen Herren bedienten. Maria Dorothea Gullmanns Großvater Gottfried Gullmann, selbst aus Augsburg stammend, durch seine Ehen mit Augsburg und Rothenburg ob der Tauber verbunden, war Resident Hannovers und Großbritanniens in Frankfurt und besaß eines der hervorragenden Patrizierhäuser in Frankfurt am Main. Sein Neffe Heinrich Remigius Gullmann war Bankherr und Inhaber der Silberhandlung Gullmann in Frankfurt am Main, dazu Resident der Ansbacher Fürsten.

Die Söhne setzten den Aufstieg des Vaters nicht fort, aber sein Schwiegersohn Alexander Freiherr von Dörnberg wurde 1846 Außenminister in Kassel und sein Schwiegersohn Wilhelm Carl Freiherr von Haynau, Buderus’ früherer Schüler, wurde oberster Militärführer in Kassel.

Lupold von Lehsten


  1. Der Vater wird in der Taufeintragung als Lakay bezeichnet, vgl. Lothar Buderus von Carlshausen, Carl Friedrich Buderus, a.a.O., 33.
  2. Lothar Buderus von Carlshausen, Carl Friedrich Buderus, a.a.O., 66.
  3. GGT, Briefadel 1917, 129-132. Das Wappen zeigt einen gespaltenen Schild, vorne in Gold ein dem Liktorenbündel ähnliches mit roten Bändern geschnürtes Bündel brauner Ruten, in deren Mitte ein silberner Pfeil ohne Flitsch steckt; hinten in Blau einen Jünglingsrumpf in goldenem Kleid mit solbernem Kragen und rotgestülpter goldener Mütze. Auf dem Helm wachsen über gold-blauen Decken zwei stahlgeharnischte Arme.
  4. nach Seier, Kurhessen und die Anfänge des Deutschen Bundes, Marburg 1979, 108f.
  5. Der Kurfürst notierte in seinen Tagebüchern: ”1815, 25. Nov. Abreise B.v.Cs. nach Frankfurt zum Bundestag und anschließend nach Hanau, um daselbst seinen Posten als Kammerpräsident anzutreten, mit dem Zweck, dem Haß der Kasselaner gegen seine Person ein Ende zu setzten.” Wir, Wilhelm, von Gottes Gnaden, 417.
  6. Wir, Wilhelm, von Gottes Gnaden, 549/550; Lothar Buderus von Carlshausen, Carl Friedrich Buderus, a.a.O., 33.
Zitierweise
„Buderus von Carlshausen, Carl Friedrich“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/139295828> (Stand: 14.9.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde