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Hessische Biografie

Portrait

August Wilhelm Freiherr von Rabe von Pappenheim
(1759–1826)

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GND-Nummer

133928608

Rabe von Pappenheim, August Wilhelm Freiherr von [ID = 2661]

* 5.10.1759 Kassel, † 22.1.1826 Paris, Begräbnisort: Paris Père-Lachaise
Diplomat
Andere Namen | Wirken | Familie | Nachweise | Leben | Zitierweise
Andere Namen

Weitere Namen:

  • Pappenheim, August Wilhelm Freiherr von
Wirken

Werdegang:

  • Jura-Studium Göttingen
  • 1776 Fähnrich im Kasselischen Regiment Wutingau, 1781 Fähnrich im Regiment Landgraf, 1783 Leutnant im Leibregiment
  • besuchte auf der Rückfahrt von Amerika 8 Tage lang London, 1784 Fähnrich, Hauptmann (als solcher in Amerika), durch seine englischen Sprachkenntnisse im Stab des englischen Kommandanten Lord Charles Cornwallis verwandt, sollte 1786 mit diesem nach Ostindien gehen (erhielt das Angebot eines Obersten und Regimentskommandeurs in Kalkutta)
  • entschied sich aber für die revolutionäre holländische Armee (gegen den Erbstatthalter), kämpfte dann unter Ferdinand von Braunschweig
  • Mai 1790 Hessen-Darmstädtischer Major und Flügeladjutant, 1793 à la suite, 1798 Oberst und zugleich Hessen-Darmstädtischer Agent
  • Februar 1798 erstmals Gesandter in Paris (die folgenden 30 Jahre), August 1798 zweiter Gesandter Hessens auf dem Rastatter Kongress
  • 8.9.1805 bis zum Februar 1806 als Gesandter entlassen
  • 1811 Generalleutnant à la suite, August 1813-November 1815 Gesandter im Hauptquartier der Alliierten (zusammen mit van Oyen)
  • Rücktritt und Privatleben, 1819-26 erneut außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister in Paris
  • Herr auf Stammen, Liebenau, Gümmelsheim/Grimelsheim
Familie

Vater:

Rabe von Pappenheim, Christoph Friedrich Freiherr von, 1713-1770, Hessen-Kasselischer Generalmajor, Sohn des Fritz Lubbert Rabe von Pappenheim und der Anna Katharine Sophie Köster, aus Ziegenberg

Mutter:

Bos du Thil, Florentine Sophie Anna du, 1726-1796, Tochter des Isaak des Bos Freiherr du Thil, Oberst, und der Eleonore Henriette Fabricius von Graß

Partner:

  • Lersner gen. von Syvertes, Helene Elisabeth Charlotte von, * Frankfurt am Main 27.6.1779, † Paris 22.1.1814, Tochter des Ludwig Adolf von Lersner gen. Syvertes, Oberst der Kavallerie, und der Caroline von Barkhaus gen. von Wiesenhütten

Verwandte:

Nachweise

Literatur:

  • Hanswerner Ebeling, Die hessische Politik in der Rheinbundzeit 1806-13, in: AGH NF 24, 1952/53, S. 195-261;
  • Walter Gunzert, Friedrich Jakob Bast aus Buchsweiler (1789-1806). Ein Hellenist auf politischer Bühne, in: AHG NF 32, 1974, S. 336f.;
  • L. v. Lehsten, Reichstagsgesandte, II, S. 481-486
Leben

Die altadlige Familie von Pappenheim ist eines Stammes mit den Rabe von Canstein. Nur die männlichen Familienmitglieder führten den Beinamen „Rabe“ bzw. „Raban“. Die Familie führte selbstredend einen Raben im Wappen. Der miles Rave de Papenheim wird 1106 als erster Angehöriger genannt. Die Familie erscheint Ende des 12. Jahrhunderts im Besitz der Erbtruchsessenwürde des Stifts Corvey. Sie gehört zur hessischen Ritterschaft, ihre Vertreter sind auf den hessischen Landtagen vertreten. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts führte die Familie ohne kaiserliche Privilegierung den Freiherrnstand. Wilhelm Rabe von Pappenheim erhielt Kassel 30. November 1811 den Königlich Westfälischen Grafenstand, der von der kurfürstlich Hessischen Regierung später nicht anerkannt wird.

August Wilhelm Rabe von Pappenheim wurde nach einer langen, erfolgreichen Karriere als Offizier der wichtigste Diplomat Landgraf Ludwig X./Großherzog Ludwigs I. von Hessen-Darmstadt. Gemeinsam mit Gatzert vertrat er Hessen-Darmstadt auf dem Kongreß von Rastatt, empfahl aber im Gegensatz zu Gatzert eine Verständigung mit Frankreich. Der Landgraf zog während des Kongresses Gatzert ab. Seit Februar 1798 vertrat Pappenheim dann Hessen-Darmstadt dreißig Jahre in Paris, wo er rasch das Vertrauen Talleyrands gewann und so Hessen-Darmstadt eine Zukunft als souveränem Staat sicherte.

Da er - gänzlich anders als Barkhaus 1805 - für die Entschädigungsverhandlungen vom Landgrafen nur mit sehr viel geringeren Wechseln abgefunden wurde, die die Landeskasse nicht einlöste, machte er bei den hohen Aufwendungen in Paris Bankrott und stellte sich zur Disposition. Daher wurde er von 8. September 1805 bis zum Februar 1806 als Gesandter entlassen.1

Sein Sekretär Friedrich Jakob Bast charakterisierte ihn wie folgt: „Er ist kein Aktenmann und bedarf immer eines Gehilfen für gewisse Kleinigkeiten in der Redaktion, sowohl in deutscher als auch in französischer Sprache. Aber er hat einen schnellfassenden Verstand, einen durchdringenden Blick, ein eigenes Urteil über alles und jedes, einen Sinn für Ordnung, der oft in Pedanterie ausartet, und einen Eifer für seinen Herren, den niemand erreicht. Pappenheim genießt in diesem Lande (i.d. Frankreich) sowohl bei dem Gouvernement und den Ministern als auch bei dem corps diplomatique eine ausgezeichnete Achtung. Es ist keiner der deutschen Minister, die ihm darin gleichkommen, auch nicht einer. Seine vielen Erfahrungen und Reisen, seine Welt- und Menschenkenntnis machen ihn zu einem liebenswürdigen Mann in der Gesellschaft, so daß er nirgends deplaziert ist.“2

Nach einer Mitteilung von Lersners, des letzten Nachkommen Pappenheims, sind die persönlichen Papiere und Aufzeichnungen Pappenheims 1945 beim Einmarsch der Amerikaner in Niedererlenbach abhanden gekommen.Vgl. Ebeling, a.a.O., 204.

Lupold von Lehsten


  1. H. Ebebling, a.a.O., 206.
  2. Bast an Schleiermacher, 17.4.1805, Hausarchiv Darmstadt IV, 650, zit. n. Ebeling, a.a.O., 205.
Zitierweise
„Rabe von Pappenheim, August Wilhelm Freiherr von“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/133928608> (Stand: 28.2.2013)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde