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Hessian Biography

Portrait

Bruno Müller
(1889–1968)

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GND-ID

13353622X

Müller, Bruno [ID = 5400]

* 16.2.1889 Berlin, † 14.3.1968 Kronberg-Schönberg, evangelisch
Dr. jur. – Jurist, Politiker, Kommunalpolitiker
Other Names | Activity | Family Members | References | Life | Citation
Activity

Career:

  • Realschule und Oberrealschule in Charlottenburg
  • 1908-1912 Studium in Berlin (Jura und Volkswirtschaft)
  • 22.6.1912 Referendarexamen
  • 26.9.1912 Dr. jur. Universität Jena
  • 4.11.1916 Großes Staatsexamen
  • Hilfsarbeiter in der Charlottenburger Stadtverwaltung
  • 19.11.1916-2.4.1918 Militärdienst
  • 11.8.1917-25.8.1917 Frontdienst mit Stellungskämpfen
  • 1917 wegen einer schweren Ruhrerkrankung in die Heimat zurückbefördert und nach längerer Lazarettbehandlung zum Zivildienst entlassen
  • 15.10.1912-7.3.1917 auch Vertretung von Rechtsanwälten und Notaren in Berlin
  • 8.3.1917-2.4.1918 auch Gerichtsassessor in Nauen und in Lyck
  • 3.4.1918-21.1.1919 juristischer Hilfsarbeiter der Stadtverwaltung in Frankfurt an der Oder
  • 24.1.1919 besoldeter Stadtrat in Frankfurt an der Oder
  • 7.2.1926 Bürgermeister von Höchst (Höchst war bis 1930 von Frankreich besetzt) 1926-1928 letzter Bürgermeister von Höchst am Main
  • 8.5.1928 hauptamtlicher Stadtrat von Frankfurt am Main durch die Eingemeindung von Höchst, für das er zuständig blieb
  • 1928-1930 Leiter der selbständigen Polizeiverwaltung in den westlichen Vororten von Frankfurt am Main
  • seit 1928 Aufsichtsratsmitglied Hessen-Nassauische Gas AG
  • seit 1930 Mitglied des Volksbunds für das Deutschtum im Ausland
  • 28. 4.1933 Mitglied der NSDAP, Mitgliedsnummer 2 399 673
  • 1933-1945 Mitglied des NSV
  • 1935-1945 Mitglied des Rechtswahrerbund
  • 1935-1945 Mitglied des Reichsbund der deutschen Beamten
  • Mitglied des Reichsluftschutzbund
  • 18.4.1933 als hauptamtlicher Stadtrat zuständig für das Revisionsamt, für das Rechtsamt inkl. Stiftungsabteilung, für die Höchster Bezirksverwaltung und Vorortangelegenheiten mit lokalen Polizeiaufgaben, die Stadtwerke
  • 1936-1939 auch interimistisch Leiter des Bauamts
  • 29.8.1944 vom Militärdienst zurückgestellt
  • ab 1932 Stellvertretender Senior des Hospitals zum Heiligen Geist
  • 1938-1946 Stellvertretender Senior des St. Katharinen- und Weißfrauenstifts
  • November 1944 Vorstandsmitglied der Max und Rosalie Budge´sche Stiftung
  • 30.5.1945 durch die amerikanische Militärregierung entlassen
  • 29.4.-4.5.1946 unentgeltliche Schreibarbeiten zur Wiedergutmachung als ehemaliger Parteigenosse
  • 1.5.1948 kommissarischer Leiter der städtischen Rechtsstelle
  • 1.10.1948 unentgeltlicher Leiter der Frankfurter Stiftungsaufsicht
  • 25.4.1949-31.3.1957 Dienstvertrag als städtischer Angestellter
  • 1.4. – 30.9.1957 Werkvertrag mit der Stadt Frankfurt
  • ca. 1957-1964 Justitiar des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes
  • 25.10.1934 Ehrenkreuz für Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs
  • Dez. 1937 Erinnerungsmedaille der Auslandsorganisation der Faschistischen Partei zum Berlin-Besuch des „Duce“
  • 1.9.1942 Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse
  • 1955 Goldene Ehrenplakette des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes
  • 1957 Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main
  • 1964 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse

(Art-) Works:

  • Das eigenhändige Testament des Bürgerlichen Gesetzbuchs, Diss. Univ. Jena 1912.
  • [mit] Bruno Schuster, Die mittlere Ostmark und ihre Hauptstadt Frankfurt a. d. Oder. Im Auftr. d. Haupt- u. Handelsstadt Frankfurt a. O., Frankfurt an der Oder [1920].
  • Vereinfachungen bei einer Stadtverwaltung; in: DIWIV-Nachrichten […, in:] Beamten-Jahrbuch. Wissenschaftliche Monatsschrift für das deutsche Berufsbeamtentum, 14, 1927, S. 638-644.
  • Wohnungsbau fördern. Vorschläge für Behörden und Baulustige, Frankfurt am Main 1933.
  • Die Sondershausen von Gläsernthal´sche Stiftung in Frankfurt a. M. Geschichte und Satzung, Frankfurt am Main 1934.
  • Staatsaufsicht über Stiftungen, in: Der Gemeindetag. Zeitschrift für deutsche Gemeindepolitik, 28, 1934, S. 417-422.
  • Vom Aufbauwillen der Stadt Frankfurt a.M. Die Bautätigkeit in Frankfurt a. M. nach dem Umbruch, in: Die nationalsozialistische Gemeinde, 5, 1937, S. 488-491.
  • Altstadtverfall und Altstadtgesundung in Frankfurt, in: Frankfurter Wochenschau, 1938, H. 36, S. 445-447.
  • Steuerbegünstigungen für Einrichtungen des Gemeinwohls (der Freien Wohlfahrtspflege). Ein Überblick über die Gemeinnützigkeitsverordnung, Frankfurt am Main 1951.
  • 600 Jahre Höchst am Main 1355-1955. Rückblick und Ausblick, Frankfurt am Main 1955.
  • Stiftungen für Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1958.
  • Wie kann man für gute Zwecke stiften? Ein Ratgeber für hilfsbereite Mitmenschen, Frankfurt am Main 1962.
  • [mit] Hans-Otto Schembs, Stiftungen in Frankfurt am Main. Geschichte und Wirkung, Frankfurt am Main 2006.
Family Members

Father:

Müller, Otto Rudolf Bernhard, * 4.9.1858

Mother:

Röhn, Luise Bertha Auguste, * 10.9.1861, † 3.3.1927

Partner(s):

  • Schluck, Elisabeth Auguste, * 12.7.1894, Heirat 31.7.1923
References

Sources:

  • Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, 520F, R 4704, K 2185; 650A, 32923
  • Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt am Main, PA 65.185, PA 65.186
  • Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt am Main, Nachlass Bruno Müller S1-25, (7. Laufzeit: 15.05.1934–27.12.1944)
  • Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt am Main, Stadtwerke 446; 455

Bibliography:

Life

Bruno Müller war ein umtriebiger und ehrgeiziger politischer Kommunalbeamter des 20. Jahrhunderts. Der promovierte Jurist ging angepasst seinen Weg. Es gelang ihm, schnell den Schrecken der Front im Ersten Weltkrieg zu entkommen. Sehr jung wurde er Stadtrat in Frankfurt an der Oder, um dann über das Bürgermeisteramt im französisch besetzten Höchst durch dessen Eingemeindung ein Stadtrat in Frankfurt am Main zu werden. Er blieb dies während des „Dritten Reiches“, wofür er auch in die NSDAP eintrat. Er war unter anderem Rechtsdezernent im NS-Unrechtsstaat. Zusätzlich war er für die Beobachtung der Stiftungen zuständig. Seine Tätigkeit betraf insbesondere die Ausplünderung jüdischer und sogenannter „paritätischer“ Stiftungen. Nach 1945 gelang es ihm ohne großes Aufhebens wieder in städtische Dienste einzutreten, und dort dann die „Stiftungsaufsicht“ zu leiten. Ungeachtet seiner Mitwirkung an der Zerstörung der bedeutenden jüdischen Stiftungswelt in Frankfurt am Main veröffentlichte er 1958 eine Stiftungsgeschichte der Stadt, die trotz ihrer Schwächen mit einer postumen und ergänzten Neuauflage das Standardwerk darstellt.

Gunter Stemmler

Citation
„Müller, Bruno“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/13353622X> (Stand: 15.4.2021)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde