Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Hessian Biography

Portrait

Jelissaweta Fjodorowna Großfürstin von Russland
(1864–1918)

Symbol: Switch display mode Symbol: Switch display mode Symbol: Print Preview

Russland, Jelissaweta Fjodorowna Großfürstin von [ID = 2915]

* 1.11.1864 Darmstadt, † 18.7.1918 Sinjaćicha (Russland), Begräbnisort: Alapajevsk, russisch-orthodox
Äbtissin
Other Names | Activity | Family Members | References | Life | Citation
Other Names

Maiden Name:

Hessen und bei Rhein, Elisabeth Prinzessin von

Other Names:

  • Russland, Jelissaweta Fjodorowna Großfürstin von
  • Russland, Hl. Elisaveta Fedorovna Großfürstin von
  • Hessen-Darmstadt, Elisabeth* Alexandra Luise Alice Prinzessin von
Activity

Career:

  • Großfürstin
  • Ordensgründerin
  • Heilige
  • Leichnam 4.1920 nach Peking, evangelischer Friedhof verbracht, 1.1922 nach Jerusalem, Grabkapelle in der Maria-Magdalenen-Kirche auf dem Ölberg
Family Members

Father:

Hessen und bei Rhein, Ludwig IV. Großherzog von, 1863–1892

Mother:

Großbritannien, Alice* Maud Mary Prinzessin von, 1843–1878

Partner(s):

  • Russland, Sergej Aleksandrović Großfürst von, 1857-1918 (ermordet), Heirat St. Petersburg 3./15.6.1884, Generalgouverneur von Moskau, GND

Relatives:

References

Bibliography:

Image Source:

Großfürstin Elisabeth von Russland, Foto Hessisches Staatsarchiv Darmstadt D 27B 2136 (beschnitten), in: Franz, Das Haus Hessen, Darmstadt 2012, S. 370

Life

Von seinen Schwestern – so Großherzog Ernst Ludwig in seinen Erinnerungen – sei ihm Ella in ihren künstlerisch-literarischen Interessen am ähnlichsten gewesen. Sie musizierte und malte, fühlte sich aber zugleich dem sozialen Vorbild der Namenspatronin verpflichtet. Früher Verehrer war der preußische Vetter Willy (W.II.), der die Darmstädter Verwandten in seiner Bonner Studienzeit wiederholt besuchte. Mehr Resonanz fand der von früheren Aufenthalten der Zarenfamilie auf Heiligenberg vertraute Großfürst Sergej, der auch beim letzten Besuch der bereits todkranken Zarin Marie im Herbst 1879 mit von der Partie war und drei Jahre später mit Bruder Paul erneut nach Darmstadt kam. Trotz massiver Opposition von Seiten der britischen Großmutter Victoria wie auch aus Berlin, wo man Erbgroßherzog Fritz von Baden (1857–1928) bevorzugt hätte, konnten Ella und Serge, die sich heimlich bereits im November 1883 verlobt hatten, bei Schwester Victorias Hochzeit Ende April 1884 bereits als offizielles Brautpaar auftreten. Die im Frühsommer in St. Petersburg mit allem Pomp gefeierte Hochzeit, zu der die gesamte Hessen-Familie angereist war, ließ den kaum überstandenen Kolemine-Skandal vergessen. Die eben zwölfjährige Prinzess Alix kam dabei wohl erstmals mit dem jungen Zarewitsch Nikolaus zusammen.

In St. Petersburg wohnte das Großfürstenpaar im „Sergievsky Palais“ am zentralen Nevsky-Prospekt, besuchte aber schon auf der Hochzeitsreise nach einem ersten Stop im Moskauer Kreml Sergejs Landgut Iljinskoye, das nach seiner Ernennung zum Generalgouverneur von Moskau 1891 Hauptwohnsitz werden sollte. Im Sommer 1887 reiste das Paar in Vertretung Zar Alexanders III. zum Goldenen Kronjubiläum Queen Victorias nach London, im Herbst 1888 zur Einweihung der von der Zarenfamilie zur Erinnerung an Kaiserin Marie gestifteten Maria-Magdalenen-Kirche nach Palästina, ein Erlebnis, das den Anstoß zu Ellas 1891 vollzogenem Übertritt zur Orthodoxie gab. Die Kinderlosigkeit der Ehe führte zu widersprüchlichen Gerüchten, denen vor allem Ernst Ludwig in seiner positiven Beurteilung des Schwagers massiv widersprochen hat. Nach dem Kindbett-Tod der jungen Großfürstin Alexandra beim Sommerbesuch in Iljinskoye im ersten Moskau-Jahr 1891 übernahm Elisabeth für längere Zeit die Pflege der beiden Kinder des besonders eng mit Sergej verbundenen Schwagers Paul (1860–1919). Bald darauf folgten 1892/94 die Thronwechsel in Darmstadt und St. Petersburg mit dem zum Teil dem Gouverneur Sergej angelasteten Drama bei der Moskauer Krönung des neuen Zarenpaares Nikolaus und Alexandra auf dem Chodynka-Feld im Mai 1896. Eine Rückkopplung nach Darmstadt brachte 1902 die Beauftragung des Künstlerkolonie-Chefs Josef Maria Olbrich mit der Ausgestaltung einer Zimmerflucht in Sergejs Moskauer Stadtpalais.

Der bei der Opposition verhasste Großfürst fiel Anfang 1905 in Zusammenhang mit den Unruhen in St. Petersburg einem Bomben-Attentat zum Opfer. Seine Witwe, die schon vorher die verschiedensten sozialen Verpflichtungen wahrgenommen hatte, entschloss sich nach Ablauf des Trauerjahrs, den Großteil ihres Vermögens zu verkaufen und mit dem Erlös an der Großen Ordynka in Moskau das „Martha-Maria Kloster der Barmherzigkeit“ zu gründen. Im Februar 1909 eingeweiht, verband es in einer für Russland neuen Form Klosterleben mit Schwesternausbildung, Krankenpflege im eigenen Hospital, Apotheke und Armenspeisung. Die Leitung hat Ella als Äbtissin selbst übernommen. Die weithin anerkannte Klosterarbeit, im Weltkrieg mit Lazarett-Einsatz verbunden, konnte nach dem revolutionären Sturz des Zaren Anfang 1917 zunächst fortgeführt werden. Erst im April 1918 wurde auch Ella von den Bolschewiki verhaftet und mit einigen weiteren Romanow-Verwandten nach Alapajewesk am Ural deportiert, wo die Häftlinge einen Tag nach den Hinrichtungen in Jekaterinburg ermordet wurden. Ellas aus dem Grubenschacht geborgene Leiche wurde 1919 von dem Mönch Serafim unter dem Schutz der Weißen Armee nach Peking gebracht und auf Veranlassung der Schwester Victoria Mountbatten nach Jerusalem überführt, wo sie im Januar 1921 in der orthodoxen Maria-Magdalena-Kirche ihre letzte Ruhe fand.

Eckhart G. Franz

(Text identisch mit: Franz, Das Haus Hessen, S. 370 f.)

Citation
„Russland, Jelissaweta Fjodorowna Großfürstin von“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/118835815> (Stand: 15.4.2021)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde