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Hessische Biografie

Portrait

Karl Joseph Wilhelm Braun
(1822–1893)

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Braun, Karl Joseph Wilhelm [ID = 8817]

* 20.3.1822 Hadamar, † 14.7.1893 Freiburg im Breisgau, katholisch
Dr. jur. – Jurist, Publizist, Hofgerichtsprokurator, Abgeordneter, Rechtsanwalt
Andere Namen | Wirken | Familie | Nachweise | Leben | Zitierweise
Wirken

Werdegang:

  • 1832-1836 Pädagogium in Hadamar
  • 1836-1840 Gymnasium in Weilburg
  • 1840 Studium der klassischen Philologie an der Universität Marburg
  • 1841 Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Göttingen
  • 1843 juristisches Examen an der Universiät Göttingen
  • 1843 Nassauischer Akzessist in Dillenburg
  • 1845 Amtsakzessist in Selters (Westerwald)
  • 1847/1848 Amtsakzessist in Wiesbaden und zugleich Redakteur der Nassauischen Zeitung
  • 1848 Amtsakzessist in St. Goarshausen
  • 1848 Regierungsakzessist in Wiesbaden
  • 1849 Prokurator am Hof- und Appellationsgericht in Dillenburg
  • 1849-1851 Mitglied der nassauischen Ständeversammlung für den Wahlkreis VIII Braubach/St. Goarshausen, Vorgänger: Carl August Lotichius (Club der Linken)
  • 1852-1863 Mitglied der Zweiten Kammer des Landtags des Herzogtums Nassau für den Wahlkreis XVIII Rüdesheim/St. Goarshausen, Vorgänger: Heinrich Heimes
  • 1859-1863 Präsident der Zweiten Kammer des Landtags des Herzogtums Nassau
  • Führer der nassauischen Liberalen (Fortschrittspartei)
  • 1855-1867 Prokurator am Hof- und Appellationsgericht in Wiesbaden
  • 1856 Promotion zum Dr. jur. an der Universität Gießen
  • 1861-1866 Direktor des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung
  • 1863 neben Theodor Dilthey und Friedrich August Lang einer der Gründungsväter der nassauischen Fortschrittspartei
  • 1864 Wahl zur Zweiten Kammer des Landtages des Herzogtums Nassau für den Wahlkreis XVIII Rüdesheim/St. Goarshausen für ungültig erklärt, Nachfolger: Wilhelm Cornelius Fuchs
  • 1865 (1. Wahl) Mitglied der Zweiten Kammer des Landtags des Herzogtums Nassau für den Wahlkreis XXIV Amt Wiesbaden, Nachfolger: Wilhelm Cornelius Fuchs
  • 1865 (2. Wahl)-1866 Mitglied der Zweiten Kammer des Landtags des Herzogtums Nassau für den Wahlkreis XVIII Rüdesheim/St. Goarshausen
  • 1867 Rechtsanwalt in Berlin beim Oberappellationsgericht
  • 1867-1879 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses, bis 1870 für den Wahlkreis Wiesbaden 2, ab 1870 für den Wahlkreis Breslau 7
  • 1867-1871 Mitglied des Reichstages des Norddeutschen Bundes für den Wahlkreis Nassau 2
  • 1869 Rechtsanwalt am Obertribunal in Berlin
  • 1871-1887 Mitglied des Deutschen Reichstages, bis 1874 für den Wahlkreis Reuß jüngere Linie, 1874-1881 für den Wahlkreis Liegnitz 3, 1881-1884 für den Wahlkreis Liegnitz 2, 1884-1887 für den Wahlkreis Sachsen 10 (Nationalliberale Partei, Liberale Vereinigung, Deutsche Freisinnige Partei)
  • 1880 Anwalt beim Reichsgericht in Leipzig, dann wieder in Berlin
  • Lebensabend in Freiburg im Breisgau

Funktion:

  • Nassau, Herzogtum, Ständeversammlung, Mitglied (Club der Linken), 1849-1851
  • Nassau, Herzogtum, Landtag, 2. Kammer, Mitglied (Nassauische Fortschrittspartei), 1852-1863
  • Nassau, Herzogtum, Landtag, 2. Kammer, Mitglied, 1865-1866
  • Preußen, Abgeordnetenhaus, Mitglied (Nationalliberale Partei), 1867-1870

Werke:

  • Bilder aus der deutschen Kleinstaaterei Bd. 1ff, Berlin 1870
Familie

Vater:

Braun, Joseph, 1793-1855, Prorektor in Hadamar, Professor und Rektor am Pädagogium in Dillenburg

Mutter:

Hermes, Klara, aus Hadamar

Partner:

  • Funck, Babette, (⚭ St. Goarshausen 5.3.1847) * St. Goarshausen 17.2.1825, † St. Goarshausen 10.5.1849, Tochter des Jacob Funck, Gerber, und der Barbara Aloysia Cathrein
  • Winter, Friederike Luise, (⚭ Dillenburg 19.8.1851) * auf Java?, evangelisch, Tochter des Adolph Friedrich Winter, Königlich-Niederländischer Oberst, Rechnungskammerpräsident a.D. in Dillenburg, und der Kasila, aus Batavia auf Java

Verwandte:

Nachweise

Literatur:

Bildquelle:

Hermann Scherenberg., Karl Braun 1867 (IZ 48-315 HScherenberg), als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons (beschnitten)

Leben

Braun zählt neben Friedrich Lang zu den bedeutendsten nassauischen Liberalen. Nachdem Braun zwischen 1843 und 1847 für das Siegener Bürgerblatt für Stadt und Land und die klerikal-konservative Koblenzer Rhein-Mosel-Zeitung gearbeitet hatte, setzte er sich seit 1848 in der liberalen Nassauischen Zeitung in Wiesbaden für die Erneuerung der Verfassung unter Beibehaltung der Monarchie ein. 1848 war er Gründungsmitglied des Demokratischen Vereins in Wiesbaden (gegründet 12.7.1848) sowie nach seiner Strafversetzung Vorsitzender des Demokratischen Vereins, dann des Vereins zur Wahrung der Volksrechte in Sankt Goarshausen, 1850 schließlich Präsident des Vereins zur Wahrung der Volksrechte in Dillenburg. 1850 verteidigte Braun erfolgreich Gesinnungsfreunde, die wegen ihrer Teilnahme am demokratischen Landeskongress in Idstein (1849) wegen Majestätsbeleidiung und Hochverrats angeklagt waren, darunter Raht, Lang, Snell, Müller, Justi, und Wenckenbach. 1859 erblickte er als Vorsitzender des Volkswirtschaftlichen Kongresses und als Mitherausgeber der Rhein-Lahn-Zeitung in einer wirtschaftlichen Liberalisierung und im Anschluss Nassaus an Preußen notwendige Schritte auf dem Weg zur deutschen Einheit.

Seit 1859 war Braun Mitglied im kleindeutsch orientierten Nationalverein. Mit großer rhetorischer Begabung engagierte Braun sich u.a. für die vollständige Freizügigkeit innerhalb der deutschen Staaten, für die Zustimmung zum preußisch-französischen Handelsvertrag (1862) sowie für den Verbleib des Herzogtums Nassau im Zollverein. 1863 gehörte er neben Dilthey und Lang zu den Begründern der nassauischen Fortschrittspartei, die eine kleindeutsche Lösung unter preußischer Führung sowie die Wiederinkraftsetzung der Frankfurter Reichsverfassung und des nassauischen Staatsrechts von 1849 anstrebte. Im Deutschen Reich unterstützte Braun zunächst Bismarcks Politik, wandte sich aber dann mit den Freisinnigen gegen dessen Schutzzollpolitik.

Brauns umfangreiches schriftstellerischess Werk umfasst neben juristischen und volkswirtschaftlichen Sachbüchern kuluturgeschichtliche und belletristische Arbeiten sowie Reisebücher und Briefsammlungen. Besondere Berühmtheit erlangten die Bilder aus der deutschen Kleinstaaterei (1869), eine satirische Kritik an den nassauischen Verhältnissen. (C. Rösner)

Zitierweise
„Braun, Karl Joseph Wilhelm“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/118673513> (Stand: 19.9.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde