Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Hessian Biography

Schweden, Friedrich I. König von [ID = 5828]

* 28.4.1676 Kassel, † 25.3.1751 Stockholm
Landgraf, König
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Other Names

Maiden Name:

Hessen-Kassel, Friedrich Landgraf von

Activity

Career:

  • Ausbildung in der Universität Utrecht
Family Members

Father:

Hessen-Kassel, Karl Landgraf von, 1654–1730, regiert unter Vormundschaft 1670, selbständig 1677 als Landgraf von Hessen-Kassel

Mother:

Kurland, Marie Amalia Herzogin von, 1653–1711

Partner(s):

Relatives:

References

Bibliography:

Image Source:

Wikipedia (Datei:Fredrik av Hessen)

Life

Der dritte Sohn des zur Zeit seiner Geburt noch unter der Vormundschaft der Mutter regierenden Landgrafen Karl wurde mit dem frühen Kindstod der Brüder Wilhelm (1674–1676) und Karl (1675–1677) zum prospektiven Thronfolger. Nach entsprechend sorgfältiger Erziehung wurde er nach der Konfirmation 1691 auf eine erste zweijährige Bildungsreise über Utrecht nach Den Haag geschickt. Auf dem Papier schon seit 1688 Chef eines hessischen Infanterieregiments, nahm er in den Niederlanden als Adjutant des britischen Königs Wilhelms III. von Oranien an seinem ersten Feldzug teil. Im ersten Halbjahr 1695 bereiste er Italien, von wo er Ende Juni über die Schweiz nach Kassel zurückkehrte. In absentia zum Obristen und Chef eines hessischen Dragonerregiments ernannt, war er anschließend im Pfälzischen Erbfolgekrieg – nunmehr als britischer Generalmajor – wiederum in den Niederlanden im Einsatz. Mit dem Ausbruch des Spanischen Erbfolgekriegs führte Friedrich die hessischen Subsidientruppen in niederländischem und preußischem Sold auf den Kriegsschauplätzen am Rhein, in Süddeutschland und in Oberitalien, wurde 1702 hessischer und preußischer Generalleutnant und 1703 Statthalter im preußischen Herzogtum Kleve. 1704 folgte die Beförderung zum hessischen und 1706 zum niederländischen General der Kavallerie. In der Schlacht von Höchstädt gelang ihm die Gefangennahme des französischen Marschalls Graf Camille de Tallard (1652–1728).

Friedrichs erste, kinderlos gebliebene Ehe mit der brandenburgischen Cousine Luise Dorothea war wesentlich auf Drängen seines Vaters zustande gekommen; der Brautvater hatte sich eigentlich König Karl XII. von Schweden (1681–1718) als Schwiegersohn gewünscht. Fünf Jahre nach dem Tod der ersten Frau begannen langwierige Eheverhandlungen mit der Schwester des unverheiratet gebliebenen Schweden-Königs, die erst 1715 ihren Abschluss fanden. Bald nach der Hochzeit ernannte Karl XII. den Schwager zum schwedischen Generalissimus. Während des Feldzuges gegen das damals dänische Norwegen erlitt Friedrich eine lebensgefährliche Verwundung und musste nach Stockholm transportiert werden. Nach dem Tod Karls XII. wurde Ulrike Eleonore 1718 vom schwedischen Reichstag zur Königin gewählt. Der mit persönlichem Mut und militärischer Klugheit abgeschlagene russische Angriff auf Stockholm verschaffte Friedrich beträchtliches Ansehen. Nach dem Thronverzicht Ulrike Eleonores wurde er 1720 an ihrer Stelle zum schwedischen König gekrönt, allerdings nur nach beträchtlichen Zugeständnissen an den Reichstag, insbesondere den schwedischen Adel, zu denen auch der Übertritt zum lutherischen Glauben gehörte.

Außen- und machtpolitisch übernahm der nunmehrige König Friedrich das schwere Erbe der überzogenen militärischen Abenteuer seines Schwagers und musste die Verluste von Bremen, Verden, Stettin, Usedom und Wollin sowie von Livland, Estland, Ingermanland und Karelien hinnehmen. Ein Revanche-Krieg gegen Russland verlief unglücklich und war ein Grund für die bereits 1743 erfolgte Einsetzung des mit dem Zarenhaus verwandten Herzogs Adolf Friedrich von Holstein-Gottorp (1710–1771) als Nachfolger. Innenpolitisch gelang es Friedrich nicht, zwischen den rivalisierenden Adelsparteien, die ihrerseits von Russland bzw. Frankreich unterstützt wurden, eine wirklich souveräne Politik zu entwickeln. Als Landgraf Karl 1730 starb, ließ sich Friedrich in der ihm zufallenden Regierung in Kassel durch seinen Bruder Wilhelm vertreten, der bereits 1720 zum künftigen Statthalter bestimmt worden war. Friedrich musste dem schwedischen Reichstag zusichern, dass er stets und an erster Stelle zugunsten Schwedens handeln würde, bevor man zustimmte, dass er 1731 ein letztes Mal nach Kassel reiste, um die Huldigung der hessischen Untertanen entgegenzunehmen. Nominell blieben die wichtigen Entscheidungen in der Landgrafschaft zwar Friedrich vorbehalten; faktisch regierte aber Wilhelm (VIII.), und die in Stockholm eingerichtete hessische Kanzlei empfing ihre Weisungen meist aus Kassel. Auf dem während Friedrichs Aufenthalt in der Landgrafschaft durchgeführten Landtag konnten die hessischen Stände ihre unter Landgraf Karl beschnittenen Mitwirkungsrechte wiedererlangen. Auf Antrag der in Kassel ansässigen Lutheraner gewährte Friedrich ihnen bereits im Januar 1731 die freie Religionsausübung und gab während des Besuches in Kassel die Erlaubnis zum Bau einer eigenen Kirche Am Graben, zu der 1734 der Grundstein gelegt wurde.

Bereits vor dem Tod der ebenfalls kinderlos gebliebenen Ulrike Eleonore hatte Friedrich eine Beziehung zu ihrem Hoffräulein Hedwig Ulrika, einer Tochter des ihm vertrauten Admirals Taube, begonnen. Aus der Verbindung mit der schönen Täubin gingen vier Kinder hervor, von denen zwei Söhne – Friedrich Wilhelm (1735–1808) und Karl (1737–1769) – das Erwachsenenalter erreichten. Zwei Monate nach der letzten schweren Geburt einer Tochter Ende 1743 verstarb Hedwig Ulrika. Ihre Söhne wurden durch Vermittlung Landgraf Wilhelms (VIII.) 1741 „Reichsgrafen von Hessenstein“; kurz vor ihrem Tod erhielt auch die Mutter noch ein entsprechendes Diplom des Kaisers in Wien. Die für die Söhne erworbene Herrschaft um Schloss Panker in Holstein sollte später dem Landgrafenhaus zufallen. Eine weitere Liaison König Friedrichs mit der jungen Baronesse Catharina Ebba Horn (1720–1781), die ebenfalls noch Reichsgräfin wurde, blieb Episode. Der gealterte König, der seit 1748 mehrere Schlaganfälle erlitten hatte, starb im Beisein des Thronfolgerpaars und der Hofgesellschaft im Stockholmer Schloss. Er gilt zwar als schwacher Herrscher. Seine unambitionierte Politik bescherte Schweden aber eine vergleichsweise friedliche Zeit und ermöglichte die Erholung nach den enormen Belastungen des Nordischen Krieges.

Holger Th. Gräf

(Text identisch mit: Franz, Das Haus Hessen, S. 117-119)

Citation
„Schweden, Friedrich I. König von“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/118535803> (Stand: 31.7.2020)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde