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Hessische Biografie

Portrait

Claus Kroencke
(1771–1843)

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Kroencke, Claus [ID = 1530]

* 29.3.1771 Kirchosten Niedersachen, † 5.11.1843 Darmstadt, evangelisch
Prof. Dr. phil. – Wasserbauer, Professor, Abgeordneter
Andere Namen | Wirken | Familie | Nachweise | Leben | Zitierweise
Andere Namen

Weitere Namen:

  • Kröhnke, Claus
  • Kröncke, Claus
Wirken

Werdegang:

  • Studium an den Universitäten Hamburg und Göttingen (1795/96) sowie in Gotha, Dr. phil.
  • 1798 Chaussee-Inspektor in Gießen
  • 1801 außerordentlicher Professor der Philosophie an der Universität Gießen für Zivil-, Wasser- und Straßenbau, Rechnungswesen, Mühlen- und Brückenbau, Maschinenlehre und Mathematik
  • 1802 Steuerrat und Rheinbauinspektor
  • 1803 Mitglied der Rentkammer
  • 1816 Direktor des Oberbaukollegs
  • 1817 Mitglied der Maß- und Gewichtskommission
  • 1821 Direktor der 3. Sektion der Oberfinanzkammer in Darmstadt
  • 1822-1838 Direktor der Oberbaudirektion in Darmstadt
  • 1838 Geheimrat i. P.
  • 1820-1821 Mitglied der Zweiten Kammer des Landtags des Großherzogtums Hessen (konservativ)
  • 21.8.1816 Ritterkreuz des Ghz. Hess. Haus- und Verdienstordens
  • 19.2.1828 Kommandeurkreuz des Ghz. Hess. Haus- und Verdienstordens
  • 1827 Dr. phil. h.c. in Gießen
  • 12.10.1838 Eintritt in den Ruhestand und Verleihung des Titels Geheimer Rat
  • 25.7.1839 Kommandeurkreuz des Zähringer-Löwenordnes

Funktion:

  • Hessen, Großherzogtum, 01. Landtag, 2. Kammer, Mitglied (Kons), 1820-1821
Familie

Vater:

Kröncke, Hermann, 1729–1786, Hausmann in der Deichreihe, aus alter Bauern- und Deichgrafenfamilie, Sohn des Harm Kröncke, Landwirt in Osten, und der Dorothea Schmodt

Mutter:

Rönn, Catharina Margarethe von, 1735–1784, Tochter des Johann von Rönn, Kauf- und Handelsmann, und der Mette Gätcken

Partner:

  • Reuling, Dorothea* Johanette Sophie Friederike, 1777–1846, Heirat Darmstadt 15.5.1800, Tochter des Georg Reuling, Dr. med., Generalstabsmedikus, und der Luise Elisabeth Koch

Verwandte:

  • Curtmann, Adelheid, geb. Kroencke <Tochter>, 1801–1831, verheiratet Gießen 4.10.1827 mit Jakob Georg Wilhelm* Curtmann, Direktor des Lehrerseminars in Friedberg
  • Kroencke, Emil Ludwig Hermann*, 1802–1841, Kreisbaumeister
  • Lotheißen, Sophie Louise Ernestine Friederike <Tochter>, 1809–1872, verheiratet mit Friedrich Lotheißen, Gerichtspräsident und Präsident der zweiten Kammer in Darmstadt
  • Kröncke, Hermann <Bruder>, 1759–1806, Landwirt in Osten, verheiratet mit Anna Margaretha Schmoldt
  • Kröncke, Anna Margaretha, geb. Kröncke <Schwester>, 1775–1847, verheiratet 1797 mit Jürgen* Nikolaus Kröncke, Landwirt auf dem Faulenhofe bei Balje
Nachweise

Quellen:

  • HStA Darmstadt R4;
  • Institut für Personengeschichte, Bensheim: Forschungen Heinz-Dieter Kröncke, Dortmund.

Literatur:

Bildquelle:

HStA Darmstadt R 4 Nr. 14.517 nach: ULB Darmstadt, Bildersammlung, K 370 (87).

Leben

Claus Kroencke war das sechste Kind seiner Eltern. Als die Mutter starb, war er 13 Jahre alt und beim Tod des Vaters 15 Jahre. Dennoch gelang es ihm 1794 das Studium der Mathematik an der Handelsakademie in Hamburg bei Prof. Dr. Johann Georg Büsch (1728-1800) aufzunehmen und an der Universität Göttingen fortzusetzen. Für umfassende Studien zum niederländischen Wasserbau nutzte er die Karten und Werke der herzoglichen Bibliothek in Gotha, wo er den Wasserbauingenieur Carl Friedrich Wiebeking (1762-1842) traf. Im Herbst 1796 wurde er zusammen mit Carl Friedrich Wiebeking bei der Rheinbauinspektion in Darmstadt angestellt. Zunächst wurde Kroencke im Juni 1798 zum Chaussee-Inspektor und Wasserbaumeister in Gießen ernannt. Hier heiratete Kroencke in darmstädter Beamtenfamilien. Zum 16.2.1801 wurde Kroencke zum a.o. Professor der Philosophie an der Universität Gießen berufen. Er las Civilbaukunst, Wasserbaukunst, Straßenbaukunst, Rechnungswesen, Mühlenbaukunst, Brückenbaukunst, Maschinenlehre und andere Teile der reinen und angewandten Mathematik. Da Wiebeking 1802 nach Österreich ging, wurde Kroencke sein Nachfolger als Steuerrat und Rheinbauinspektor (24. Mai). Seit 13. Oktober 1803 war er auch Mitglied der Rentkammer, der nachherigen Hofkammer und der Gesetzgebungs-Kommission.

Bis zu seinem Ruhestand 1838 widmete er sich vor allem der Melioration weiter Gebiete im Ried, die durch die Mediatisierung kleinerer Herrschaften 1803 möglich geworden war. Er schuf ein weitverzweigtes Kanal- und Dammsystem zur Riedentwässerung. In Zusammenarbeit mit dem Ghz. Badischen Oberbaudirektor Johann Gottfried Tulla gelang 1828-1829 der Rheindurchstich am Geyer. Durch das Trockenlegen der Sümpfe ging auch die Schnackenplage und die Verbreitung ansteckender Krankheiten zurück.

Kroencke war auch an der Reform des Steuerwesens, der Abschaffung der Leibeigenschaft, des Frondienstes, des Zehnten und der Grundrenten im Großherzogtum Hessen maßgeblich beteiligt.

Im Auftrag der Gemeinde Klein-Rohrheim errichtete der Darmstädter Hofbildhauer Johann Joseph Scholl 1836, also schon zu Lebzeiten Kroenckes, einen quadratischen Gedenkstein zwischen Groß- und Klein-Rohrheim zwischen Bahnlinie und Straße vor der Brücke. Auf drei Seiten des Podestes werden Inschriften angebracht, auf der vierten Seite der Rheindurchstich am Kühkopf dargestellt.

Lupold von Lehsten

Zitierweise
„Kroencke, Claus“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/117579084> (Stand: 16.5.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde