Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Hessian Biography

Ruhl, Ludwig Sigismund [ID = 15346]

* 10.12.1794 Kassel, † 7.3.1887 Kassel
Prof. – Maler, Grafiker, Museumsdirektor, Professor, Humorzeichner, Zeichner, Stecher, Schriftsteller
Other Names | Activity | Family Members | References | Life | Citation
Other Names

Other Names:

  • Ruhl, Sigmund Ludwig
  • Ruhl

Pseudonym(s):

Cardenio

Activity

Career:

  • um 1809-1812 Studium an der Kasseler Kunstakademie
  • 1811/12 Studium von Kunstgeschichte und Anatomie in Göttingen, dort erste Begegnung mit Arthur Schopenhauer
  • 1812/13 malerisch-zeichnerische Ausbildung in Dresden
  • 1813/14 freiwilliger hessischer Jäger im Krieg
  • ab 1815 Studium an der ABK in München, dort Freundschaft mit Carl Philipp Fohr
  • 1816 Reise über Mantua nach Rom
  • um 1818-1820 Aufenthalt in Rom, Neapel und Florenz
  • 1820 Rückkehr nach Kassel
  • 1826ff. vorübergehende Aufenthalte in Hanau bei seinem Bruder infolge der politischen Verhältnisse am Kasseler Hofe
  • 1832 Direktor des Museums, der Bildergalerie und der kurprinzlichen Bibliothek in Kassel
  • 1832-1840 Lehrer an der Kasseler Kunstakademie
  • 1840-1867 Professor und Direktor der Kasseler Kunstakademie
  • 1867 pensioniert
  • Mitglied des Schönfelder Kreises

Role:

  • Kassel, Museum, Direktor 1832
  • Kassel, Bildergalerie, Direktor 1832
  • Kassel, kurprinzliche Bibliothek, Direktor 1832
  • Kassel, Geheimes Kabinettarchiv, Direktor 1832
  • Kassel, Kunstakademie, Lehrer 1832-1840
  • Kassel, Kunstakademie, Professor 1840-1867
  • Kassel, Kunstakademie, Direktor 1840-1867

Netzwerk:

  • Primavesi, Georg Anton <Schüler>, 1774-1855
  • Primavesi, Eduard <Schüler>, 1806-1866
  • Fohr, Carl Philipp, Illustrator
  • Arnim, Achim von, Schriftsteller
  • Eichendorff, Joseph von, Schriftsteller
  • Rauch, Daniel, Schriftsteller
  • Grimm, Ludwig Emil
  • Schopenhauer
  • Goethe, Johann Wolfgang von

(Art-) Works:

  • gemeinsame Illustration der Märchen Melusine von Ludwig Tieck und Undine von Friedrich de la Motte Fouqué
  • Drei singende Engel, 1819, Schloss Fasanerie bei Fulda
  • Der verirrte Ritter (Landschaft von Fohr, Figuren von Ruhl) 1816
  • Burg Zwingenberg am Neckar (Landschaft Fohl, Ritterstaffage von Ruhl)
  • Olind auf dem Scheiterhaufen (im Bes. d. ehem. Großherz. Ernst Ludwig v. Hessen)
  • Venetia (Bes.: Graf Kuno Hardenberg, Darmstadt)
  • Salome (Bes.: R. Grosse, Berlin-Halensee)
  • Capricci (Karikaturen aus den Buchstaben des Alphabets), 1827
  • Portrait des jungen Schopenhauer 1815 oder 1819 gemalt
  • Über die Auffassung der Natur in der Pferdebildung antiker Plastik, 1846
  • Die Gründung der Hessen-Cassel'schen Gemälde-Gallerie und ihre nachmaligen Schicksale (1880)

Places of Residence:

  • Kassel; Hanau; Rom
Family Members

Father:

Ruhl, Johann Christian, 1764-1842, Hofbildhauer

Relatives:

References

Sources:

  • HStAM Best. 16 Nr. 6301, Kosten der Kunstakademie und gelehrten Gesellschaften (Staatsgrundetat lit: E. Nr. XI), 1833-1849
  • HStAM Best. 160 Nr. 31, Regulative und Unterrichtspläne, (1774-1784) 1828-1851, darin ein Schreiben von Ludwig Sigismund Ruhl vom 5. Juni 1841
  • HStAM Bestand 27 a 2 Nr. 89, Anfertigung der Gliedermänner durch den Drechslermeister Betzhold sowie die in Anspruch genommene Unterstützung aus dem Gewerbefonds, 1843

Bibliography:

Image Source:

Carl Christian Vogel von Vogelstein artist QS:P170,Q683884, Carl Vogel von Vogelstein - Bildnis Ludwig Sigismund Ruhl (1818), als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons (beschnitten)

Life

Ludwig Sigismund Ruhl, 1794 in Kassel geboren, reiste 1812/1813 zur malerischen und zeichnerischen Ausbildung nach Dresden und lebte ab 1815 in München. Dort arbeitete er gemeinsam mit dem befreundeten Carl Philipp Fohr, den er in die Ölmalerei einführte. In Zusammenarbeit schufen sie Gemälde wie „Der verirrte Ritter“ und „Burg Zwingenberg am Neckar“.1 Nach seinem Aufenthalt in Rom 1818, welcher nicht vom Kurfürsten unterstützt wurde, kehrte er 1820 nach Kassel zurück. Dort wurde er 1832 Direktor des Museums, der Bildergalerie sowie der kurprinzlichen Bibliothek und erhielt 1833 „die Direktion der churprinzlichen Bibliothek zu Wilhelmshöhe und des damit vereinigten geheimen Cabinets-Archiv[s]“.2 Von 1832 bis 1840 lehrte Ruhl an der Kasseler Akademie. Von 1840 bis 1867 war Ruhl dort Akademieprofessor sowie Direktor. Zu seinen Schülern zählten u.a. G. A. Primavesi (1774–1865) und E. Primavesi (um 1800–1866).3

Die Ernennung Ruhls zum Direktor im Jahr 1840 brachte ein Umdenken hinsichtlich der Ziele der Akademie mit sich. Nach Ruhl erzeuge das seinerzeitige Verhältnis von Nachfrage und Angebot aufgrund der Anzahl an Akademiekünstlern ein Ungleichgewicht. Er glaubte unter den aktuellen Verhältnissen nicht an ein Erreichen der Ziele der Akademie und setzte sich für eine Ausbildung von Künstlern und Handwerkern unter einem Dach Mithilfe eines interdisziplinären Unterrichtes sowie einer entsprechenden Ausrichtung der Akademie ein.4

In den 1830er Jahren war Ruhl gemeinsam mit unter anderem Robert, Wolff, Henschel, Grimm, Müller, Hummel und Bromeis aktiv an der Neuorganisation der Akademie beteiligt, die insgesamt sieben Jahre dauern sollte.5 Ruhl nahm in seiner Amtszeit Kontakt zu den Münchner, Dresdner, Berliner, Düsseldorfer und Kopenhagener Kunstakademien auf, um sich über deren Reformen zu informieren und die „organisatorischen Strukturen der Akademie an den Zeitgeist und an die Handhabung anderer künstlerischer Ausbildungsstätten anzupassen“.6 Jedoch blieben die Reformversuche Ruhls weitestgehend unrealisiert, da sie beim Kurfürsten wenig Interesse fanden.7 Neben seinen Bestrebungen als Akademiedirektor modellierte er etwa „vier allegorische Figuren“ für das damalige Empfangszimmer des Kasseler Ständehauses sowie halblebensgroße singende Engel, welche Goethe in sein Buch „Kunst und Altertum“ aufnahm.8

S. Kritten


  1. Th.-B. 1935, S. 187.
  2. Nagler 1845, S. 34.
  3. Sitt 2018, S. 199, 234.
  4. Mävers 2020, S. 229-230.
  5. Mävers 2020, S. 221.
  6. Mävers 2020, S. 218 f., 246.
  7. Mävers 2020, S. 236-237, 268.
  8. Nagler 1845, S. 33 f.
Citation
„Ruhl, Ludwig Sigismund“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/116702419> (Stand: 6.11.2020)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde