Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Contemporary History in Hessen - Data · Facts · Backgrounds

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Details

Wahlergebnisse im Volksstaat Hessen zur Nationalversammlung und zur Verfassunggebenden Hessischen Volkskammer, 1919

Mehrheit für die SPD bei der Wahl im Volksstaat Hessen, 26. Januar 1919

Bei den Wahlen zur Volkskammer des ehemaligen Großherzogtums Hessen erhalten:

Sozialdemokratische Partei Deutschlands: 273 468 Stimmen, 44,45 % mit 31 Mandaten
Deutsche Demokratische Partei: 116.252 Stimmen, 18,90 % mit 13 Mandaten
Deutsche Zentrumspartei: 108 539 Stimmen, 17,64 % mit 13 Mandaten
Deutsche Volkspartei: 62 072 Stimmen, 10,09 % mit 7 Mandaten
Hessische Volkspartei: 45 785 Stimmen, 7,44 % mit 5 Mandaten
Unabhängige Sozialdemokratische Partei: 9 077 Stimmen, 1,48 % mit einem Mandat

Die erreichte Wahlbeteiligung lag mit 81,2 % geringfügig unter der Stimmabgabe von 86,8 % der vorangegangenen Wahl zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919. Dieser Rückgang lässt sich am stärksten in den Kreisen Gießen (11 %), Schotten (10 %) und Alsfeld (8 %) beobachten. Diese Abnahme resultiert aus der geringen Beteiligung des Militärs an den Wahlen, welches in den Bezirken dazu gezählt wurde. Dies trifft vor allem in oben genannten Kreisen zu.1

Wahlanalyse2

Wahlbeteiligung

In den Kreisen Darmstadt (86,1 %), Mainz (84,1 %) und Worms (84,6 %) wurde die höchste Wahlbeteiligung erlangt, während die niedrigste Stimmabgabe in den Kreisen Büdingen mit 74,5 % und Schotten mit 71,2 % gezählt wurde. Ebenfalls erreichte der Kreis Gießen nur eine schwächere Beteiligung von 72,7 %.

Zudem sind explizit die Stimmbezirke Hartenrod, Unter-Flockenbach und Scharbach (jeweils aus dem Landkreis Heppenheim) zu benennen, welche mit einer Teilnahme von 100% herausstechen. Dahingegen wählten in Stockheim (Landkreis Erbach) mit einem Wert von 19,38 %, die wenigsten Wahlbeteiligten. Darauf folgen Unter-Scharbach und Ober-Scharbach (Landkreis Heppenheim) sowie Haingrund (Landkreis Erbach) mit 50,37 % und 52,76 %.

Wahlergebnisse der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Die SPD erzielte in den Kreisen Erbach (57,5 %), Groß-Gerau (57,7 %) und Offenbach (57,5 %) ihre höchsten Ergebnisse. Hingegen wurde sie in den Kreisen Bingen (22,8 %), Alzey (25,3 %) sowie Oppenheim (25,7 %) am seltensten gewählt. Die Großstädte Gießen und Darmstadt liegen mit Stimmenanteilen von 33,66 % und 36,40 % im unteren Bereich. Im Gegensatz dazu erzielten die Sozialdemokraten in Offenbach ein Wahlergebnis von 55,86 %. In den folgenden sechs Gemeinden erhielt die SPD keine Stimme: Fischbach (Landkreis Alsfeld), Heimertshausen (Landkreis Alsfeld), Vockenrode (Landkreis Alsfeld), Illnhausen (Landkreis Büdingen), Fleschenbach (Landkreis Lauterbach) und Sankt Johann (Landkreis Alzey). Indessen erreichten sie auf Gemeindeebene Höchstwerte in: Etzen-Gesäß (Landkreis Erbach) mit 91,76 %, Michelau (Landkreis Büdingen) mit 90,99 % und Mittel-Seemen (Landkreis Schotten) mit 88,49 %.

Wahlergebnisse der Deutschen Demokratische Partei

Die Deutsche Demokratische Partei wurde in den Kreisen Schotten (32,6 %), Alzey (33,4 %) und Oppenheim (27,5 %) am stärksten gewählt. Dagegen erzielte sie in den Kreisen Heppenheim mit 11,2 %, Offenbach mit 12,3 % und Worms mit 13,9 % das schwächste Ergebnis. So überrascht es nicht, dass die DDP in der Städten Offenbach und Gießen selbst Wahlergebnisse von 15,40 % bzw. 9,69 % erreichten. In Darmstadt erlangten sie sogar einen Wert von 28,72 %. Die schlechtesten Resultate mit null Prozent zeigten sich in achtundzwanzig Gemeinden von denen elf im Wahlgebiet Heppenheim, sieben in Dieburg und vier in Alsfeld liegen. Jedoch gewannen sie in Fleschenbach (Landkreis Lauterbach) einen Höchstwert von 94,36 %, dem Busenborn mit 85,84 %, Michelbach mit 79,04 % und Wingershausen mit 82,45 % (jeweils aus dem Landkreis Schotten) folgen.

Wahlergebnisse der Deutschen Zentrumspartei

Die Wahlergebnisse für diese Partei waren am stärksten im Kreis Bingen (46,7 %), Heppenheim (37,5 %) und Mainz (33,0 %). Im Gegensatz dazu wurden die niedrigsten Resultate in Schotten mit 0,3 %, Büdingen mit 1,1 % und Gießen 2,3 % erreicht. In der Stadt Gießen erzielten sie noch einen Wert von 6,08 % und in den weiteren Großstädten Offenbach und Darmstadt 12,42 bzw. 7,5 %. Dahingegen konnten sie Spitzenwerte in Vockenrode (Landkreis Alsfeld) mit 100 %, Dorndiel (Landkreis Dieburg) mit 99,15 % und Wattenheim (Landkreis Bensheim) mit 99,06 % erreichen. In 402 Gemeinden konnte die Zentrumspartei jedoch keine Stimme erlangen. Davon lagen 63 in Alsfeld, 55 in Gießen, 51 in Büdingen und 46 in Lauterbach.

Wahlergebnisse der Deutschen Volkspartei

Die höchsten Prozentwerte erreichte die Deutsche Volkspartei in den Kreisen Worms (28,5 %), Alzey (21,5 %) und Darmstadt (19,3 %). So überrascht es nicht, dass die Partei in der Stadt Darmstadt ein positives Resultat von 24,21 % erzielte. Hingegen brachte sie in den Kreisen Büdingen (3,0 %), Schotten (3,8 %) und Offenbach (3,8 %) das niedrigste Ergebnis hervor. Auch hier liegt ihr Wahlergebnis in der Stadt Offenbach bei schwachen 5,51 %. Allerdings gewannen sie in der Stadt Gießen 18,29 %. Trotzdem konnten sie sich in 153 Gemeinden keine Stimme verschaffen, von denen besonders die Kreise Alsfeld, Büdingen und Gießen betroffen waren. Obgleich die Volkspartei in Pfordt (Landkreis Lauterbach) stolze 91,62 % erringen konnten. Auch in den Orten Wintersheim (Landkreis Oppenheim) und Mörstadt (Landkreis Worms) erkämpften sie starke 89,44 und 81,33 %.

Wahlergebnisse der Hessischen Volkspartei

Die Hessische Volksparte erzielte in den Kreisen Alsfeld (36,5 %), Schotten (25,5 %) und Gießen (23,5 %) ihre höchsten Ergebnisse. Hingegen erwirkten sie in Gießen selbst nur 10,41 %. Weiterhin wurde auf Gemeindeebene ihr Optimum von 95,23 % in Gleimenhain (Landkreis Alsfeld), Reibertenrod (Landkreis Alsfeld) mit 94,64 % und Ober-Hörgern (Landkreis Gießen) mit 94,33 %, in vorher genannten Kreisen, erlangt. Dessen ungeachtet wurde sie in den Kreisen Mainz (0,1 %), Alzey (0,5 %) sowie Oppenheim (0,9 %) am seltensten gewählt. Gleichzeitig konnte die Partei in 176 Orten, hauptsächlich oben genannte Kreise betreffend, keine Stimme durchsetzen. Auch in der Stadt Offenbach liegt der Stimmenanteil bei nur 3,42 % und in Darmstadt bei 2,11 %.

Wahlergebnisse der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Am schwächsten war die USPD in den Kreisen Lauterbach (0,01 %), Alzey (0,01 %) und Bingen (0,0 %) vertreten. Ebenso konnte in 713 Gemeinden keine Stimme gewonnen werden, von denen allein 64 Orte in Dieburg nicht für die Partei abstimmten. Genauso bekamen sie in Darmstadt nur 0,82 %, in Gießen 2,71 sowie in Offenbach sogar 6,43 %. Erwähnenswert ist hierbei die stärkste Vertretung der Unabhängigen Sozialdemokraten im Kreis Offenbach mit 4,7 %, darauf folgen Friedberg mit 3,8 % und Gießen mit 2,7 %. Als sogenannte Hochburg lassen sich die Orte Rommelhausen (Landkreis Büdingen) mit starken 52,85 %, Klein-Karben (51,42 %) und Büdesheim (38,57 %) aus dem Landkreis Friedberg betiteln.

Gewählte Abgeordnete

Sozialdemokratische Partei

Adelung, Bernhard (1876–1943; Bürgermeister; Mainz)
Bauer, Joseph (1875–1931; Kaufmann, Stadtverordneter; Mainz)
Biegi, Jakob (1886–1955; Lagerhalter; Osthofen)
Bornemann, Karl Heinrich (1874–1963; Direktor im Staatsministerium; Darmstadt)
Delp, Heinrich (1878–1945; Beigeordneter; Darmstadt)
Eder, Jakob (1874–1932; Sattler und Tapezierer, Stadtverordneter; Alsfeld)
Eißnert, Leonhard (1866–1949; Zigarrenhändler und Beigeordneter; Offenbach am Main)
Engelmann, Johannes (1874–1955; Arbeitersekretär; Mainz)
Fulda, Dr. Heinrich (1860–1943; Minister des Innern; Darmstadt)
Gruber, Franz (1877–1937; Maurer, Stadtverordneter; Alzey)3
Hartmann, Friedrich (1859–1934; Landwirt; Mühlhausen/Odenwald)
Häuser, Heinrich (1882–1944; Bergmann; Steinberg bei Gießen)
Jung, Georg (1870–1922; Bürgermeister-Stellv.; Rüsselsheim)
Kaul, Georg (1873–1933; Redakteur; Offenbach am Main)
Knoblauch, Wilhelm (1874–1939; Redakteur; Darmstadt)
Lang, Adam (1876–1965; Lagerhalter; Urberach)
Lux, Anton (1878–1953; Gastwirt; Nieder-Florstadt)
Neumann, Hermann (1882–1933; Präsident des Landesernährungsamtes; Darmstadt)
Piehler, Wilhelm (1873–1948; Gewerkschaftsangestellter; Mainz)
Raab, Georg (1869–1932; Präsident des Landes-Arbeits- und Wirtschaftsamtes; Pfungstadt)
Rauck, Anna (1871–1953; Darmstadt)
Rechthien, Bernhard (1876–1941; Bürgermeister; Vilbel)
Roß, Franz (1881–1949; Geschäftsführer; Bensheim)
Schildbach, Bernhard (1876–1944; Redakteur und Stadtverordneter; Mainz)
Schulte, Albert (1877–1952; Beigeordneter; Worms)
Seel, Wilhelm (1866–1921; Parteisekretär, Stadtverordneter; Mainz)4
Steinhäuser, Margarethe (1874–1955; Offenbach am Main)
Ulrich, Carl (1853–1933; Staatspräsident; Darmstadt)
Vetters, Friedrich (1861–1932; Redakteur; Gießen)
Widmann, Wilhelm (1876–1955; Parteisekretär; Offenbach am Main)
Wittig, Bruno (1885–1973; Buchdrucker; Butzbach)

Demokratische Partei

Balser, Karoline (1873–1928; Darmstadt)
Büchner, Dr. Georg (1862–1944; Fabrikant; Darmstadt)
Damm, Carl (1857–1926; Buchdruckereibesitzer; Friedberg)
Eck, Samuel (1856–1919; Universitätsprofessor der Theologie; Gießen)5
Feistmann, Eugen (1859–1920); Lederfabrikant; Offenbach am Main6
Henrich, Konrad (1864–1928; Finanzminister; Darmstadt)
Windisch, Theodor (1880–1932; Rechtsanwalt; Michelstadt)7
Pagenstecher, Dr. Fritz Alexander (1871–1941; Rechtsanwalt; Mainz)
Reh, Dr. Heinrich (1860–1946; Justizrat, Rechtsanwalt, Notar; Alsfeld)
Reiber, Julius (1883–1960); Lehrer; Mainz, z. Zt. Darmstadt
Schreiber, Johannes (1881–1935; Rechtsanwalt; Ober-Ingelheim)
Strecker, Dr. Reinhart (1876–1951; Präsident des Landesamts für das Bildungswesen; Darmstadt)8
Urstadt, Otto (1868–1945; Direktor des Realgymnasiums; Gießen)

Zentrum

Brentano, Otto von (1855–1927; Justizminister; Darmstadt)
Gesser, Karl Michael (1869–1950); Packer; Groß-Steinheim am Main
Hattemer, Else (1870–1948; Prof.-Wtw.; Darmstadt)
Herbert, Valentin (1864–1933; Ober-Postinspektor; Darmstadt)
Hofmann, Johann Philipp (1873–1925; Generalsekretär des Hess. Bauernvereins; Seligenstadt)
Knoll, Wilhelm (1873–1947; Arbeitersekretär; Mainz)
Lenhart, Georg (1869–1941; Professor, Domkapitular; Mainz)
Scherer, Georg (1865–1920); Gewerkschaftssekretär; Offenbach am Main9
Schmitt, Adam Joseph (1855–1928; Geheimer Justizrat, Rechtsanwalt; Mainz)10
Schorn, Joseph (1856–1927; Lehrer; Mainz)
Schröder, Theodor (1872–1942; Rechtsanwalt; Friedberg)
Soherr, Heinrich Wendelin (1863–1929; Weinhändler; Bingen)
Uebel, Philipp (1864–1929; Präsident des Landesernährungsamtes; Dieburg)

Deutsche Volkspartei

Bierau, Else (1877–1966; Obersteuerkontrolleurs-Witwe; Darmstadt)
Dingeldey, Eduard (1886–1942; Rechtsanwalt; Darmstadt)
Hahn, Moritz (1856–1952; Bürgermeister; Heßloch/Rheinhessen)
Klingspor, Adolf (1870–1955; Fabrikant; Gießen)
Köhler, Heinrich (1859–1924; Oberbürgermeister; Worms)
Osann, Dr. Arthur (1862–1924; Justizrat, Rechtsanwalt und Notar; Darmstadt)
Wünzer, Karl Emil Rudolf* (1862–1929; Oberstaatsanwalt; Darmstadt)

Hessische Volkspartei

Brauer, Heinrich (1860–1945; Müller, Landwirt; Ober-Ofleiden)
Dehlinger, Dr. Gustav (1860–1940); Landwirt; Weilerhof bei Wolfskehlen
Diehl, D. Dr. Wilhelm (1871–1944; Professor; Friedberg)
Dorsch, Wilhelm (1868–1939; Landwirt; Wölfersheim)
Fenchel, Wilhelm (1873–1938; Landwirt; Ober-Hörgern)

Unabhängige sozialdemokratische Partei

Kiel, Alfred (1878–1954; Gewerkschaftsbeamter; Gießen)
(OV/LV/MK)


  1. Vgl. Ergebnisse der Wahlen zur verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung und zur verfassungsgebenden Volkskammer im Freistaat Hessen am 19. bezw. 26. Januar 1919 nach einzelnen Gemeinden und Stimmbezirken, hrsg. von der Zentralstelle für Landesstatistiken, Darmstadt 1919, S. 6.
  2. Erarbeitet auf Grundlage von: Ergebnisse der Wahlen zur verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung und zur verfassungsgebenden Volkskammer im Freistaat Hessen am 19. bezw. 26. Januar 1919 nach einzelnen Gemeinden und Stimmbezirken, hrsg. von der Zentralstelle für Landesstatistiken, Darmstadt 1919.
  3. Mandatsniederlegung am 21. Mai 1920. Nachfolger: Karl Neff (1882–1958; Gastwirt; Michelstadt/Odenwald).
  4. Seel verstarb am 4. August 1921. Landtagspräsident Adelung würdigte ihn in der 108. Plenarsitzung am 4. Oktober 1921: Meine Damen und Herren! Seit unserer letzten Tagung hat der Tod abermals ein Opfer aus den Reihen der Abgeordneten genommen: der Abg. Wilhelm Seel ist am 4. August in Mainz verstorben. [...] Der Abg. Seel ist geboren am 7. November 1866 zu Mainz. Er trat in dieses Haus ein bei Zusammentritt des Landtags des Freistaats Hessen. Der Abg. Seel war schon ein kranker Mann, als er in das Parlament eintrat. Er hat mit großer Energie versucht, trotzdem die Pflichten, die das Mandat mit sich brachte, zu erfüllen. Wir schätzten alle an ihm die Freundlichkeit seines Wesens und besonders die Reinheit seines Wollens. Im Namen des Präsidiums hat der Schriftführer, Herr Abg. Knoll, mit Worten des Gedenkens einen Kranz an seiner Bahre niedergelegt. Verhandlungen der Volkskammer der Republik Hessen 1919–1921, S. 2782. Nachfolger: Martin Reck (1874–1945; Kontrolleur; Vilbel).
  5. Mandatsniederlegung im März 1919. Nachfolger: Wilhelm Loos (1885–1948; Lehrer; Darmstadt).
  6. Feistmann verstarb am 20. September 1920. Landtagspräsident Adelung würdigte ihn in der 72. Plenarsitzung am 16. November 1920: Sei unserer letzten Tagung hat der Tod wieder einen Abgeordneten dahingerafft: der Abg. Eugen Feistmann ist am 20. September plötzlich gestorben. Der Verblichene war seit dem 26. Januar 1919 Mitglied dieses Hohen Hauses. Er hat ein Alter von 62 Jahren erreicht. Mit aufrichtiger Trauer ist die Kunde von dem Ableben Feistmanns von den Abgeordneten aller Parteien dieses Hauses aufgenommen worden. Der Dahingeschiedene hatte durch sein vornehmes Wesen sich die Sympathien aller zu erwerben gewußt. Seinen klugen Rat, besonders in wirtschaftlichen Fragen, werden wir schmerzlich vermissen. Sein Andenken wird jedenfalls über das Grab hinaus in unseren Kreisen lebendig bleiben. Verhandlungen der Volkskammer der Republik Hessen 1919–1921, S. 1848. Nachfolger: Heinrich Sames (1865–1939; Bauunternehmer; Darmstadt)
  7. Mandatsniederlegung im März 1919. Nachfolger: Philipp Feldmann (1868–1946; Landwirt und Bürgermeister; Armsheim).
  8. Mandatsniederlegung nach Übertritt zur SPD am 12. Oktober 1921. Nachfolger: Ernst Weidner (1885–1956; Pfarrer; Oberlais).
  9. Scherer verstarb am 2. Mai 1920. Landtagspräsident Adelung würdigte ihn am in der 55. Plenarsitzung am 19. Mai 1920: Der Abgeordnete Scherer ist am 2. Mai in Offenbach gestorben. Der Herr Abgeordnete Scherer ist seit Bestehen unseres Parlamentes Mitglied desselben; er ist am 26. Januar 1919 mit den anderen Herren hier eingetreten, und gehörte dem Vorstande des Parlamentes an. Er war von Beruf Former und stand seit dem Jahre 1888 an der Spitze der christlichen Arbeiterbewegung, in der er sich hervorragend betätigte. Hier in diesem Hause begleitete [sic!] er das Amt eines Schriftführers. Sie alle kannten und schätzten den Verstorbenen als einen eifrigen und fleißigen Kollegen. Er genoß die Hochachtung aller; sein Andenken wird in diesem Hause unvergessen bleiben. Im Auftrage des Präsidiums und des Hauses hat an seinem Grabe Herr Vizepräsident Soherr einen Kranz niedergelegt. Verhandlungen der Volkskammer der Republik Hessen 1919–1921, S. 1379 f. Nachfolger: August Nuß (1883–1958; Rechtsanwalt; Worms).
  10. Mandatsniederlegung am 2. Februar 1920. Anlässlich seiner Mandatsniederlegung würdigte ihn Landtagspräsident Adelung in der 50. Plenarsitzung am 10. März 1920: Mit tiefem Bedauern haben wir alle die Nachricht entgegengenommen, daß der Abgeordnete Dr. Schmitt sein Mandat als Mitglied dieses Hauses niedergelegt hat. Gesundheitsrückichten haben ihn dazu gezwungen. Etwa 27 Jahre war der Herr Abgeordnete Schmitt Mitglied der hessischen Volksvertretung. Er war nach dem Abgeordneten Ulrich das mandatsälteste Mitglied dieses Hauses. Fast auf den Tag sind es 20 Jahre, daß der Abgeordnete Schmitt als Vizepräsident die Geschäfte des Parlaments geleitet hat, und meine Damen und Herren, wie er sie geleitet hat. ist Ihnen allen bekannt. Mit vornehmer Ruhe und Sachlichkeit waltete er seines Amtes. Als Kollege, meine Damen und Herren, hat Herr Abgeordneter Schmitt in temperamentvoller Weise hier stets seine Ansicht vorgetragen, und er erfreute sich zweifellos der großen Achtung und der persönlichen Zuneigung aller Parteien. Er war nicht nur ein Leiter seiner Partei, sonder er war auch ein Führer des Volkes, und seinen Rat haben wir alle hoch geschätzt. Meine Herren, ich glaube, in Ihrem Namen zu sprechen, wenn ich der Hoffnung Ausdruck gebe, daß Herr Abgeordneter Dr. Schmitt bald gesunden möge. Ich hoffe, daß wir ihn dann bald wieder in unserer Mitte begrüßen können. Verhandlungen der Volkskammer der Republik Hessen 1919–1921, S. 1272. Nachfolger: Dr. Georg Zilch (1855–1930); Professor, Oberlehrer; Heppenheim an der Bergstraße.
Records
Additional Information
Recommended Citation
„Mehrheit für die SPD bei der Wahl im Volksstaat Hessen, 26. Januar 1919“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/en/subjects/idrec/sn/edb/id/504> (Stand: 26.10.2022)
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Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde